Aussage des Schickedanz-Gatten Das „blinde Vertrauen“ der Quelle-Erben

Im Untreue-Prozess gegen führende Köpfe der Privatbank Sal. Oppenheim erhebt auch Leo Herl, Ehemann der Quelle-Erbin Madeleine Schickedanz, schwere Vorwürfe. Immobilienmanager Esch habe sie hinters Licht geführt.
Update: 17.03.2014 - 15:13 Uhr 1 Kommentar
Die KarstadtQuelle-Großaktionärin Madeleine Schickedanz und ihr Ehemann Leo Herl fühlen sich betrogen. Quelle: dpa

Die KarstadtQuelle-Großaktionärin Madeleine Schickedanz und ihr Ehemann Leo Herl fühlen sich betrogen.

(Foto: dpa)

KölnIm Sal.-Oppenheim-Prozess hat ein wichtiger Zeuge den Immobilienmanager Josef Esch als den eigentlich Handelnden der noblen Privatbank beschrieben. Esch habe versichert, dass in der Bank nichts passiere, was er nicht wolle, sagte Leo Herl, der Ehemann der Quelle-Erbin Madeleine Schickedanz, am Montag vor dem Landgericht Köln. „Herr Esch hatte die Aussage gemacht 'Die Bank bin ich'“, sagte Herl. Deshalb habe es für ihn keine Rolle gespielt, dass Esch in der Bank keine offizielle Funktion gehabt habe.

Die Verteidigung von Esch bestreitet, dass dieser so etwas wie die Graue Eminenz der Bank gewesen sei. „Josef Esch hatte keine Detailkenntnis der Strukturen des Bankhauses“, hatte sein Anwalt Eberhard Kempf im vergangenen Jahr gesagt. Esch sei von der Bank genau kontrolliert worden.

Herl entwarf im Zeugenstand ein anderes Bild. Ein Telefonat mit dem Bankchef Matthias Graf von Krockow habe Esch durchaus mal mit den Worten beenden können: „Matthias, das machen wir dann mal so!“ Zwischen seiner Frau Madeleine Schickedanz und ihrem Vermögensverwalter Esch habe ein „blindes Vertrauensverhältnis“ existiert, sagte Herl. „Meine Frau hat genauso wie ich blind unterschrieben, weil wir davon ausgegangen sind, dass alles zum Wohle meiner Frau war.“

Im Nachhinein müssten sie sich ihre Gutgläubigkeit vorwerfen. Herl sagte, sein größter Fehler sei vielleicht gewesen, dass er mit Blick auf Esch gedacht habe: „Das Wort des Kaufmanns gilt.“ Schickedanz selbst hatte in der vergangenen Woche schwere Vorwürfe gegen Esch und die Bank erhoben. Sie sei getäuscht und fehlgeleitet worden, sagte die 70-Jährige als Zeugin vor Gericht.

Die einstige Großaktionärin hatte immer wieder Geld in den Arcandor-Konzern gepumpt, auch mittels Darlehen von Sal. Oppenheim. Als Arcandor 2009 Insolvenz anmelden musste, standen sowohl Schickedanz als auch Sal. Oppenheim vor dem Ruin. Die Kölner Privatbank verlor ihre Selbstständigkeit und gehört seit 2010 in stark verkleinerter Form zur Deutschen Bank.

Esch und die vier ehemaligen Chefs von Sal. Oppenheim müssen sich in Köln teils wegen Untreue in besonders schwerem Fall, teils wegen Beihilfe dazu verantworten. Alle fünf Angeklagten beteuern ihre Unschuld.

Banker vor Gericht
Sal. Oppenheim-Prozess
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„Für Wertgegenstände übernehmen wir keine Haftung“ steht an dem Metalldetektor, durch den der ehemalige Sal.Oppenheim-Gesellschafter Friedrich Carl Janssen zum Prozessauftakt schreiten musste. Vier Ex-Chefs der Bank Sal. Oppenheim und ein Immobilienmanager müssen sich seit dem 27. Februar 2013 vor dem Landgericht Köln wegen Untreue beziehungsweise Beihilfe verantworten.

Sal. Oppenheim-Prozess
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Zu den Beschuldigten gehört auch der ehemalige Sal. Oppenheim-Gesellschafter Matthias von Krockow. In dem Verfahren werden einige der Beschuldigten von renommierten Rechtsanwälten vertreten. Der Kölner Prozess gilt als eines der größten Wirtschaftsstrafverfahren der vergangenen Jahre.

Sal. Oppenheim-Prozess
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Die Staatsanwaltschaft wirft den Beschuldigten in wechselnder Tatbeteiligung besonders schwere Untreue beziehungsweise Beihilfe zu diesem Delikt vor. Im einzelnen geht es um zwei umstrittene Geschäfte mit Büroimmobilien in Köln und Frankfurt am Main, durch die Sal. Oppenheim um insgesamt rund 134 Millionen Euro geschädigt worden sein soll. Auf mehr als acht Millionen Euro beziffert die Anklage den Schaden, welcher der Bank durch überhöhte Investitionen in eine zu preiswert vermietete Villa in Köln entstanden sein soll.

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Der Immobilienentwickler Josef Esch (zweiter von rechts) betritt das Gericht, auch er gehört zu den Beschuldigten.

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Esch hatte zahlreiche Immobilienfonds mit der Bank aufgelegt. Diese wurden als Steuersparmodelle für Millionäre und Milliardäre verkauft. Doch die als solide gepriesenen Fonds machten Verluste – und sind ein Extra-Streitpunkt in anderen Verfahren.

Sal. Oppenheim-Prozess
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Eine illustre Gruppe klagt wegen der Esch-Fonds auf Schadenersatz - getrennt vom Kölner Verfahren: die Schuhdynastie Deichmann, der Privatbankiers-Erbe Wilhelm von Finck oder eben Madeleine Schickedanz. Letztere hatte ihr gesamtes Vermögen mit dem Arcandor-Einstieg auf Pump verloren.

Sal. Oppenheim Prozess
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Der ehemalige Banker Dieter Pfundt im Gerichtssaal.

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1 Kommentar zu "Aussage des Schickedanz-Gatten: Das „blinde Vertrauen“ der Quelle-Erben"

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  • Wenn man selber keine Ahnung hat, ein Unternehmen zu führen, sollte man sich davon trennen. Schliesslich kann man dann auch nicht den eingesetzten Firmenchef kontrollieren - wie auch?
    Soviel Gehirnschmalz sollte man doch zumindest voraussetzen können?

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