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Volkswagen Financial Services VW-Finanztochter verdient trotz des schwachen Automarktes mehr

Fast überall in der Welt gehen die Verkaufszahlen für Autos zurück. VW Financial Services erzielt dennoch ein höheres Ergebnis.
05.12.2019 - 11:00 Uhr Kommentieren
Die VW-Finanztochter dürfte den operativen Gewinn in diesem Jahr um einen dreistelligen Millionenbetrag gesteigert haben. Quelle: AFP
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Die VW-Finanztochter dürfte den operativen Gewinn in diesem Jahr um einen dreistelligen Millionenbetrag gesteigert haben.

(Foto: AFP)

Hannover Weltweit haben praktisch alle Automobilhersteller ein schwieriges Jahr hinter sich. Auf fast allen großen Automärkten gehen die Absatzzahlen zurück oder sie stagnieren zumindest. Besonders groß ist der Einbruch in China, mit zuletzt rund 24 Millionen verkauften Pkw der größte Automarkt auf dem Globus.

Volkswagen Financial Services (VWFS) ist die Leasing- und Finanzierungstochter des Wolfsburger Autokonzerns, die sich in den vergangenen Jahren zu einem wichtigen zusätzlichen Ertragsbringer neben den klassischen Automarken entwickelt hat. Im vergangenen Jahr verbuchte die VW-Finanztochter einen operativen Gewinn von rund 2,6 Milliarden Euro, fast so viel wie die großen Automarken des Konzerns.

Da sich die Abkühlung auf den Weltautomärkten schon länger abgezeichnet hatte, glaubte bei der VWFS niemand so recht daran, dass es mit dem operativen Gewinn auch in diesem Jahr aufwärts gehen würde. Trotz der weltweit schwachen Autokonjunktur hat es die Volkswagen-Tochter ein weiteres Mal geschafft. „Wir haben doch einen deutlichen Sprung nach vorn gemacht“, sagte VWFS-Finanzvorstand Frank Fiedler am Mittwochabend bei einem Pressegespräch in Hannover. Im operativen Geschäft habe VWFS „mehr erreicht als geplant“.

Genaue Zahlen wollte Fiedler nicht nennen, da die Bücher noch nicht endgültig geschlossen sind. Die VW-Finanztochter dürfte den operativen Gewinn in diesem Jahr aber auf jeden Fall um einen dreistelligen Millionenbetrag gesteigert haben. Demnach werden in der Gewinn- und Verlustrechnung von VWFS beim operativen Ertrag voraussichtlich zwischen 2,8 und 2,9 Milliarden Euro stehen. „Die drei Milliarden haben wir nicht geschafft“, ergänzte der Finanzvorstand.

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    Bei konstanter Beschäftigtenzahl hat VWFS in diesem Jahr einfach mehr Geschäft gemacht. Weltweit kommt die VW-Tochter auf gut 16.000 Mitarbeiter. Der Vertragsbestand ist 2019 von rund 20 Millionen voraussichtlich auf 21,5 Millionen angewachsen, ergänzte Vorstandschef Lars Henner Santelmann.

    VWFS profitiert außerdem von einer Entscheidung des Bundesgerichtshofes (BGH) über die Widerrufsklausel von Kreditverträgen, die den Autoherstellern wesentliche Vorteile verschafft. Autokäufer können nicht einfach von ihren Verträgen zurücktreten und die Fahrzeuge vorzeitig an die Hersteller zurückgeben.

    Finanzierungstöchter wie die VWFS hatten schon Rückstellungen für den Fall gebildet, dass der BGH die schnelle Fahrzeugrückgabe erlauben würde. In einem ersten Schritt konnte bei der VW-Tochter ein zweistelliger Millionenbetrag aufgelöst werden, der sich auch positiv auf das operative Ergebnis auswirkt.

    Sparziel erhöht

    Bei dem vor einem Jahr aufgelegten Kostensenkungsprogramm Opex kommt die Volkswagen-Tochter schneller als gedacht voran. Bis zum Jahr 2025 sollte ursprünglich ein jährlicher Betrag von 850 Millionen Euro eingespart werden. In diesem Jahr hat sich herausgestellt, dass VWFS dieses Ziel voraussichtlich schon zwei Jahre früher erreichen wird. Deshalb erhöht die VW-Tochter das eigene Sparziel für 2025 auf 1,3 Milliarden Euro jährlich.

