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Anshu Jain Das Geheimnis des Geldmachers der Deutschen Bank

Anshu Jain gilt als Ausnahmetalent unter den Investmentexperten der Deutschen Bank - und könnte schon bald seinen Chef Josef Ackermann beerben. Wie wurde der Mann aus Neu Delhi zu Europas mächtigstem Finanzhändler? Eine Spurensuche.
9 Kommentare
Anshu Jain gilt als heißester Kandidat für die Nachfolge von Josef Ackermann. Quelle: Pressebild

Anshu Jain gilt als heißester Kandidat für die Nachfolge von Josef Ackermann.

(Foto: Pressebild)

LONDON/NEU DELHI. Hier in diesem Zweifamilienhaus in diesem Wohnviertel der indischen Metropole Neu Delhi lächelt der heißeste Kandidat für den wichtigsten Posten der europäischen Finanzbranche von der Wand. Ein Hochzeitsfoto, es zeigt Anshu Jain; den Mann, der Deutsche Bank-Chef Josef Ackermann beerben möchte. Auf dem Bild trägt der Investmentbanker eine festlich verzierte, knielange Kurta, auf dem Kopf einen weißen Turban. Steif steht er da, als hätte ihn jemand in eine unpassende Verkleidung gezwängt. Neben ihm lächelnd seine Frau Geetika im Sari. Das Bild des jungen Glücks hängt im Wohnzimmer von Jains Eltern in Neu-Delhis gehobenem Stadtteil Panchsheel Park.

Es gewährt einen seltenen Blick in die Vergangenheit des Mannes, der die europäische Finanzbranche in Atem hält.

Seine Förderer bei der Deutschen Bank, vielleicht auch das eigene Bauchgefühl, haben Jain zur Vorsicht geraten. Nicht mehr als unbedingt möglich soll Anshu Jain in der Öffentlichkeit auftauchen. Denn jetzt liegt mehr auf der Waagschale als nur sein bewundertes Ausnahmetalent als Investmentbanker. Jetzt geht es darum, ob er der Richtige ist für einen der brisantesten Jobs, den die deutsche Wirtschaft zu vergeben hat. Jain, 47, ist Nachfolgefavorit von Josef Ackermann als Vorstandschef der Deutschen Bank, seitdem der ihn kürzlich zum alleinigen Herrscher über die Königsdisziplin des Hauses befördert hat - das Investmentbanking.

Nur keine Angriffsfläche bieten

Jain befindet sich nun in einer brisanten Ausgangslage. Nicht nur, weil die Deutschen mit Argusaugen darüber wachen, wer ihr größtes Geldinstitut führt. Sondern vor allem, weil sie sich in den Spitzenetagen der Deutschen Bank über eine Frage unschlüssig sind: Ist Deutschland reif für einen Inder, noch zudem ein Investmentbanker, an der Spitze seiner mächtigsten Bank? Für einen, der in der fremden Welt Neu-Delhis aufgewachsen ist und in der religiösen Tradition der indischen Religionsgruppe des Jainismus erzogen wurde? Der kaum deutsch spricht, dessen Lieblingssport Cricket ist und der die brave Frankfurter Bank in einen "riesigen Hedge Fonds" verwandelt hat, wie der britische Economist einst gehässig schrieb?

Anshu Jain weiß, dass diese Fragen seine weitere Karriere beeinflussen werden. Deshalb ist er vorsichtig. Er will keine Angriffsfläche bieten, keine Fehler machen wie Ackermann, der Schweizer, den die Deutschen zum Buhmann gestempelt haben. Untypisch für die nationalstolzen Inder schirmt Jain deswegen rigoros seine Vergangenheit, sein Privatleben, ab. Die Kindheit und Jugend, die viel erzählen könnten über den Menschen Anshu Jain? Jain versucht, sie so gut wie möglich zu verbergen.

