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Allianz, Blackrock, BASF, Nestlé Führende Weltkonzerne und Investoren legen Konzept für nachhaltigen Kapitalismus vor

31 bedeutende Unternehmen verpflichten sich selbst, das Vertrauen in das Wirtschaftssystem wiederherzustellen. Der Kern: viel mehr Transparenz.
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Der Nahrungsmittelriese zählt zu den 31 Unternehmen, die die Selbstverpflichtung unterzeichnet haben. Quelle: Reuters
Nestlé

Der Nahrungsmittelriese zählt zu den 31 Unternehmen, die die Selbstverpflichtung unterzeichnet haben.

(Foto: Reuters)

DüsseldorfWarum bilanziert ein Unternehmen jeden Schreibtisch in den Büros, jede Schraube im Materiallager, nicht aber das Wissen und Können in den Köpfen seiner Mitarbeiter? Diese Frage stellte sich vor anderthalb Jahren die „Coalition for Inclusive Capitalism“, eine amerikanische Organisation, die es sich zum Ziel gesetzt hat, Kapitalismus nachhaltiger zu gestalten.

An diesem Freitag wird das Ergebnis der Überlegungen auf einer Konferenz in Washington präsentiert: ein neues Konzept zur Berichterstattung über langfristige Unternehmenswerte.

Mit dabei das Who‘s who der internationalen Investorengemeinde: Allianz, Blackrock, Barings, Calpers und Vanguard haben unterzeichnet wie auch die Industrieunternehmen BASF, Dow, Johnson & Johnson, Nestlé, Novartis, Pepsi und Unilever.

Insgesamt 31 Unternehmen waren an der Entwicklung des Konzepts beteiligt, das auch ein Schritt sein soll, „das Vertrauen der Gesellschaft in die Kapitalmärkte und das Finanzsystem insgesamt wiederzugewinnen“. So steht es in der Erklärung, die dem Handelsblatt vorliegt.

Wie ernst es die Beteiligten nehmen, das deutete sich schon zum Jahresauftakt an. Larry Fink, Chef des weltgrößten Vermögensverwalters Blackrock, mahnte in seinem Neujahresgruß an Vorstände der großen deutschen Aktiengesellschaften, nicht nur gute Erträge für die Aktionäre zu erwirtschaften, sondern auch zu zeigen, „welchen Beitrag sie für die Gesellschaft leisten“. Diese vage Ansage wurde nun in ein Konzept gegossen.

Und das hat Gewicht: Die Unterzeichner repräsentieren nach eigenen Angaben zwei Millionen Mitarbeiter und managen ein Vermögen von 30 Billionen Dollar. Sie hoffen, dass sich weitere Unternehmen ihrer Selbstverpflichtung anschließen.

„Traditionelle Unternehmensberichterstattung mit ihrer Beschränkung auf die kurzfristige finanzielle Performance vermittelt nur ein unvollständiges Bild der langfristigen Erfolgsaussichten eines Unternehmens“, sagt Jan-Menko Grummer, Partner bei der Wirtschaftsprüfung EY. Die Beratungsfirma hat maßgeblich an der Formulierung des Konzeptes mitgewirkt. Wer langfristig investieren wolle, brauche mehr Informationen, als die übliche Rechnungslegung hergebe.

Beispiel Internetunternehmen: Plattformen wie Booking.com oder Flixbus können erfolgreich sein, ohne die Gegenstände ihres Geschäftsmodells, also Hotels und Busse, selbst zu besitzen. In der Vergangenheit waren Maschinen und Fabriken aber entscheidend für den Unternehmenserfolg, heißt es in dem Papier, heute sind es Wissen, Daten und Patente. Auch Kundenstamm, Marktanteile und Marken seien Werte, nach denen die Zukunft eines Unternehmens beurteilt werden könne.

Messgrößen für gesellschaftlichen Nutzen

Im Einzelnen wird vorgeschlagen, die sogenannten Wertetreiber Mitarbeiter, Innovation, Vertrauen, gesellschaftlicher Nutzen und Corporate Governance in die Berichterstattung einzubauen. Das Konzept enthält etwa Kennzahlen, mit denen gemessen werden kann, wie ein Unternehmen das Können der Mitarbeiter nutzt. Auch Innovationen könnten durch Zusatzinformationen über die Phasen Ideenfindung, Entwicklung, Markteinführung und Reife besser eingeschätzt werden.

Oder gesellschaftlicher Nutzen. Unternehmen agierten nicht „im luftleeren Raum“, heißt es. Ihr Handeln habe Auswirkungen auf Gesellschaft und Umwelt. Hier wurden allein über 100 Messgrößen entwickelt. Die müssen nicht alle und bei jedem Unternehmen angewendet werden.

Teilweise finden auf freiwilliger Basis solche Elemente schon heute Einzug in die Berichterstattung der Unternehmen. Einer der Unterzeichner des Konzeptes, der Chemiekonzern BASF beispielsweise, legt eine Art erweiterte Gewinn-und-Verlustrechnung vor, die nicht-finanzielle Wertetreiber für Mitarbeiter und Gesellschaft erläutert.

Auch die Umsetzung von Corporate-Governance-Richtlinien zielt in die Richtung des Konzepts. Etwa die Effizienzprüfung des Aufsichtsrats, eine Empfehlung des deutschen Governance-Kodex. Doch das alles ist den Unterzeichnern noch zu unstrukturiert.

Experte Grummer teilt durchaus Befürchtungen, die ohnehin ausufernde Berichterstattung der Unternehmen könnte noch weiter aufgebläht werden. Man müsse sich allerdings fragen: „Ist das alles entscheidungsrelevant?“ Der Prüfer weist darauf hin, dass die heute übliche „Konzeption der Rechnungslegung auf eine 150-jährige Tradition zurückgeht.“ Sie sei damit nicht überflüssig, müsse angesichts neuer Technologien aber ergänzt werden.

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