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43. Bundestag Der nächste Neuanfang

Beim Deutschen Fußball-Bund steht seit heute Fritz Keller an der Spitze. Der neue Präsident kündigte nach seiner Wahl als erstes eine Generalinventur an.
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Fritz Keller, der neuer DFB-Präsident, während seiner Rede beim 43. Bundestag im Frankfurter Kongresszentrum. Quelle: dpa
DFB-Bundestag - Fritz Keller

Fritz Keller, der neuer DFB-Präsident, während seiner Rede beim 43. Bundestag im Frankfurter Kongresszentrum.

(Foto: dpa)

Frankfurt Seine ersten Worte klingen noch etwas hölzern. Zu viel sei schon gesagt worden über die dringend notwendigen Strukturen beim Deutschen Fußball-Bund (DFB), hier beim 43. Bundestag im Frankfurter Kongresszentrum. Fritz Keller legt deshalb seine vorbereitete Rede schnell beiseite, er will improvisieren. Die Dinge benennen, die ihm wirklich wichtig sind. Der Frauenfußball zum Beispiel, der Amateursport, das Ehrenamt. Und die gesellschaftliche Bedeutung eines der größten Sportverbände der Welt.

Es ist Kellers Bewerbungsrede an diesem Freitagmittag, im Anschluss wird er von den 257 Delegierten im Saal einstimmig zum neuen DFB-Präsidenten gewählt – ohne Enthaltungen, ohne Diskussionen. Und damit zum Nachfolger des glücklosen Reinhard Grindel, der im Frühjahr dieses Jahres wegen einer Uhr zurücktrat, die er von einem russischen Oligarchen geschenkt bekam.

Keller, 62 Jahre alt, Star-Winzer, Sterne-Gastronom und langjähriger Präsident des SC Freiburg, weiß, dass es nun an ihm ist, dem DFB ein neues Gesicht zu geben. Eines, das gänzlich frei ist von Skandalen. Es ist keine leichte Aufgabe – und eine, über die er sich lange Gedanken gemacht hatte. Will er sich das antun? Am Ende hat er dem DFB nach reichlicher Abwägung zugesagt und das neue Wohnmobil, mit dem er eigentlich in Zukunft viel reisen wollte, wieder verkauft. Ohnehin sei er damit „im letzten Jahr nur 100 Kilometer weit gekommen“.

Externe Überprüfung aller Bereiche

Kellers Credo ist Transparenz. Dem Verband steht eine Generalinventur bevor, eine externe Überprüfung aller Bereiche, der sportlichen wie der wirtschaftlichen. „Alles wird untersucht“, sagt Keller an diesem Mittag. „Finanzen, Finanzströme, einfach alles.“ So will er „Vertrauen zurückgewinnen“. Denn das hatte selbst bei den größten Fans zuletzt stark gelitten.

Die bis heute ungeklärte Affäre um das Sommermärchen rund um die WM 2006, der Skandal um Mesut Özil, das schlechte Abschneiden der Nationalmannschaft bei der WM 2018, und schließlich der Rücktritt Grindels – all das hat dafür gesorgt, dass sich die Menschen vom DFB abgewandt haben. Keller muss nicht weniger, als die Glaubwürdigkeit wiederherstellen.

Seine neue Aufgabe stellt Keller in seiner Rede unter das Motto „Nur gemeinsam geht’s“. Im Team will er agieren, keine „One-Man-Show“ sein, wie einige seiner Vorgänger. Immerhin ist er bereits der 13. Präsident in der Geschichte des DFB – und nicht alle haben die erste Amtszeit überhaupt überstanden. Dabei würde Keller schon ab und an „schwindlig“, wenn er an die Verantwortung denkt, die er nun über sieben Millionen Mitglieder hierzulande hat. In solch emotionalen Momenten schaut er immer etwas länger in den Saal, rückt seine schwarze Hornbrille zurecht, hält kurz inne. Als wollte er sich selbst hinterfragen.

Dabei gibt es an Kellers Integrität und auch professioneller Denke beim DFB keinerlei Zweifel. Durch die Strukturreform, die Generalsekretär Friedrich Curtius in den vergangenen drei Jahren akribisch vorbereitet hat, wird der neue Präsident keine Richtlinienkompetenz für die Verbandspolitik mehr haben. Der mit zehn Gegenstimmen wieder gewählte Vizechef Rainer Koch bezeichnete Keller trotzdem als starken Präsidenten: „Fritz Keller ist ohne jeden Zweifel eine außergewöhnliche Persönlichkeit mit allen Qualitäten. Er lebt die Werte des Fußballs.“

Keller: DFB ist eine „Integrationsmaschine“

Keller legt Wert darauf, dass der Fußball ein Abbild der Gesellschaft ist. Eine „Integrationsmaschine“ sei der DFB, sagt er, „das letzte Lagerfeuer der Gesellschaft“. Hier sollen alle mitmachen – und mitmachen können. Auf die Themen Vielfalt und Diversity legt er besonderen Wert.

Doch wer sich im Saal umschaut, der entdeckt unter den Delegierten nur wenige Frauen. Und auch auf dem Podium hier im Kongresszentrum, auf dem das komplette 18-köpfige Präsidium des DFB versammelt ist, sitzt mit Hannelore Ratzeburg, zuständig für Mädchen- und Frauenfußball, weiterhin nur eine Frau. Auch die meisten Ausschüsse im DFB werden von Männern geführt, neuer Vorsitzender der Ethik-Kommission beispielsweise ist der SPD-Politiker Thomas Oppermann, Vizepräsident des Deutschen Bundestages.

Der neue Präsident Keller weiß, dass der Verband in Sachen Frauenförderung noch großen Nachholbedarf hat. Und verspricht, dass sich „die Lage im operativen Geschäft“ anders darstellen wird. Dass dort mehr Frauen Führungsaufgaben übernehmen.

Die Veränderungen im operativen Bereich gehören zu den wichtigsten Neuerungen unter dem 13. Präsident der DFB-Geschichte. Der Verband, mit rund 400 Millionen Euro Umsatz pro Jahr und 500 hauptamtlichen Mitarbeitern muss das Risiko des Verlustes der Gemeinnützigkeit minimieren – und gliedert deshalb in Zukunft seine kommerziellen Tätigkeiten in die DFB GmbH aus. Ab Mitte 2020, spätestens ab 2021 soll diese Reform umgesetzt sein, verspricht der am Freitag im Amt bestätigte Generalsekretär Curtius.

Und Keller ergänzt: „Ohne diesen so wichtigen Schritt hätte ich das Amt nicht übernommen.“ Es ist der Schritt hin zu mehr Professionalisierung, die Keller schließlich von dem Amt überzeugt hat. Er ist ein erfolgreicher Unternehmer, führt ein Weingut in Südbaden in dritter Generation. Er weiß, wie wichtig Transparenz in der Wirtschaft ist. Beim DFB hat er sich große Ziele gesteckt. Er wird sich ab sofort daran messen lassen müssen.

Mehr: Nicht erst der Rücktritt von DFB-Präsident Reinhard Grindel zeigt: Den Fußball-Funktionären fehlt beim Umgang mit Geld der ethische Kompass.

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