Nur vorsichtig kristallisiert sich ein Bild über einen der besten europäischen Händler heraus. Es zeigt die zwei Gesichter eines Mannes: Hier der Jain, den seine indische Herkunft, die Religion seines Elternhauses geprägt haben; dort der kalte, machtbewusste Meister der kapitalistischen Märkte.

Die Suche nach der Antwort auf die Frage, wie ein Junge aus den bürgerlichen Verhältnissen Neu Delhis an die Spitze der westlichen Bankenbranche stürmen konnte, beginnt in seinem Elternhaus. Dort sitzt eine ältere, elegante Dame, die Sonnenbrille locker ins Haar gelegt, auf einem beigen Sofa und schwärmt über ihren Sohn. Shashi Jain ist Anshus Mutter. Sie erzählt von Geetika, Anshus Frau. Derentwegen verließ er einst seine indische Heimat, als ihre Eltern in die USA zogen.

Geetika und die Karriere, erzählt die Mutter, das seien die großen Antriebe im Leben des Anshu Jain.

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9 Kommentare zu "Anshu Jain: Das Geheimnis des Geldmachers der Deutschen Bank"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • ich denke nicht dass ein Mann mit Jains Persönlichkeit geeignet ist für eine politisch so verantwortsvolle Position.
    Er wäre vlt. super für einen großen Hedgefonds aber ein Händler an der Db Spitze nichts zu suchen. Die sollen sich lieber auf ihr Kerngeschäft konzentrieren.

  • Das Konjekturgesülze beim Handelsblatt und dieses
    "Kaffeesatzlesen" -
    (A. Jain hat eh keinen bock auf Frankdorf und
    die Gartenzwerge )-
    nähert sich bild am Montag .(Spiegel)
    Gruß Joschi
    bonn

  • @Moralhazard

    Sie haben den Nagel auf dem Kopf getroffen mit ihrem beispiel. Der Kern der Niedertracht von Finanzproduktion im Kapitalismus bildet im Wesentlichen die Perversion bei der Profiterwirtschaftung. Marx hat 1864 im Kapital geschrieben, bei 1000% Profit geht das Kapital über Leichen. Diese sind nicht, in der so genannten realen Wirtschaft zu erlösen. Aber in der Finanz- „Wirtschaft“!! Sie heissen dort: CDO, CDS und ähnliches mehr an konstruiertem derivativem Unsinn. Diese „finanziellen Massenvernichtungswaffen“ sind Ergebnis der Gehirnakrobatik von eben solchen „hochgebildeten“ Absolventen aus Eliteschulen, die ihren ganzen Ehrgeiz in den Dienst (in die Erwartung) ihrer Arbeitgeber gestellt haben, maximale Profiterwirtschaftungsmöglichkeiten generieren zu helfen. Egal – und wenn die Welt dabei auf der Strecke bleibt!! Wer sagt uns eigentlich, dass wir dieser Art Wettbewerb in der privaten Finanzwirtschaft brauchen?? Meiner Ansicht nach gehört dieses in den Mülleimer entsorgt!

  • Guten Tag,.... Liebes Handelsblatt.... etwas mehr "contenance" bitte. Langsam mit den jungen Pferden..... besten Dank

  • @lofito:
    quote
    PS: Herr Jain kann sich auch nur in dem ihm vorgegeben ordnungspolitischem Rahmen bewegen. Der Fehler liegt somit nicht bei den "bankern" sondern bei unseren unfähigen und korrupten Politikern!
    unquote

