Ägypten Das Firmenimperium der Sawiris-Famliie

Die drei Sawiris-Brüder teilen sich das Reich, das ihr Vater Onsi in Ägypten aufbaute. Dabei geht jeder seinen eigenen Weg - abhängig davon wie tief die Beziehungen zur Mubarak-Clique sind. So zieht der Jüngste im Bunde, Nassef Sawiris, es vor zu schweigen, während sein Bruder Naguib gegen Mubarak auf die Barrikaden ging.
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Naguib Sawiri: Der Unternehmer forderte den Abgang von Mubarak. Quelle: dpa

Naguib Sawiri: Der Unternehmer forderte den Abgang von Mubarak.

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KAIRO. Die Frontlinie in Ägypten verläuft mitten durch die reichste Familie des Landes. "Halt dich aus der Politik raus, du schadest uns noch allen", soll der jüngste Spross des mächtigen Sawiris-Clans, Nassef Sawiris, seinen älteren Bruder Naguib immer wieder gewarnt haben. Doch Naguib wollte nicht hören: Geschützt durch seine Stellung als Präsident der Deutsch-Arabischen Industrie- und Handelskammer übte der Unternehmer immer offener Kritik an der grassierenden Korruption in seiner Heimat.

Und mit Ausbruch der Revolte am Nil ging der 56-jährige Chef und Hauptaktionär des internationalen Telefonriesen Orascom Telecom als erster prominenter Wirtschaftsführer auf die Barrikaden und forderte den Abgang von Präsident Hosni Mubarak. Zusammen mit Nobelpreisträgern, Intellektuellen und Politikern hat Naguib Sawiris den "Rat der Weisen" gegründet, der nun mit Vizepräsident Omar Suleiman über den politischen Übergang verhandelt.

Auch Samih Sawiris, der mittlere der drei Sawiris-Brüder, fordert drastische Reformen in seinem Land, glaubt aber nicht, dass der Staatspräsident vor September abtritt: "Freiwillig wird Mubarak nicht gehen", sagte der Chef des Immobilien- und Touristikkonzerns Orascom Development dem Handelsblatt.

Enge Bande mit dem Präsidenten-Clan

Nur der jüngste Bruder und Chef des Baukonzerns Orascom Construction, Nassef Sawiris, schweigt weiter. Kaum verwunderlich, denn gerade dem Bauzweig des mächtigen Orascom-Imperiums wird vorgeworfen, sehr eng mit der herrschenden Mubarak-Clique verbandelt zu sein. Staatliche Bauaufträge jedenfalls würden nur an ausgewählte Unternehmen vergeben, berichten lange in Kairo lebende Investoren oder der Journalist Abdel Bari Atwan von der Zeitung "Al Quds". Diese Firmen müssten eng mit dem Regime verbunden sein und auch ausländische Anbieter bräuchten sie als Partner, wenn sie in Ägypten erfolgreich Geschäfte machen wollten. Atwan ist überzeugt, dass "der Mubarak-Clan Politik und Wirtschaft des Landes sehr eng kontrolliert".

So saßen bis vor kurzem Unternehmer und Politiker im Kabinett und in der Führung von Mubaraks Staatspartei NDP, die von der neuen Regierung inzwischen der Korruption bezichtigt werden. Unter ihnen ist Tourismusminister Zoheir Garana, der Aktionär bei Samih Sawiris Orascom Development ist. Mitglieder der Familie Mubarak, etwa dessen Sohn Alaa, werden immer wieder als Großaktionäre von Orascom genannt. Vorwürfe der politischen Verstrickung wehrt Samih Sawiris aber ab: "Wer in Ägypten nicht in Orascom investiert, ist entweder ein totaler Anti-Christ (die Sawiris sind christliche Kopten, d. Red.) oder vollkommen dumm. Welche Aktien soll man hier sonst kaufen?" Die Mubaraks seien aber nicht direkt Teilhaber bei Orascom, sondern allenfalls über Fonds.

Den Grundstein für das verschachtelte Firmenimperium hat Vater Onsi Sawiris, Jahrgang 1930, gelegt. 1960 wanderte er ins Nachbarland Libyen aus, weil in der Heimat unter der Herrschaft von General Gamal Abdel Nasser seine Unternehmen verstaatlicht wurden. In Libyen machte er ein Vermögen in der Bauindustrie und kehrte nach dem Regierungswechsel in Kairo heim. Unter Anwar al Sadat errichtete er sein Firmenimperium am Nil und baute es massiv aus, als unter Sadats Nachfolger Mubarak viele Unternehmen privatisiert wurden. Als einer der reichsten Männer Ägyptens teilte Onsi Sawiris sein Reich dann unter seinen drei Söhnen auf.

Die Beziehungen zu den Mubaraks sind eng: Naguib und Nassef Sawiris sind mit Mubaraks Söhnen Gamal und Alaa so gut befreundet, dass sie bei der Fußball-WM 1998 in Frankreich gemeinsam bei einem der Spiele gesehen wurden. Dennoch haben die politischen Aktivitäten von Naguib Sawiris und seinem "Rat der Weisen" dazu geführt, dass der Staatspräsident seinen Plan beerdigen musste, die Macht an seinen Sohn Gamal zu übergeben - obwohl Nassef Sawiris dessen Businessclub unterstützte.

Mubaraks Vermögen geht in die Milliarden

Gamal Mubarak soll inzwischen in seiner Nobelwohnung am Wilton Place 28 in der Londoner Luxuswohngegend Belgravia sein. Das auf acht Millionen Dollar geschätzte Anwesen ist bei weitem nicht das einzige Vermögen des Mubarak-Clans: Auf 40 bis 70 Milliarden Dollar schätzt der Princeton-Professor Amaney Jamal die Präsidenten-Familie, die laut Medienberichten Immobilien am Roten Meer, in London und Beverley Hills besitzt und vor allem auf Schweizer Konten riesige Summen gebunkert haben soll.

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