Allround-Anwalt mit viel Idealismus Rudin Hood

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In Sachen Falk und dessen Schweizer Firma Distefora, über die die aller Wahrscheinlichkeit nach kriminellen Manipulationen abgewickelt worden sind, lag der Fall allerdings anders. Bei einer chaotischen Hauptversammlung, auf der sich das überclevere deutsche Management damals vor den Schweizer Aktionären blamierte, gelang es dem bodenständig und auf Schwyzerdütsch daherkommenden Rudin, sich zum Verwaltungsratspräsidenten der Distefora wählen zu lassen.

Auf einmal war er in einer Position, von der Aktionärsschützer sonst nur träumen. Er hatte Zugang zu allen Unterlagen – sofern er sie denn finden konnte. Und er verfügte über Geld aus dem Firmenvermögen, das er einsetzen konnte, um Licht in die dunklen Geschäfte zu bringen. Er ergriff die Chance. „Wenn ich noch einmal vor so einer Entscheidung stünde, würde es mich wieder kitzeln“, sagt er heute. Dann fügt er nach einer längeren Denkpause hinzu: „Ich hoffe aber: Ich sage dann Nein.“

Ein knappes Jahr Arbeit und höchstwahrscheinlich ein paar graue Haare hat ihn der Fall Falk gekostet. Willmeroth beschreibt die Szene, in der Rudin mit seiner Tochter Weihnachtsbesuche machen will, während gegnerische Anwälte ihm die Hölle heiß machen. „Bei mir läuft immer wieder ein Film ab“, sagt Rudin, wenn er die Geschichten von damals hervorkramt.

Der Job kostete nicht nur Nerven. Er hat eine andere Einstellung zu seiner Aufgabe als Aktionärsschützer bekommen, seit er Falk hinter Schloss und Riegel gebracht hat. „Distefora hat mich desillusioniert“, sagt er gut zwei Jahre nach den Ereignissen. „Zu geschädigten Aktionären habe ich mitunter ein kritisches Verhältnis: Viele lassen sich sehr leichtfertig übers Ohr hauen und singen dann das Lied der Geprellten.“

Nach Hamburg wird der David der Eidgenossen, der einen deutschen Goliath besiegt hat, was ihm die Landsleute hoch anrechnen, wohl noch einmal fahren müssen. Er steht auf der Zeugenliste im Falk-Prozess. Ob er dem Mann, den er zu Fall gebracht hat, in die Augen gucken kann? Kein Problem. „Ich bin nicht der Jäger von Alexander Falk“, stellt Rudin fest. „Ich habe meine Arbeit getan, nämlich den Aktionären Transparenz verschafft.“

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