Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Alain Dehaze „Wir brauchen ein duales System für die ältere Generation“

Der Adecco-Chef fordert Weiterbildungsbudgets für ein lebenslanges Lernen der Beschäftigten. Denn Reskilling sei deutlich günstiger als Recruiting.
Kommentieren
„Jeder ist hauptsächlich selbst dafür verantwortlich, dass er ein attraktiver Mitarbeiter bleibt.“ Quelle: Reuters
Alain Dehaze

„Jeder ist hauptsächlich selbst dafür verantwortlich, dass er ein attraktiver Mitarbeiter bleibt.“

(Foto: Reuters)

Alain Dehaze kennt sich aus mit den Personalproblemen der Unternehmen. Der 56-Jährige ist CEO von Adecco, dem weltgrößten Zeitarbeits- und Personaldienstleister, und engagiert sich in politischen Herausforderungen bei Bildung und Arbeit.

Herr Dehaze, als Zeitarbeits- und Personaldienstleister spürt Adecco einen wirtschaftlichen Abschwung früh. Wie bewerten Sie die aktuelle Lage?
Wir sehen natürlich einen Umschwung in Europa, vor allem in Frankreich und Deutschland, wo die Situation der Autoindustrie unsere Zeitarbeitsgeschäfte trifft. Einen breiten konjunkturellen Einbruch erkennen wir aber bisher nicht. Die Vermittlung von Mitarbeitern direkt und dauerhaft an unsere Kunden läuft weiterhin gut.

Halten sich die Unternehmen mit Personalabbau zurück?
In Deutschland ist der Bedarf an gut ausgebildeten Fachkräften weiterhin sehr hoch. Sie brauchen die Talente dringend und müssen sie an sich binden. Zugleich suchen viele Firmen nach flexibleren Lösungen, etwa mit Freelancern.

Suchen die Firmen vorwiegend Talente, mit denen sie die digitale Transformation stemmen können?
Den meisten Firmen ist längst klar, dass sie sich im Zuge der Digitalisierung völlig neu orientieren müssen. Das ist nicht leicht, denn sie brauchen Mitarbeiter mit ganz anderen Qualifikationen. In dieser Situation fragen sich Manager, ob sie dafür vor allem neue Mitarbeiter rekrutieren müssen oder ob sie die bestehende Belegschaft weiterbilden können.

Was ist Ihr Ratschlag?
Man kann einen großen Teil der heutigen Mitarbeiter für den Wandel rüsten, wenn man es mit Weiterbildung, dem Reskilling, wirklich ernst meint. Das rechnet sich auch in den meisten Fällen: Das Recruiting einer externen Fachkraft kostet das Unternehmen dreimal so viel wie das Reskilling eines bestehenden Mitarbeiters. Und man behält die Erfahrung und den Kundenkontakt des Mitarbeiters, was ein großer Wert ist.

Man hat aber eher den Eindruck, dass die Firmen lieber die älteren Mitarbeiter loswerden wollen, um junge, digitalaffine Talente einzukaufen.
Das ist nur zu verhindern, wenn man einen neuen Rahmen für mehr und bessere Weiterbildung schafft. Jeder Mensch sollte ein bestimmtes Budget dafür bekommen, ein Weiterbildungskonto, das er von Firma zu Firma mitnehmen kann. Das wäre eine ähnliche Sicherung, wie wir sie bei Rente oder Gesundheit kennen.

Ist die Weiterbildung der Arbeitnehmer demnach vor allem eine staatliche Aufgabe?
Nein. Es muss ein Dreiklang aus Individuum, Unternehmen und Staat sein. Jeder ist hauptsächlich selbst dafür verantwortlich, dass er ein attraktiver Mitarbeiter bleibt. Allen muss klar sein: Heutzutage verliert man 40 Prozent seiner Fähigkeiten innerhalb von drei Jahren, wenn man nicht am Ball bleibt.

Welche Verantwortung tragen die Firmen?
Sie müssen dafür sorgen, dass ihre Mitarbeiter diesen Wandel mitgehen können, aber sie müssen dies auch einfordern. Die beste Form des lebenslangen Lernens ist eine parallele Kombination aus Arbeiten und Weiterbildung, so, wie sie die Jugendlichen in Deutschland im dualen System von Betrieb und Schule erhalten. Wir brauchen so ein duales System auch für die ältere Generation.

Was muss die Politik dafür tun?
Sie sollte die richtigen Rahmenbedingungen und Anreize schaffen. Weiterbildung muss als Investition bewertet werden, dafür sollte die Politik die richtigen Anreize bieten. Es sollte für Unternehmen zudem steuerlich wesentlich attraktiver sein, jemanden weiterzubilden, als ihn zu entlassen.

Und was brauchen die Mitarbeiter in Zukunft an Qualifikation?
Eine Kombination aus guter Ausbildung und Soft Skills wie Empathie, Kreativität, Teamfähigkeit. Das können Algorithmen nicht übernehmen. Wer einfache, sich wiederholende Arbeiten erledigt, den trifft der Wandel durch Automatisierung am stärksten.

Nicht alle können sich zu Softwareprogrammierern wandeln.
Das stimmt, aber es gibt auch in der digitalen Welt durchaus Tätigkeiten, für die man kein absoluter IT-Experte sein muss, die man aber schnell erlernen kann. Wir sehen das oft bei unseren Kunden, etwas in der Cybersecurity. Der Bedarf dort ist groß.

Herr Dehaze, vielen Dank für das Gespräch.

Mehr: Eine neue Studie zeigt: Führungskräfte aus der deutschen Wirtschaft sehen bei ihren Unternehmen noch Nachholbedarf in Sachen Digitalisierung.

Startseite

Mehr zu: Alain Dehaze - „Wir brauchen ein duales System für die ältere Generation“

0 Kommentare zu "Alain Dehaze: „Wir brauchen ein duales System für die ältere Generation“"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.