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Ausblick 2019 – Karriere Der unbewegliche Manager

Viele Führungskräfte wollen zwar an die Spitze, zeigen sich privat aber zunehmend unflexibel. Das ist das Ergebnis einer exklusiven Befragung des Handelsblatts.
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Wer eine neue berufliche Herausforderung angehen möchte, muss sich zunehmend flexibel zeigen. Quelle: Taxi/Getty Images
Ausblick in die Karriere-Zukunft

Wer eine neue berufliche Herausforderung angehen möchte, muss sich zunehmend flexibel zeigen.

(Foto: Taxi/Getty Images)

DüsseldorfGlobale Verantwortung, großer Gestaltungsspielraum, mehr Gehalt – die Stelle schien wie gemacht für Linus Winkler aus München. Fast vier Jahre lang hatte der 49-Jährige als Bereichsleiter in der Automobilbranche gearbeitet, der nächste Karriereschritt stand an. Da schien die Stelle als weltweiter Einkaufschef eines Mittelständlers in Heidelberg für den Manager nahezu perfekt. Aber eben nur nahezu.

Denn eine Woche nach dem Vorstellungsgespräch sagte Winkler der Firma ab. Begründung: Seine beiden Söhne, der eine kurz vor dem Abi, der andere mitten in der Lehre, hätten sich beim Familienrat gegen einen Umzug von der Isar ins Rhein-Neckar-Gebiet ausgesprochen. Für den leitenden Angestellten war damit klar: neue berufliche Herausforderung ja – aber nicht ohne die Familie.

Ein Einzelfall? „Keineswegs, solche Absagen höre ich oft“, erzählt Headhunter Olaf Szangolies. Der Partner der internationalen Personalberatung Odgers Berndtson besetzt seit über zehn Jahren Vakanzen auf Geschäftsführer- und Vorstandsniveau im Automobil- und Industriebereich und hat auch den Fall Winkler betreut.

Die Beobachtung des Experten: Wochenweise Pendelei für den Job, ein Umzug in eine andere Stadt oder ein anderes Land – immer weniger Führungskräfte wollen das für sich und ihr Leben. Viele würden eher einen Karriereknick in Kauf nehmen, statt für einen attraktiven Job ihre Situation zu Hause zu verändern.

Diesen Eindruck aus der Beraterpraxis belegt auch das aktuelle Managerbarometer, das Odgers Berndtson exklusiv in Kooperation mit dem Handelsblatt erstellt hat. Demzufolge würden zwar 43 Prozent der rund 2 400 befragten Führungskräfte aus Deutschland, Österreich und der Schweiz gern ihren Arbeitgeber wechseln – deutlich mehr als in den Jahren zuvor. Doch private Opfer möchten die wenigsten Topleute dafür bringen.

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So würde nur gut die Hälfte derer, die derzeit auf dem Sprung sind, für eine spannende neue Aufgabe innerhalb Deutschlands umziehen. Ins Ausland würde sogar nur ein Drittel gehen. Und gerade einmal 30 Prozent wären bereit, für eine Topstelle längere Zeit von der Familie getrennt zu leben – fünf Prozent weniger als noch im Vorjahr.

Auch die Bereitschaft des Führungspersonals, mehr als die üblichen 50 Wochenstunden zu arbeiten, sinkt kontinuierlich. Nur noch 35 Prozent sind zu diesem Extraengagement bereit. Zum Vergleich: 2012 waren es noch 60 Prozent der Befragten. Kurzum: Vielen Topkräften scheint der Feierabend trotz Führungsanspruch heilig zu sein.

„Die Nachfrage nach hochqualifizierten Fach- und Führungskräften ist groß. Wir haben in vielen Branchen einen Arbeitnehmermarkt“, sagt Headhunter Szangolies. Gerade Topleute könnten es sich daher leisten, wählerisch zu sein. Und das sogar in Branchen, in denen regelmäßige Standortwechsel schon in der Jobbeschreibung stehen: „Gerade bei Nachwuchskräften und Quereinsteigern erleben wir vermehrt den Wunsch nach einer neuen Gestaltung der Beratungstätigkeit, um Job, Familie und Freizeit bestmöglich in Einklang zu bringen“, sagt Ralf Strehlau, Präsident des Bundesverbands Deutscher Unternehmensberater.

