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Aktivistische Investoren Fonds wie Cevian und Elliott haben europäische Firmen im Visier

Eine Studie zeigt: Aggressive Großanleger werden immer öfter in Europa aktiv. Vor allem drei Sektoren sind für die Fonds besonders interessant.
06.12.2019 - 17:20 Uhr Kommentieren
Die Technologiebranche ist für aktivistische Investoren besonders interessant. Quelle: dpa
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Die Technologiebranche ist für aktivistische Investoren besonders interessant.

(Foto: dpa)

Düsseldorf Cevian drängt auf die Zerschlagung von Thyssen-Krupp, Elliott will bei Scout24 den Verkauf des Autoportals durchdrücken, Petrus Advisors mischt sich bei der Commerzbank ein: Aktivistische Investoren setzen börsennotierte Unternehmen in Deutschland und Europa immer wieder unter Druck.

Die Relevanz werde im nächsten Jahr weiter steigen, prognostiziert das Beratungsunternehmen Alvarez & Marsal (A&M) in einer Studie, die dem Handelsblatt vorliegt: Die Investoren nähmen auf der Suche nach Anlagemöglichkeiten verstärkt Kontinentaleuropa in den Fokus, besonders Deutschland und Frankreich.

Für 158 Unternehmen in den acht untersuchten Ländern und Regionen besteht der Prognose zufolge ein „signifikantes Risiko“ – vor allem in Industrie, Gesundheitswesen und Technologie.

„Private-Equity-Gesellschaften und aktivistische Fonds verspüren einen hohen Anlagedruck“, sagte Patrick Siebert, Managing Director von Alvarez & Marsal. Bislang seien die zumeist angelsächsischen Investoren in Großbritannien sehr aktiv, nun herrsche aber wegen des Brexits eine gewisse Unsicherheit. Das Vereinigte Königreich sei zwar weiterhin der größte Markt, aber: „Jetzt fokussieren sie sich auf die starken Wirtschaftsnationen wie Deutschland und Frankreich.“

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    Einige Erfolge haben die Unternehmen darin bestärkt. So gelang es Elliott, beim französischen Getränkehersteller Pernod Ricard eine neue Strategie zu erzwingen. Der Aktienkurs hat seitdem deutlich zugelegt. Eine hilfreiche Entwicklung: Institutionelle Investoren mischen sich seit einiger Zeit mehr in die Unternehmenspolitik ein – etwa indem sie Änderungen am Vergütungssystem fordern. In einigen Fällen unterstützen sie auch Forderungen der Aktivisten.

    Vergleich mit der Konkurrenz

    Unter aktivistischen Investoren werden Hedgefonds verstanden, die sich Minderheitsbeteiligungen an Unternehmen sichern, um Einfluss aufs Management zu nehmen. Ziel ist es, den Wert zu steigern und dann wieder auszusteigen. Dabei geht es mitunter ruppig zu: Zu den Instrumenten zählen strategische Neuausrichtungen, Abspaltungen von Geschäfts‧- teilen wie auch Veränderungen im Management.

    A&M untersucht das Vorgehen von aktivistischen Investoren auf bestimmte Muster, Grundlage sind gut 200 Fälle aus den vergangenen zweieinhalb Jahren. Anschließend analysiert die Beratung 1400 Unternehmen auf Auffälligkeiten. Ein Risiko besteht beispielsweise, wenn ein Anbieter in einer attraktiven Branche deutlich schlechter dasteht als die Konkurrenz. „Die Aktivisten zielen auf Ineffizienzen“, sagte Siebert.

    Von den Beteiligungen, die in der Öffentlichkeit bekannt geworden sind, hat A&M nach eigenen Angaben 60 Prozent korrekt prognostiziert. Die Liste mit potenziellen Zielen legt sie aus Gründen der Vertraulichkeit jedoch nicht offen.

    Viel Aktivität gibt es in der Industrie. Die sei lange durch Konglomerate geprägt gewesen, sagte Siebert. Da die Einzelteile an der Börse oft mehr wert seien als der Konzern insgesamt, könne ein Investor mit einer Abspaltung den Aktienkurs steigern. 52 potenzielle Ziele hat die Beratung in Europa identifiziert.

    Einige Konzerne verändern inzwischen von sich aus die Strukturen, Siemens spaltet zum Beispiel die Gesundheitssparte Healthineers ab, Volkswagen den Nutzfahrzeughersteller Traton. „So etwas hilft, aktivistischen Investoren zuvorzukommen, lässt aber unabhängig davon den Wert des Konzerns besser sichtbar werden“, sagte Siebert.

    Auch der Technologiesektor ist auf dem Radar der Investoren. Das zeigen die Kampagnen gegen den Lieferdienst Just Eat in Großbritannien und den Internetkonzern Scout24 in Deutschland, aber auch die Beteiligung des Hedgefonds Elliott am Softwarekonzern SAP.

    24 Unternehmen sind der Analyse zufolge besonders gefährdet. Aufgrund der hohen Multiplikatoren, die in der Technologiebranche üblich sind, kann schon eine vergleichsweise kleine Verbesserung des Ergebnisses zu einer deutlich höheren Bewertung führen, lautet das Kalkül der Investoren. Zudem handelt es sich aufgrund der Digitalisierung um einen Wachstumsmarkt.

    Potenzial für Kampagnen sieht A&M zudem im Gesundheitswesen. Einerseits altert die Bevölkerung, andererseits konsolidiert sich der Markt gerade. Eher wenig Aktivitäten erwartet die Beratung dagegen in kriselnden Branchen, zum Beispiel bei Automobilzulieferern und Banken.

    Unternehmensführung als wichtiger Faktor

    Auch Versäumnisse bei der Unternehmensführung sowie bei der ökologischen und gesellschaftlichen Positionierung bergen Risiken. 62 Prozent der europäischen Firmen, die sich mit einem aktivistischen Investor auseinandersetzen müssen, haben in diesen Bereichen Nachholbedarf.

    Es gebe einen Zusammenhang zwischen einer guten Bewertung und hohen Renditen, sagte A&M-Manager Siebert: „Es handelt sich hier um Leitplanken für den Unternehmenserfolg.“ Das lasse sich exemplarisch an der Unternehmensführung festmachen: Eine gute Struktur mache sich bereits kurz- bis mittelfristig positiv bemerkbar.

    Namhafte Investoren fordern inzwischen, dass sich Unternehmen mehr mit ökologischen und sozialen Belangen befassen müssen. So forderte Blackrock-Chef Larry Fink viele Manager in einem Brief auf, drängende soziale und wirtschaftliche Fragen anzugehen. Dazu zählten Umweltschutz, Alterssicherung sowie Gleichberechtigung von Geschlechtern und ethnischen Gruppen.

    Mehr: Der gefürchtete Investor Carl Icahn hat damit begonnen, die Geschäfte an seinen Sohn zu übergeben. Doch der 83-Jährige will noch lange nicht in Rente gehen.

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