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Währungsschwankungen Die richtige Strategie wählen

Für Unternehmen außerhalb der Euro-Zone sind schwankende Wechselkurse eine Gefahr. Viele unterschätzen das Risiko. Doch sie können sich mit einfachen Methoden absichern.
15.12.2019 - 15:11 Uhr Kommentieren
Bereits ein Tweet von US-Präsident Donald Trump kann zu extremen Wechselkursschwankungen führen und Auslandsgeschäfte belasten. Quelle: Getty Images

Bereits ein Tweet von US-Präsident Donald Trump kann zu extremen Wechselkursschwankungen führen und Auslandsgeschäfte belasten.

(Foto: Getty Images)

Aachen Das Unternehmen Bag Company vertreibt von Prien am Chiemsee aus Einkaufstaschen und Geschenkverpackungen, die es vorwiegend in Asien produzieren lässt. „Wir kaufen bei unseren Lieferanten in US-Dollar und wollen auf keinen Fall den Wechselkursschwankungen zwischen Euro und Dollar ausgesetzt sein“, sagt Roland Gartner, der die Firma im Jahr 2003 gründete. Seit 2005 sichert der Geschäftsführer solche Währungsrisiken ab.

Bag Company vertreibt rund 120 Millionen Tragetaschen pro Jahr. Der Jahresumsatz liegt bei etwa elf Millionen Euro. 4,5 Millionen Euro benötigt das Unternehmen, um in US-Dollar einzukaufen. Für seine großen internationalen Kunden aus allen Branchen ordert die Bag Company im Jahr jeweils mehrere Container Ware aus China.

„Zwischen Angebot und tatsächlicher Lieferung können bis zu acht Monate vergehen. Wenn wir das Wechselkursrisiko nicht absichern und der Euro gegenüber dem Dollar fällt, könnten wir große Probleme bekommen“, sagt Gartner.

Kurse nicht vorhersagbar

Dieses Risiko schließt er aus, indem seine Finanzbuchhalterin per Devisentermingeschäft den Wechselkurs quasi einfriert. „Sie kauft beispielsweise für den geplanten Liefertermin im Oktober 250.000 Dollar zum heutigen Wechselkurs. Uns kann es dann egal sein, wie sich der Euro-Dollar-Kurs bis Oktober entwickelt“, erläutert Gartner. Die Absicherungskosten nimmt der 52-Jährige dabei gerne in Kauf.

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    Denn die Währungsentwicklung ist kaum zu prognostizieren. So können unsichere wirtschaftspolitische Zeiten für volatile Märkte sorgen - beste Beispiele dafür sind aktuell der Brexit und der weltweite Handelskonflikt.

    Bereits ein Tweet von US-Präsident Donald Trump kann zu extremen Wechselkursschwankungen führen und Auslandsgeschäfte belasten. Davon betroffen sind vor allem exportierende Firmen aus dem Maschinenbau oder auch E-Commerce-Shops, die Waren aus China, Osteuropa oder afrikanischen Ländern bestellen und in Fremdwährungen bezahlen. Gerade für kleine und mittlere Unternehmen ist es in den vergangenen Jahren immer bedeutender geworden, Wechselkursrisiken abzusichern.

    Rund 98 Prozent der 350.000 deutschen Exporteure sind Mittelständler. Sie sind weltweit engagiert. „Unsere Mittelständler verfügen in der Regel nicht über hohe Finanzpolster, um Währungsschwankungen einfach wegzustecken“, sagt Mario Ohoven, Präsident des Bundesverbandes mittelständische Wirtschaft (BVMW). „Daher müssen sich die Firmen schon aus wohlverstandenem Eigeninteresse gegen künftige Schwankungen absichern.“

    Viele Unternehmen unterschätzen offenbar immer noch das Risiko: „Wir erleben, dass viele Firmen keine konkrete Strategie für Währungsschwankungen haben“, sagt Oliver Haibt, Leiter Corporate Sales Derivate der Commerzbank. Das Währungsmanagement sei aber für viele Mittelständler ein wesentlicher Erfolgsfaktor, berichtet der Experte.

    So haben in den vergangenen Jahren an den Devisenmärkten die Kursschwankungen zugenommen. „Die Volatilität wird in den kommenden Jahren eher zunehmen. Deswegen ist das aktive Währungsmanagement für einen großen Teil der mittelständischen Unternehmen essenziell wichtig.“

    Firmen können mit einfachen Devisenstrategien Währungsmanagement sehr professionell betreiben. „Dazu braucht man keinen Währungsspezialisten. Dies kann zum Beispiel die Buchhaltung des Unternehmens in Zusammenarbeit mit der Hausbank übernehmen“, sagt Haibt.

    Der Informationsbedarf zum Thema Währungsabsicherung ist laut Haibt bei den Mittelständlern enorm. „Wir nehmen bei Informationsveranstaltungen großes Interesse wahr. Die Firmen erkennen offenbar immer mehr, dass sie in Zeiten der Globalisierung nicht mehr nur in Euro denken können.“

    Der Commerzbanker berichtet, dass insbesondere kleinere Unternehmen bis dato keine Währungsstrategien verfolgen. „Das ist für die Unternehmen gefährlich - vor allem wenn eine Währung besonders großes Gewicht hat. Keine Sicherungen zu tätigen bedeutet oftmals automatisch das Akzeptieren von großen Preisschwankungen beim Einkauf von Rohstoffen oder Verkaufserlösen von Waren in Nicht-Euro-Ländern.“

    Ähnlich sieht es bei der Zinssicherung aus. Die lange Phase niedriger Zinsen lässt anscheinend die Mittelständler glauben, dass eine Absicherung gegen steigende Zinsen nicht notwendig ist - ein Trugschluss. Denn sobald die EZB die Zinsen anhebt, werden auch Zinssicherungen deutlich teurer.

    Unternehmen können mithilfe von Banken über Devisentermingeschäften oder Devisenoptionen Währungsschwankungen ausgleichen. Devisentermingeschäfte garantieren einen festen Umtauschkurs an einem frei zu bestimmenden Termin in der Zukunft. Dadurch ist das Unternehmen an die vereinbarten Kurse gebunden.

    Im Gegensatz dazu sind Firmen bei Devisenoptionen nicht zum Währungstausch verpflichtet, wenn sie am Markt günstigere Konditionen bekommen können. Für dieses Wahlrecht zahlt das Unternehmen eine Optionsprämie.

    Die Kosten sind jedoch vergleichsweise hoch. Devisenoptionen sind grundsätzlich teurer als Devisentermingeschäfte. Daher werden Devisentermingeschäfte von Mittelständlern häufiger genutzt als Devisenoptionen.

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