Viele Consultingfirmen nutzen deshalb die Möglichkeiten der „Virtualisierung von Beratungsprozessen“. Auch Headhunter Szangolies sagt: „Vor allem junge Leute wollen gleich von Beginn ihres Berufslebens an ausreichend Zeit für die Familie, Freunde und ihre Hobbys haben.“

Aber nicht nur die junge Managergarde achtet auf die Balance von Arbeit und Privatleben. So waren die Führungskräfte, die für das Managerbarometer befragt wurden, im Schnitt 47 Jahre alt, meist männlich, verheiratet oder fest liiert und hatten Kinder. Knapp drei Viertel der Männer haben außerdem berufstätige Partner – ein weiterer Grund, warum Headhunter immer häufiger den Satz hören: „Wenn es nicht der perfekte Job ist, lohnt sich der Aufwand für uns alle nicht.“

Personalberater Szangolies glaubt sogar, dass sich dieser Trend weiter verschärfen könnte, wenn die sogenannte Generation Y, die um das Jahr 1985 herum geboren wurde, beruflich weiter aufsteigt. Erst neulich hat ein Mittdreißiger dem Headhunter eine Absage für eine Vorstandsstelle erteilt – und das trotz sechsstelligen Gehalts und regelmäßiger Homeoffice-Tage.

Der Grund: Bei der Topmanager-Stelle hätte der Kandidat gelegentlich auch am Wochenende mit den Vorstandskollegen tagen sollen. Auf seine regelmäßigen Snowboard-Wochenenden mit Kumpels hätte der Jungmanager dann verzichten müssen.

Suche nach dem Sinn

Ein Diplom-Kaufmann, Anfang 30 und Projekteinkäufer bei einem internationalen Industrieunternehmen, bringt die unflexible Haltung unter Nachwuchsmanagern so auf den Punkt: „Je jünger, desto schlimmer“. Er beobachtet an sich und seinen Altersgenossen eine starke Selbstbezogenheit: „Wir achten auf unsere Gesundheit, ernähren uns bewusst, treiben Sport. Das heißt aber auch: Wir verausgaben uns nicht bei der Arbeit.“

Gerade ältere Manager bereuten mit zunehmenden Dienstjahren, dass sie zu viel gearbeitet hätten „und dass ihr Familienleben dabei auf der Strecke geblieben ist“, beobachtet der junge Manager, der vier Sprachen spricht und sowohl Berufserfahrung in der IT- als auch der Maschinenbau-Branche gesammelt hat. Ihm sei deshalb wichtig: effizient arbeiten und dafür möglichst viel Freizeit als Ausgleich genießen.

Statt sich per Kaminkarriere im Konzern nach oben zu dienen, träumt der Manager davon, sich mit Freunden selbstständig zu machen. Klar bedeute das nicht unbedingt weniger Arbeit und frühere Feierabende, „aber dann weiß ich wenigstens genau, wofür ich mich anstrenge“.

Eine Einstellung, die sich auch in der aktuellen Managerbefragung wiederfindet. Als Hauptgründe für den Arbeitgeberwechsel nennen die Befragten „fehlende berufliche Perspektiven“ mit 51 Prozent (Vorjahr: 54,6 Prozent). Gleich dahinter rangieren – als neu eingeführte Antwortmöglichkeit – „geänderte Rahmenbedingungen beziehungsweise eine strategische Ausrichtung des Unternehmens“, mit denen die Manager zu 49 Prozent „nicht einverstanden“ sind.

Auf Platz drei folgen „Zweifel an der Zukunftsfähigkeit des jetzigen Arbeitgebers“ mit 38 Prozent (Vorjahr: 40,4 Prozent). Und immerhin 18 Prozent suchen nach mehr Sinn im Berufsleben.

Alles das führt dazu, dass junge wie erfahrene Talente wählerischer werden. Und sich im Zweifelsfall lieber fürs Privatleben entscheiden. So wie Manager Linus Winkler: „Meiner Frau und mir ist es wichtig, die Zeit mit unseren Söhnen zu genießen, solange sie noch zu Hause wohnen.“ Zusammen Sport machen, auf Motorradtour gehen – gehört für ihn ebenso dazu, wie für seine Söhne da zu sein.

Winkler: „In dieser wichtigen Phase ihres Lebens will ich meinen Kindern noch einiges mitgeben.“ Vielleicht ja auch den Rat, dass der nächste Karriereschritt nicht alles im Leben ist.

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