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Apple, Google, JP Morgan US-Konzerne sind im Gewinnrausch – das sind die Gründe

Ob Banken oder Tech-Riesen: US-Konzerne machen trotz hoher Schulden Rekordgewinne – quer durch alle Branchen. Davon profitieren vor allem Aktionäre.
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US-Unternehmen boomen. Nach Handelsblatt-Berechnungen haben 65 Konzerne in diesem Zeitraum mehr als eine Milliarde Dollar netto verdient – ein Novum in der amerikanischen Wirtschaftsgeschichte. Quelle: AFP
Microsoft, Google, Facebook, Apple

US-Unternehmen boomen. Nach Handelsblatt-Berechnungen haben 65 Konzerne in diesem Zeitraum mehr als eine Milliarde Dollar netto verdient – ein Novum in der amerikanischen Wirtschaftsgeschichte.

(Foto: AFP)

New York, DüsseldorfVon Müdigkeit, Sättigung oder Profitabilitätsgrenzen keine Spur. Nach Rekordgewinnen im Vorjahr und neun Jahren Aufschwung legen die 500 größten börsennotierten amerikanischen Unternehmen noch eins drauf.

Im ersten Quartal des laufenden Geschäftsjahres steigerten sie ihre Nettogewinne im Schnitt um 25 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Das ist der stärkste Zuwachs seit 2011. Damals erholten sich die Unternehmen auf niedrigem Ertragsniveau rasant nach gerade überstandener Finanz- und Wirtschaftskrise.

„Das Gewinnwachstum könnte zu einem so späten Zeitpunkt des konjunkturellen Aufschwungs kaum stärker sein“, kommentierte Ed Yardeni von Wells Fargo die jüngsten Ergebnisse. Der Gewinnsprung an der Wall Street fußt auf breiter Basis.

In allen Branchen schafften die Unternehmen ein Plus. Besonders stark präsentierten sich die Energie- und Grundstoffkonzerne. Der um 45 Prozent gegenüber dem Vorjahr gestiegene Rohölpreis bescherte dem Ölriesen Chevron einen um 36 Prozent auf 3,6 Milliarden Dollar gestiegenen Nettogewinn.

Darüber hinaus überzeugten die Technologiegiganten um Apple, Alphabet (Google), Microsoft & Co. Banken wie JP Morgan Chase, Citigroup und Wells Fargo profitierten vom besseren Wertpapiergeschäft, steigenden Krediteinnahmen und höheren Erträgen aufgrund der gestiegenen Zinsen.

Die starken Ergebnisse kommen eigentlich zur rechten Zeit, weil Amerikas Unternehmen so hoch verschuldet sind wie noch nie. Seit 2001 stiegen die Verbindlichkeiten der Firmen und öffentlichen Hand um 137 Prozent auf 48 Billionen Dollar.

Mehr als ein Viertel der US-Unternehmen sind nach Aussage der Ratingagentur S&P „stark fremdfinanziert“. Ihre Verschuldung ist mindestens fünfmal höher ist als der Gewinn. Grund dafür sind die jahrelang niedrigen Zinsen für Bankkredite und Anleihen. Sie machten Fremdfinanzierung billig.

Doch anstatt die Rekordgewinne in die Schuldentilgung zu stecken, um die Last angesichts wieder steigender Zinsen zu schmälern, schütten die Unternehmen immer mehr Geld an ihre Anleger aus.

Im abgelaufenen Jahr erhöhten die 500 Unternehmen im S&P 500 ihre Dividenden um weitere vier Prozent auf das Rekordniveau von 444 Milliarden Dollar. Darüber hinaus kauften sie eigene Aktien im Wert von 520 Milliarden Dollar zurück. Dem Kapitalabfluss von zusammengerechnet 964 Milliarden Dollar stand ein Nettogewinn von einer Billion Dollar gegenüber.

Und der Trend setzt sich fort: Für das laufende Jahr prognostiziert der auf das Thema spezialisierte Analyst Howard Silverblatt vom Indexanbieter S & P Dow Jones einen Rekord an Aktienrückkäufen. So kündigte Apple zuletzt Aktienrückkäufe für weitere 100 Milliarden Dollar an.

Zuvor hatte der iPhone-Riese seit 2012 für 200 Milliarden Dollar eigene Aktien zurückgekauft. Der Netzwerkausrüster Cisco will 25 Milliarden Dollar in den Rückkauf und die anschließende Vernichtung eigener Aktien investieren.

Facebook boomt trotz des Datenskandals

Haupttreiber des Gewinnbooms inmitten des reifen Aufschwungs ist die starke Weltwirtschaft mit der hohen Nachfrage aus Asien, Europa und dem amerikanischen Binnenmarkt. So steigerte Apple seinen Quartalsgewinn um ein Viertel auf knapp 14 Milliarden Dollar.