    Im Rahmen des Opex-Programms habe die Leasing- und Finanzierungstochter von Volkswagen ihre Vertriebskosten gesenkt, so Finanzvorstand Fiedler. Darüber hinaus machten sich die Investitionen in die eigene IT-Infrastruktur immer stärker bemerkbar und sorgten für eine verbesserte Kostenbasis. Außerdem arbeite die VW-Tochter an einer anhaltenden Verbesserung ihrer Produktivität.

    Seit dem vergangenen Jahr ist die Volkswagen-Bank keine Tochter mehr von Financial Services, sondern eine eigenständige Gesellschaft. Deshalb gelten die deutlich strengeren Eigenkapitalvorschriften eines Geldhauses nicht mehr für den großen Rest des Finanzierungs- und Leasinggeschäfts.

    Das frei werdende Eigenkapital will VWFS für die eigene Expansion verwenden. Bei der Bank ist ein Eigenkapitalanteil von 15 Prozent vorgeschrieben, bei der Leasing- und Finanzierungsgesellschaft sind es nur acht Prozent.

    Nach den Worten von Vorstandschef Santelmann werden dadurch bis zum Jahr 2025 insgesamt elf Milliarden Euro an Kapital frei. Der VWFS-CEO kalkuliert damit, dass die Bilanzsumme seines Unternehmens in den kommenden fünf Jahren auf 300 Milliarden Euro anwachsen kann. 2018 waren es noch rund 208 Milliarden Euro.

    Die Volkswagen-Tochter verspricht sich sehr viel von der zunehmenden Digitalisierung des eigenen Geschäfts. Von 2025 an sollen jährlich 2,5 Millionen Verträge digital abgeschlossen werden, das wäre ungefähr ein Drittel aller neuen Verträge.

    Dazu soll das gesamte Produktportfolio von VW Financial künftig auch digital abrufbar sein. In diesem Jahr werden etwa 100.000 Verträge digital abgeschlossen. „Wir kalkulieren ungefähr mit einer jährlichen Verdoppelung“, sagte Santelmann.

    Mit dem Einstieg in digitale Plattformen und neue mobile Dienste will VWFS außerdem wachsen. Parken, Laden und Tanken gehören inzwischen zum festen Programm der Volkswagen-Tochter. Wichtigste Neugründung war die eigene digitale Gebrauchtwagen-Plattform Heycar.

    Große Autohersteller wie Volkswagen hatten bislang keine eigene Internet-Plattform für gebrauchte Fahrzeuge. Unabhängige Anbieter wie etwa Autoscout24 dominieren dort das Geschäft. VWFS will deren Dominanz durch das eigene Angebot mit Heycar durchbrechen. Die Gebrauchtwagenbörse gab es lange nur in Deutschland. Vor wenigen Wochen ist sie auch in Großbritannien gestartet.

    2020 wird aus Sicht der VWFS-Vorstände kein einfaches Jahr. Die weltweite Flaute auf den Automärkten könne auch in den kommenden zwölf Monaten anhalten. Das Unternehmens wolle das Ertragsniveau dieses Jahres trotzdem halten.

    Die VW-Tochter sieht weitere Expansionschancen mit Heycar, außerdem soll das weltweite Flottengeschäft ausgebaut werden. In China beginne das Leasing- und Finanzierungszeitalter überhaupt erst.

    Zunehmende Bedeutung gewinnt für die VW-Tochter im nächsten Jahr das Leasing von Elektroautos. Der Volkswagen-Konzern beginnt im Frühsommer mit dem Verkauf seines neuen Elektromodells ID.3. Die Finanzierungstochter kalkuliert damit, dass etwa 80 Prozent der neuen ID.3 in Deutschland verleast würden.

    Bislang ist in Deutschland eine Quote von 60 Prozent üblich. Viele private Kunden würden das neue Auto erst einmal leasen, meinte VWFS-CEO Santelmann. Sein Unternehmen stelle sich entsprechend darauf ein.

    Für Evercore-Analyst Arndt Ellinghorst ist das der richtige Weg, Volkswagen betreibe seine Elektrifizierungsstrategie ziemlich konsequent. „Das sollte eigentlich auch zu einer höheren Börsenbewertung des gesamten Konzerns führen“, folgerte der Automobilexperte.

    Mehr: Der Dieselskandal lässt VW nicht los: Die Staatsanwaltschaft ermittelt wegen möglicher Schummelsoftware im aktuellen Motor. VW bestreitet eine Manipulation.

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