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Abschwungszenarien Wie sich Umsatzeinbrüche in der Bilanz auswirken

Sinken die Erträge, bleibt ein Großteil des Eigenkapitals erhalten. Doch ab dem zweiten Krisenjahr drohen Gefahren. Vor allem für die Liquidität.
15.09.2020 - 11:00 Uhr Kommentieren
Ein Arbeiter mit Trennschleifer: Viele Unternehmen haben in der Coronakrise zwar heftige Umsatzeinbrüche, die Folgen für Eigenkapital und Liquidität sind aber noch akzeptabel. Quelle: dpa
Maschinenbau

Ein Arbeiter mit Trennschleifer: Viele Unternehmen haben in der Coronakrise zwar heftige Umsatzeinbrüche, die Folgen für Eigenkapital und Liquidität sind aber noch akzeptabel.

(Foto: dpa)

Düsseldorf Setzt sich die Wirtschaftskrise fort, oder verschärft sie sich? Der Deutsche Sparkassen- und Giroverband (DSGV) hat in zwei Szenarien untersucht, wie sich Nachfrageschwäche und fortgesetzte Auftragseinbrüche auf die Unternehmen und ihre Finanzkraft in Schlüsselbranchen auswirken. In einem Fall sinken die Umsätze um 20 Prozent, im anderen um 30 Prozent.

Das sind die Ergebnisse: Bei metallerzeugenden Firmen hätte ein Umsatzrückgang von durchschnittlich 20 Prozent im Gesamtjahr 2020 zwar in der Regel ein negatives operatives Ergebnis zur Folge, nach Berechnungen des DSGV würden den Firmen aber noch 89 Prozent des Eigenkapitals aus dem Vorjahr verbleiben. Bei der Automobilindustrie wären es 90, dem Einzelhandel 92 und dem Maschinenbau 94 Prozent.

Sinkt der Umsatz stärker, um 30 Prozent, verbliebe den Unternehmen in den von der Krise stark beeinträchtigten Branchen noch mindestens 75 Prozent ihres Eigenkapitals. Überschuldung droht der breiten Masse in dieser Durchschnittsbetrachtung in beiden Szenarien also nicht.

Differenzierter sieht es bei der Liquidität aus. Sinken die Umsätze um 20 Prozent, verbleibt den Firmen ein Großteil ihrer Liquidität. Brechen die Umsätze aber um 30 Prozent ein, schmelzen die Bargeldreserven bedrohlich zusammen, am stärksten in der Automobilindustrie und im Einzelhandel.

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    Das sind die Annahmen: Der Materialaufwand bewegt sich für die Unternehmen im gleichen Verhältnis zum Umsatz. Werden beispielsweise weniger Autos hergestellt, benötigt der Autobauer dafür auch weniger Material.

    Der Personalaufwand dagegen ist „halbelastisch“: Er sinkt um zehn Prozent, wenn der Umsatz um 20 Prozent zurückgeht. Dies erhöht die Kosten beträchtlich, was sich in einem starken Gewinnrückgang niederschlägt und bei der Berechnung berücksichtigt wurde.

    Bei den Annahmen zur Liquidität wurden mögliche Abschreibungen außen vor gelassen, weil sie nicht liquiditätswirksam sind. Auch die Veränderung des Working Capitals (höhere Liquidität durch Vorratsverkäufe) und Investitionen wurden nicht berücksichtigt. Gerade der Working-Capital-Effekt führt im ersten Jahr zu einem erheblichen Zufluss an Liquidität. Insofern ist das Ergebnis in der Modellrechnung nach unten verzerrt.

    Das ist die Realität: Umsatzrückgänge von durchschnittlich 20 Prozent erscheinen in den Schlüsselbranchen mit Ausnahme des Einzelhandels realistisch. So sanken nach Berechnungen des Statistischen Bundesamts in dem von der Krise besonders betroffenen verarbeitenden Gewerbe mit seinen insgesamt 5,5 Millionen Beschäftigten die Umsätze im ersten Halbjahr um 26,5 Prozent. Dazu zählen die drei Schlüsselbranchen Automobil, Chemie und Maschinenbau.

    Die industrielle Kernbranche, der Maschinenbau, hatte 2019 knapp 230 Milliarden Euro umgesetzt. In diesem Jahr werden es nach Schätzungen des Branchenverbands VDMA rund 190 Milliarden Euro sein – das entspricht einem Minus von 17 Prozent.

    Deutlich besser sieht es in der Chemie aus. Der Verband der Chemischen Industrie rechnet mit einem Rückgang der Produktion um drei Prozent und einem Umsatzminus von sechs Prozent.

    Die Leitbranche Automobil prognostizierte zuletzt einen Rückgang bei ihrer Inlandsproduktion von rund 25 Prozent. Etwas weniger pessimistisch rechnen die Experten der Unternehmensberatung PwC für Automobilhersteller und Zulieferer mit einem Erlösminus von 13 bis 24 Prozent in diesem Jahr aus – je nachdem, ob ein „mildes“ oder ein „schweres“ Szenario eintritt.

    Größere Schwankungen gibt es bei den Bargeldreserven, wie das Zusammenschmelzen etwa in der Automobil- und Touristikbranche zeigt. Im Einzelhandel droht die Liquidität fast ganz zu versiegen. Allerdings zeichnen sich im Einzelhandel in der Summe und für die Gesamtbranche nicht einmal Umsatzeinbußen von zehn Prozent ab.

    Zudem hat der Einzelhandel seine zwischenzeitlichen Einbußen schon wieder wettgemacht. Die Umsätze lagen im ersten Halbjahr 2020 sogar um 0,8 Prozent höher als im zweiten Halbjahr 2019.

    Das sind die Risiken: Liquidität durch den Abbau von Vorräten zu heben (Working-Capital-Effekt) wirkt nur einmal. Deshalb drohen spätestens ab dem zweiten Krisenjahr deutlich größere Rückgänge bei den Bargeldreserven. Auch Kredite und Geld über Anleihen dürften im zweiten Krisenjahr schwerer zu bekommen sein.

    In dieser Modellrechnung geht es nur um Durchschnittswerte. In jedem einzelnen Unternehmen stellt sich die Umsatz- und Gewinnentwicklung und daraus folgend die des Eigenkapitals und der Liquidität anders da.

    Wer bis 2019 wenig Eigenkapital oder Liquidität angehäuft hat, rutscht viel schneller in die Überschuldung und Zahlungsunfähigkeit und damit in die Insolvenz, als es diese Durchschnittsszenarien für die deutsche Industrie vermitteln.

    Mehr: Kleine Firmen kämpfen ums Überleben, Dax-Konzerne horten Cash.

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