Facebook fuhr mit fünf Milliarden Dollar gut 60 Prozent mehr ein als im Vorjahr. Von Zurückhaltung der Kunden infolge des Datenskandals keine Spur. Industriekonzerne wie der Flugzeugbauer Boeing profitierten von vielen Bestellungen, die den Gewinn um 57 Prozent auf 2,5 Milliarden Dollar trieben.

Von den 500 größten börsennotierten US-Konzernen haben bereits mehr als 400 ihre Bilanz zum ersten Quartal präsentiert. Nach Handelsblatt-Berechnungen haben 65 Konzerne in diesem Zeitraum mehr als eine Milliarde Dollar netto verdient – ein Novum in der amerikanischen Wirtschaftsgeschichte.

Der Aufschwung fällt in eine Phase des billigen Dollars. Dieser treibt die Erträge zusätzlich. Gegenüber dem Vorjahr notiert der Dollar zu anderen großen Währungen zwischen zehn und 15 Prozent niedriger. Das macht amerikanische Produkte preiswerter und damit wettbewerbsfähiger – worunter direkte Konkurrenten leiden.

Obendrein erhöht sich der bilanzielle Ertrag, sobald auslandsstarke Konzerne wie Coca-Cola, Intel & Co. ihre im Nicht-Dollarraum erzielten Erträge in heimische Währung umrechnen. Allein dieser Effekt bescherte den amerikanischen Unternehmen im Schnitt einen zusätzlichen Gewinn von rund drei Prozent.

Als größtes Gewinngeschenk entpuppt sich allerdings Amerikas Steuerreform. Von ihr profitieren fast alle Unternehmen, Banken und Versicherungen. US-Präsident Donald Trump hat die Unternehmensteuer in den USA von 35 Prozent auf 21 Prozent gesenkt. Analysten schätzen, dass sich die Gewinne der 500 größten US-Konzerne ohne den Steuereffekt „nur“ um rund 15 und nicht wie jetzt tatsächlich um 25 Prozent verbessert hätten.

Treffend drückte es kürzlich Finanzchef Dominik Asam vom deutschen Halbleiterhersteller Infineon aus: „Wir profitieren natürlich auch wie andere von den niedrigen Steuern.“ Doch freuen könne er sich dennoch nicht, weil die Reform „für die amerikanischen Wettbewerber noch viel besser ist als für uns.“

Beobachter sprechen von „Peak Earnings“

Das bestätigt Corporate America eindrucksvoll. Der Pharmariese Pfizer sieht sich nach seinem Sondergewinn von elf Milliarden Dollar im Schlussquartal 2017 auch im Gesamtjahr 2018 als Profiteur der neuen Steuergesetze. Und ein wesentlicher Grund für den Gewinnanstieg Googles um 73 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal ist, dass die effektive Steuerquote des Alphabet-Konzerns im Jahresvergleich von 20 auf jetzt elf Prozent geschrumpft ist.

Zwar hat die Trump-Regierung die Unternehmensteuern zu Jahresbeginn „nur“ auf 21 Prozent gesenkt. Doch dank etlicher Schlupflöcher und Sonderregeln zahlen viele Konzerne unter dem Strich deutlich weniger. Oder Time Warner: Obwohl alle Sparten des Medienkonzerns wegen hoher Kosten weniger zum Konzerngewinn beitrugen, kletterte der Überschuss dennoch um 15 Prozent auf 1,6 Milliarden Dollar. Grund dafür waren die niedrigeren Steuersätze.

Wegen dieser Sondereffekte sprechen Beobachter bereits von „Peak Earnings“ – also Gewinnen, die schon am höchsten Punkt angekommen sind und nicht mehr weiterwachsen können. Caesar Maasry, Marktanalyst von Goldman Sachs, mahnt seine Kunden, dass das globale Wachstum stark sei, sich aber verlangsame.

Michael Wilson, Chef-Aktienstratege für die USA bei Morgan Stanley Wealth Management, warnt, dass sich das jetzt gesehene positive Umfeld bereits mit dem dritten Quartal ändern könnte. Die Tatsache, dass die Aktienkurse an der Wall Street kaum auf die starken Quartalsergebnisse reagiert haben, führt er auf „die geringere Qualität des Wachstums“ zurück. Gemeint sind Zuwächse, die den Steuergeschenken zu verdanken sind.

Der Finanzvorstand von Caterpillar teilt diese Sichtweise. Der weltgrößte Baumaschinenhersteller hat zwar mit seinem Gewinnsprung von über 700 Prozent auf 1,7 Milliarden Dollar die Erwartungen deutlich übertroffen. Aber seine Bemerkung, das erste Quartal könne „den höchsten Stand in diesem Jahr“ schon erreicht haben, ließ den Aktienkurs fallen. 

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