Anke Schäferkordt RTL-Chefin zieht sich aus Vorstand zurück

RTL-Chefin Anke Schäferkordt gibt ihren Posten im Vorstand von Europas größtem Fernsehkonzern auf. Die Managerin konzentriert sich künftig auf eigenen Wunsch auf das Deutschlandgeschäft der Sendergruppe.
Update: 08.03.2017 - 17:04 Uhr Kommentieren
Die 54-Jährige will sich zukünftig dem Ausbau der TV- und Digitalgeschäfte in Deutschland widmen. Quelle: dpa
Anke Schäferkordt

Die 54-Jährige will sich zukünftig dem Ausbau der TV- und Digitalgeschäfte in Deutschland widmen.

(Foto: dpa)

LuxemburgDer europäische Fernsehkonzern RTL Group rüstet sich mit einer überraschenden Rochade im Spitzenmanagement für die zunehmende Konkurrenz im Internet. Die einflussreichste Managerin des Unternehmens, Anke Schäferkordt, zieht sich als Co-Chefin aus dem Konzernvorstand zurück, um sich auf ihren Chefposten im Deutschland-Geschäft zu konzentrieren.

„Unser Geschäft wird noch einmal schneller, komplexer und zunehmend technologiegetrieben“, erläuterte Schäferkordt am Mittwoch die Entscheidung, die sie selbst getroffen habe. „Angesichts des schnellen Wandels und des intensiven Wettbewerbs in unserer Branche werden beide CEO-Funktionen die volle Aufmerksamkeit fordern.“ Sie werde sich deshalb der größten und profitabelsten RTL-Tochter mit Sitz in Köln verstärkt widmen.

Zugleich behält die 54-Jährige mit ihrem Vorstandsposten beim RTL-Hauptaktionär Bertelsmann eine maßgebliche Führungsrolle im Mutterkonzern. An Schäferkordts Platz bei der RTL Group in Luxemburg rückt der niederländische RTL-Manager Bert Habets als neuer Co-Chef. Der 46-Jährige bildet damit künftig die Doppelspitze mit dem bisherigen Co-Chef Guillaume de Posch. Während der 59-jährige Belgier de Posch auf Konzernebene die Fernsehtöchter in Deutschland, Frankreich und Belgien verantwortet, bleibt Habets Chef der niederländischen TV-Tochter und führt zusätzlich das weltweite TV-Produktionsgeschäft.

Die RTL-Aktie legte im Nebenwerteindex MDax knapp ein Prozent zu.

Das steckt im Medienriesen aus Gütersloh
Die Geschichte
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1835 gründete Carl Bertelsmann das Unternehmen in Gütersloh als Buchverlag – den C. Bertelsmann Verlag. Die ersten 100 Jahre des Unternehmens stehen programmatisch im Zeichen der christlichen-protestantischen Tradition. 1928 öffnete sich der Verlag für Belletristik. Während des zweiten Weltkrieges gab der Verlag völkisch-nationale, teilweise auch antisemitische Literatur heraus. In der Wiederaufbauzeit wandelte sich Bertelsmann vom mittelständischen Unternehmen zu einem globalen Medienkonzern. Wachstumstreiber war über Jahrzehnte der Lesering, der 2015 endgültig eingestellt wurde.

Bertelsmann heute
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2016 hat Bertelsmann hat einen Rekordgewinn eingefahren. Das Betriebsergebnis kletterte im vergangenen Jahr um 3,3 Prozent auf 2,6 Milliarden Euro. Zum Konzernverbund gehören die Fernsehgruppe RTL Group, die Buchverlagsgruppe Penguin Random House, der Zeitschriftenverlag Gruner + Jahr, das Musikunternehmen BMG, der Dienstleister Arvato, die Bertelsmann Printing Group, die Bertelsmann Education Group sowie das internationale Fonds-Netzwerk Bertelsmann Investments.

RTL Group
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Die RTL Group ist mit 53 Fernseh- und 28 Radiosendern Europas größter Betreiber von werbefinanziertem Privatfernsehen und Privatradio. Die Mediengruppe, die von Anke Schäferkordt und Guillaume de Posch geführt wird, gehört mehrheitlich (rund 75 Prozent) zu Bertelsmann.

Penguin Random House
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Random House fungiert als Dachgesellschaft für alle Bertelsmann-Verlage. 2013 fusionierte Random House mit Penguin Books, einem Verlag im Besitz der Mediengruppe Pearson, zum weltgrößten Publikumsverlag Penguin Random House. An dem Verlag hält Bertelsmann 53 Prozent und Pearson 47 Prozent der Anteile. Die eigenständige deutsche Sparte von Random House gehört Bertelsmann. Dazu gehören Verlage wie Goldmann, Blessing Verlag oder auch die Deutsche Verlags-Anstalt (DVA).

Gruner + Jahr
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Gruner + Jahr (G+J) ist Europas größtes Druck- und Verlagshaus. Zu den Publikationen gehören Magazine wie „Stern“, „Capital“ und „Brigitte“, aber auch Beteiligungen am „Spiegel“, an Chefkoch.de und an der Henri-Nannen-Schule. Seit 2014 ist Bertelsmann der alleinige Eigentümer von Gruner + Jahr. Die Vorsitzende der Geschäftsführung ist Julia Jäkel.

BMG
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Mit BMG gründete Bertelsmann 2008 ein Musikunternehmen mit neuem Geschäftsmodell, das den Herausforderungen der digitalen Revolution auf dem Musikmarkt gerecht werden soll. Anders als sonst üblich werden Veröffentlichungs- und Aufnahmerechte aus einer Hand über eine gemeinsame Plattform international vertreten. BMG ist der viertgrößte Musikverlag der Welt. Zu den BMG-Künstlern gehört unter anderem Andreas Bourani.

Arvato
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Arvato ist ein international tätiger Outsourcing-Dienstleister. Das Unternehmen mit Sitz in Gütersloh ist eine hundertprozentige Tochtergesellschaft von Bertelsmann. Arvato beschäftigt nach eigenen Angaben mehr als 70.000 Mitarbeitern in über 40 Ländern. Das Unternehmen gliedert sich in sieben sogenannten Solution Groups, die Geschäftsbereiche wie Call-Center, Adresshandel, Direktmarketing, Finanzdienstleistungen oder auch Cloud Computing umfassen.

Gemeinsam sollen Habets und de Posch die Strategie weiter entwickeln und das Digitalgeschäft ausbauen. Habets hatte in den vergangenen fünf Jahren an de Posch berichtet. Wie der deutsche Rivale Pro Sieben Sat 1 und andere Fernsehsender in aller Welt sieht sich RTL zunehmend mit der Abwanderung vor allem jüngerer Zuschauer zu Online-Angeboten wie Youtube und kostenpflichtigen Videodiensten wie Netflix und Amazon konfrontiert. Die Branche baut deshalb sowohl kostenpflichtige als auch werbefinanzierte eigene Angebote im Internet aus. Gleichzeitig sind Netflix und Amazon aber auch zahlungskräftige Kunden von Produktionen der Sendergruppen.

Zu den wichtigsten Online-Beteiligungen von RTL zählen der Video-Werbevermarkter SpotX und die Video-Dienstleister Stylehaul und Broadband TV. Diese beiden sogenannten Multichannel-Netzwerke bündeln Videos auf Youtube, lotsen damit Nutzer durch das unüberschaubare Angebot und profitieren von Werbeeinnahmen.

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