    Sie meinen also, überspitzt formuliert, wenn Mord gesetzlich nicht verboten wäre, sollte man einen Mord nicht für seine Tat schmähen. ich denke, dass es gerade hier einigen Spitzenmanagern an gesellschaftlicher Verantwortung fehlt, welche nicht immer nur durch Gesetze vorgegeben sein kann. bereits an den Universitäten wird gesellschaftliche Verantwortung nicht mehr als Wert vermittelt. Es fehlt hier m.E. an einer balance zwischen wichtigem Wettbewerb und Erfolg auf der einen Seite und gesellschaftlicher Verantwortung auf der anderen Seite. Gerade bei Finanzprodukten kann der Gesetzgeber in der Regel nur nachziehen, da er nicht Erfinder der Produkte ist und sein kann. Der Gesetzgeber kann bei der Komplexität des Geschäfts nur nachträglich aktiv werden, muss dieses dann aber auch tun. Es ist jedoch wichtig, dass Liquidität verteilt wird und aus diesem Grunde auch ein gewisser Freiraum besteht. Der Fuchs beißt sich hier leider für immer in den Schwanz. Vorgelebte gesellschaftliche Verantwortung kann dieses Problem m.E. zumindest verringern.

  • ich verstehe überhaupt nicht, warum sich die Kommentatoren hier gleich wieder echauffieren?
    Meines Erachtens nach gebührt Herrn Jain größter Respekt. Seine Familie hat für die Ausbildung große Opfer gebracht (und nicht wie hier in D. üblich: Nach dem Staat gerufen) und er hat sich seinen Aufstieg und seine bildung hart erarbeitet.
    Es ist genau dieser Ehrgeiz der der westlichen Welt heutzutage größtenteils fehlt. Die Selbstzufriedenheit und generelle Sättigkeit der bevölkerung führen dazu, dass uns genau dieses Streben nach Erfolg abhanden gekommen ist.
    ich jedenfalls ziehe meinen Hut!
    PS: Herr Jain kann sich auch nur in dem ihm vorgegeben ordnungspolitischem Rahmen bewegen. Der Fehler liegt somit nicht bei den "bankern" sondern bei unseren unfähigen und korrupten Politikern!

  • Verstehe! ihr Verlag möchte den smarten Maximal-Renditen-Jäger mit südländischem Hautkolorit und Wurzeln in indien gerne als Nachfolger Ackermanns sehen.
    Gibts denn nur den, oder geben die buschtrommeln auf dem Finanzplatz echt nicht noch Alternativen her. Na ja, den Umgang mit fragwürdigen Staatsanleihen kann er sich ja aus den Annalen seines Vorgängers aus dem Schreibtisch holen.
    Da wird er sich sicherlich in vielerlei Hinsicht an London erinnert fühlen. - Wenns denn so kommt.

  • Es sind genau diese "Ausnahmetalente", die die(bisher noch bewältigten) gesellschaftlichen Katastrophen zu verantworten haben, in dem gesellschaftlicher Reichtum in bisher ungeahntem Ausmaß verpulvert worden ist. Diese Leute verantworten ein Hochmaß an gesellschaftlich unnützer Arbeit und werden doch mit Millionen entlohnt. im Ergebnis der "Arbeit" dieser Leute befinden sich heute ungezählte Sprengsätze im weltweiten Finanzsystem. irgendwann wird der Zeitpunkt kommen, wo wir gnadenlos die Rechnung für diese "Arbeit" dieser sogenannten Ausnahmetalente präsentiert bekommen. ich hoffe sehr, dass unsere Welt danach ausschließlich durch wirklich talentierte, weil gesellschaftlich nützliche Arbeit gestaltet wird. Die Arbeit dieser Leute ist jedenfalls so notwendig für die Existenz der Menschen wie ein Kropf!!

  • Heißluftexperten,...
    es entspricht der europäischen Tradition, dass man sein Geld verdient; na,ja, die Engländer ernten.
    Das Obszöne an den so "verdienten" investmentgeldern ist, dass man sich dafür Güter der Realwirtschaft kaufen kann. Wenn es aber an das Erfinden oder andere konkrete Arbeit geht, wird es dann doch etwas langsamer.Fühle mich an die seinerzeitige "Japan-Hype" erinnnert. Die machten zeitweise alles richtig...angeblich.

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