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Strategie So können Mittelständler finanziell flexibel bleiben

Wegen der trüben Konjunkturaussichten zögern viele Firmen mit Investitionen. Ein breiter Finanzierungsmix senkt das Risiko.
12.12.2019 - 11:53 Uhr Kommentieren
Weil viele Mittelständler nach zehn Jahren florierender Konjunktur komfortabel Eigenkapitalquoten haben, finanzieren sie kleinere Investitionen vornehmlich aus dem Cashflow. Quelle: dpa
Kasse für die Kasse

Weil viele Mittelständler nach zehn Jahren florierender Konjunktur komfortabel Eigenkapitalquoten haben, finanzieren sie kleinere Investitionen vornehmlich aus dem Cashflow.

(Foto: dpa)

Hamburg Frank Jorga ist ein vorausschauender Unternehmer. Der Chef der auf digitale Identifikationsverfahren spezialisierten WebID will im kommenden Jahr in neue Technologie, den Export und mehr Personal investieren. Die Berliner Firma plant ein schnelles Wachstum.

Zur Finanzierung der rund vier Millionen Euro nutzt er Kredite der auf Fintechs fokussierten Deutschen Handelsbank. „Aber wir halten uns unterschiedliche Finanzierungswege offen“, sagt der WebID-Chef.

Wie Jorga geht es derzeit vielen Mittelständlern: Weil nicht absehbar ist, wo der Konjunkturtrend im kommenden Jahr hinläuft, zögern sie mit größeren Investitionen. Dazu hemmen Zoll- und Handelskriege und der Wirrwarr um den EU-Austritt der Briten viele Mittelstandsinvestitionen.

Die Firmen warten darauf, dass diese Bremsen gelöst werden. So will etwa WebID auch wieder in Großbritannien investieren, wenn 2020 tatsächlich Brexit-Klarheit herrschen sollte. Durch das Abwarten und „Auf-Sicht-Fahren“ fehlen jedoch zunächst die Wachstumsimpulse.

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Standort erkennen

    Im dritten Quartal ist die gesamtwirtschaftliche Leistung der deutschen Wirtschaft gerade mal um 0,1 Prozent gestiegen, im Quartal zuvor sogar leicht gesunken. „Noch hat die Rezession, in der sich die Industrie seit Mitte 2018 befindet, den Dienstleistungssektor dank der robusten Konsumgüternachfrage nicht erreicht“, diagnostiziert Hans-Jürgen Völz, Leiter Volkswirtschaft beim Bundesverband mittelständische Wirtschaft (BVMW).

    Hoffnung machen vielen Ökonomen die positiven Geschäftsklimaindikatoren. Keine einfache Situation für die Entscheider in den Unternehmen. Viele von ihnen fragen sich, wie sie in dieser Situation strategisch vorgehen sollten.

    Die zweite wichtige Frage ist: Woher das Geld für dringend notwendige Projekte wie etwa zur Digitalisierung nehmen? Weil viele Mittelständler nach zehn Jahren florierender Konjunktur komfortabel Eigenkapitalquoten haben, finanzieren sie kleinere Investitionen vornehmlich aus dem Cashflow.

    Das macht auch Richard Horn. Der Geschäftsführer der Münchener Gesellschaft für Elektro- und Sicherheitstechnik stemmt die sukzessive Digitalisierung seines Unternehmens mit 60 Mitarbeitern mit Mitteln aus dem laufenden Geschäft. Er findet: „Wer heute für 50.000 oder 70.000 Euro einen Bankkredit aufnimmt, macht etwas falsch.“

    Wer liquide sei, solle die Eigenfinanzierung als günstigsten Weg nutzen. „Bankdarlehen sind nicht so billig, wie man angesichts des Niedrigzinsniveaus glauben könnte, die Geldhäuser lassen sich ihren Aufwand gut bezahlen“, weiß der Firmenchef.

    „Ersatz- und Modernisierungsinvestitionen muss man als Unternehmer immer tätigen, Erweiterungsinvestitionen nur, wenn die Zeit dafür günstig ist“, ergänzt Moritz von Soden. Der Chef der Bornemann Gewindetechnik in Dellingsen sieht diesen Moment für sein Unternehmen gekommen. „Und die deutschen Banken wollen Kredite vergeben.“

    Diese Konstellation will der Mittelständler für sich nutzen: „Wir verhandeln aktuell über ein Darlehen mit zwei Jahren Tilgungsfreiheit.“ Die Chancen dafür stehen nicht schlecht. Denn die traditionellen Geldhäuser befinden sich im Wettlauf mit vielen neuen Konkurrenten, wenn es um die Finanzierung von Unternehmen geht.

    Das Spektrum an Instrumenten reicht von Online-Kreditplattformen über Leasing, Factoring bis zu Crowdlending und - investing. Zusätzlich umgarnen Anbieter beziehungsweise Vermittler von Private Debt und Private Equity die Firmen. „Mittelständler sollten solche alternativen Finanzierungsformen häufiger nutzen als bisher und sie auch miteinander kombinieren“, gibt BVMW-Präsident Mario Ohoven eine strategische Empfehlung ab.

    Tilgen je nach Kassenlage

    Ein Finanzierungsinstrument, das perfekt auf die momentan wechselhafte Großwetterlage passt, ist der Pay-per-Use-Kredit. Der Clou dabei: Die Rückzahlung des Darlehens hängt von der Nutzung des Investitionsguts ab. Ratenhöhe und Tilgung werden etwa an die Auslastung einer Maschine angepasst.

    Der Automobilzulieferer KMB Technologie in Zerbst (Sachsen-Anhalt) hat eine Produktionslinie mit einem solchen Flex-Kredit finanziert. Wenn die Anlage in den flauen Sommermonaten weniger produziert, zahlt der Mittelständler geringere Raten als im auftragsstarken Frühjahr.

    Sven Hartwich, kaufmännischer Leiter bei KMB, hält das atmende Modell „gerade in unsicheren Zeiten für nützlich“. Dass er bei sinkenden Einnahmen auch eine geringere finanzielle Kreditbelastung hat, bedeute für den Betrieb „eine erhebliche Erleichterung“. Möglich wird diese Kreditform durch die Digitalisierung: Der Kreditgeber lässt sich die Maschinennutzungsdaten laufend online übermitteln.

    Investieren und trotzdem flexibel bleiben will auch Tim Mühlhoff. Der Mitgründer der MB Business Group im nordrhein-westfälischen Schwelm will dem inhabergeführten stationären Fachhandel beim Kampf gegen den E-Commerce-Boom helfen. Sein System „PaulTV“ bringt digitale Werbung ins Ladengeschäft. Markenhersteller wie Edding oder Tesa können damit in den rund 3.000 Bürobedarfsgeschäften in Deutschland über digitale Poster und Bildschirme Werbung platzieren für ihre Produkte.

    Mühlhoff will im kommenden Jahr rund 350 Händler mit der dafür notwendigen Hard- und Software ausrüsten. Finanziert wird die Investition über 200.000-Euro durch den Finanzpartner BFL Leasing mit einem Sale-Lease-Back-Rahmenvertrag. So hat Mühlhoff Planungssicherheit: „Durch die Skalierbarkeit bleiben wir flexibel. Das gibt uns in schwankenden Konjunkturphasen wie derzeit etwas mehr unternehmerische Sicherheit.“

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