Anton-Wolfgang Graf von Faber-Castell Abschied von einem großen Familienunternehmer

Tradition bewahren, ohne den Fortschritt aus dem Blick zu verlieren: Mit Anton Wolfgang Graf von Faber-Castell, Chef des gleichnamigen Stifteherstellers, verliert Deutschland einen großen Familienunternehmer.
Der Unternehmer ist im Alter von 74 Jahren verstorben. Quelle: Bernd Telle für Handelsblatt
Anton-Wolfgang Graf von Faber-Castell

Der Unternehmer ist im Alter von 74 Jahren verstorben.

(Foto: Bernd Telle für Handelsblatt)

BerlinSeine Mitarbeiter nannten ihn nur „Der Graf“ – besser kann man das würdevolle Auftreten und die überlegte Weise, mit der Anton-Wolfgang Graf von Faber-Castell das Familienunternehmen Faber-Castell in achter Generation führte, nicht beschreiben.

Der hochgewachsene Mann empfing Besucher stets in schickem Anzug und Krawatte mit passendem Einstecktuch – und war so bestes Aushängeschild für seine edlen Stifte. Das Erbe seiner Familie pflegte er sorgsam. Er war es auch, der das über 100 Jahre alte Familienschloss aufwändig restaurieren ließ. In dem Anwesen in Stein bei Nürnberg ist sogar das Kinderzimmer seines Vaters Roland noch original getreu erhalten. Anton-Wolfgang Graf von Faber-Castell erweckte auch das Logo mit den beiden mit Bleistiften kämpfenden Rittern zu Pferde wieder zum Leben. 1950 war es durch seinen Vater geändert worden.

Graf von Faber-Castell engagierte sich sozial, investierte zum Beispiel in nachhaltige Forstprojekte in Südamerika. Zeit seines Lebens war er oft im Ausland, um die internationale Expansion voranzutreiben. Vor allem nach Asien zog es ihn, den ausgemachten Wachstumsmarkt des Unternehmens. Mehrmals im Jahr flog er zudem nach Brasilien. Nicht nur um „auf alle Fälle Caipirinha“ zu trinken, wie er im Gespräch einmal scherzte. Dort steht die größte Farbstiftfabrik der Welt; sein Vater Roland hatte das im Zweiten Weltkrieg beschlagnahmte Unternehmen zurückgekauft. Graf von Faber-Castell hatte das Geschäft dort weiter ausgebaut.

Anton-Wolfgang Graf von Faber-Castell wurde am 7. Juni 1941 als Sohn von Roland Graf von Faber-Castell (1905-1978) in Bamberg geboren. Er studierte Jura in Zürich und machte eine Anwaltslehre und eine Ausbildung an einer Management-Schule. Danach arbeitete er für die Credit Suisse als Investmentbanker in London und New York.

Er verstand es, mit der Zeit zu gehen, ohne die Tradition des Unternehmens zu vernachlässigen. Als er im Jahr 1978 die Führung des Unternehmens übernahm, war vom Internet noch nicht einmal die Rede. Zuletzt nutzte er das World Wide Web vor allem als zusätzlichen Vertriebskanal. Ansonsten setzte er auf Kontinuität. „Für mich ist die größte Herausforderung der nächsten zehn Jahre nicht, neue Produkte zu erfinden“ sagte er einmal in einem Gespräch mit dem Handelsblatt. „Wir haben noch zu viele Produkte, die niemand kennt.“ Von Ausflügen in andere Produktbereiche, wie es etwa Konkurrent Mont Blanc vormacht, hielt Graf von Faber-Castell wenig. „Schuster bleib bei deinen Leisten“ lautete sein Motto. Wenn er seine Stifte in der Hand hatte, geriet er ins Schwärmen.

250 Kilogramm Farbe am Tag
Vom einfachen Brettchen zum Stift
1 von 7

In der Produktionsstätte am Firmensitz von Faber-Castell in Nürnberg-Stein wird ein Teil der berühmten Stifte hergestellt. 800 Mitarbeiter arbeiten an dem ältesten Standort der Firma, 350 davon in der Herstellung.

Von fünf auf 500.000
2 von 7

Aus diesen vielen Holzpaletten entstehen Hunderte Blei- und Buntstifte. Als Unternehmensgründer Kaspar Faber 1761 mit der Produktion begann, wurden pro Tag gerade einmal fünf Stifte hergestellt – heute sind es 500.000.

Die Quelle der Farbe
3 von 7

Nachdem die Brettchen eine Kerbe gefräst bekommen haben, laufen sie durch diese Maschine. Wie der Name verrät, werden hier die bunten Minen eingelegt.

Regal mit Farbeimern
4 von 7

120 verschiedene Minenfarben hat Faber-Castell im Sortiment, zusätzlich werden die Stifte lackiert. Pro Tag werden allein am Standort in Nürnberg-Stein 250 Kilogramm Farbe verbraucht.

Lackierungsbad
5 von 7

Auch eines der bekanntesten Produkte von Faber-Castell, der grüne „Castell 9000“ wird in Stein gefertigt. Der Stift wurde 1905 von Graf Alexander von Faber-Castell entwickelt, darauf prangte erstmals auch das Werbemotiv der beiden kämpfenden Bleistiftritter.

Warenprüfung
6 von 7

Immer wieder werden die Stifte hinsichtlich ihrer Funktion überprüft, wie etwa hier, ob die Mine auch hohem Druck standhält.

Fräsen, Mine einlegen, Färben
7 von 7

All diese Arbeitsschritte werden auf den verschiedenen Stockwerken der Produktion in Stein gemacht. In den schwarzen Plastikboxen werden die Stifte zu den einzelnen Maschinen gebracht.

Anton-Wolfgang Graf von Faber-Castell verstarb nach schwerer Krankheit am Donnerstag, den 21. Januar, im Alter von 74 Jahren im Kreise seiner Familie in Houston. Er hinterlässt seine Frau, die Amerikanerin Mary Elizabeth Hogan, und vier erwachsene Kinder.

„Geschäftsführung und Belegschaft verneigen sich vor einem Vorzeige-Unternehmer, der nicht nur als Führungspersönlichkeit und Firmenlenker hochgeschätzt wurde, sondern der ihnen vor allem auch eines war: ein Vorbild als Mensch“ heißt es in einer Mitteilung des Unternehmens.

Wer das Unternehmen nun weiter führen soll, ist noch nicht bekannt. Im Gespräch war zuletzt sein Sohn Charles. Er verfügt bereits über Management-Erfahrung bei Faber-Castell.

Startseite

Mehr zu: Anton-Wolfgang Graf von Faber-Castell - Abschied von einem großen Familienunternehmer

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%