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Autobauer Neuer CEO De Meo muss Renault neu aufstellen – und will den Autobauer „auf Diät“ setzen

Der französische Autobauer muss margenstärker werden – und zugleich Lust auf Neues entwickeln. Der neue Vorstandschef Luca de Meo setzt dabei auf Nahbarkeit.
20.10.2020 - 19:44 Uhr Kommentieren
Der neue Renault-Chef will die Marke wieder die Leidenschaft lehren. Quelle: dpa
Luca de Meo

Der neue Renault-Chef will die Marke wieder die Leidenschaft lehren.

(Foto: dpa)

Paris Ende der Woche wird die Automobilmarke Renault ihre Ergebnisse für das dritte Quartal veröffentlichen. Der neue Generaldirektor Luca de Meo ist zuversichtlich, dass es bei dieser Gelegenheit „schon ein paar Zeichen dafür geben wird, dass die Maschine sich in die richtige Richtung dreht“, sagte er am Dienstagnachmittag in einer Videokonferenz mit einigen deutschen Journalisten.

Der seit Juli amtierende Italiener weiß, dass er zwei Rollen ausfüllen muss, die sich normalerweise ausschließen: die Belegschafft für neue Produkte begeistern, für „Autos mit Emotion“, und gleichzeitig den Spaßverderber spielen. In seinen eigenen Worten heißt das: „Renault muss auf Diät, der Break-even muss künftig niedriger liegen.“

De Meo gibt sogar eine grobe Peilung an, wie umfangreich abgespeckt werden muss: „Das Unternehmen wurde darauf ausgerichtet, sechs Millionen Autos zu bauen, wir haben aber nie mehr als 3,8 Millionen verkauft.“ Das bedeute zwar nicht, dass die Kapazität um ein Drittel verringert werden müsse, aber: „Wir müssen schneiden, das ist mein Job.“  

Knapp drei Monate nachdem er in Boulogne-Billancourt angefangen hat, geht de Meo aktuell viel an die Öffentlichkeit. Ende vergangener Woche stand er in der kühnen Stahlkonstruktion einer Luftschiffhalle aus dem 19. Jahrhundert, redete locker mit Angestellten und Journalisten. Er bestand darauf, Deutsch zu sprechen: „Dann vergesse ich es nicht so schnell.“

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    Es ist bekannt, dass sein ehemaliger Arbeitsgeber Volkswagen ihn nur ungern ziehen ließ. Und: „Das Handelsblatt lese ich immer noch fast täglich“, versichert er im Gespräch. Neben seiner Muttersprache beherrscht der in Mailand geborene Manager Englisch, Französisch, Deutsch, Spanisch und sogar Portugiesisch – als Kind habe er in Brasilien gelebt.  Nicht etwa nur radebrechend, sondern fließend spricht er diese Idiome – ein gewaltiger Vorteil, wenn man in die Kultur des Landes und des Unternehmens eintauchen will, in dem man lebt und arbeitet.

    Seine Linie: von anderen lernen

    Chefs von Unternehmen dieser Größenordnung geben sich oft unnahbar und schieben eine große Bugwelle vor sich her. Carlos Ghosn, der Renault und die Allianz mit Nissan lange führte, preschte immer erst exakt zu Beginn eines Gesprächs oder einer Pressekonferenz mit schneidigem Schritt in den Raum und rauschte auf die Minute genau wieder hinaus, abgeschirmt von einem großen Gefolge.

    De Meo ist völlig anders. Entspannt und uneitel steht er in der Halle, nimmt sich Zeit. Offen spricht er darüber, dass Renault noch viel vor sich habe, um wieder zu alter Stärke zu finden: „Das Unternehmen hat strukturelle Schwächen.“ Aus VW-Zeiten ist er an erfolgsverwöhnte Konzerne gewöhnt. Das ist bei Renault, wo zuletzt erhebliche Verluste anfielen, anders. „Aber die Mitarbeiter sind motiviert, sie sind auch zu Veränderungen bereit, vielleicht mehr als in Deutschland“, sieht de Meo.

    Er verweist auf die Stärken des Herstellers mit dem Rhombus als Logo: „Zeit kann man nicht kaufen, anders als die meisten Konkurrenten haben wir viele Jahre Erfahrung mit E-Autos, nicht nur mit dem Bau, auch mit der Reparatur, mit den Batterien, die nach ein paar Jahren zurückkommen.“

    In anderen Bereichen, etwa bei den neuen Mobilitätsangeboten, habe Renault teilweise etwas Rückstand, das erlaube aber auch, Anfangsfehler zu vermeiden, die Wettbewerber gemacht hätten. Überhaupt geht es nicht gegen de Meos Stolz, von anderen zu lernen: „Carlos Tavares bei Peugeot hat sehr vieles richtig gemacht, es kostet mich nichts, das anzuerkennen und vielleicht manches ähnlich zu machen.“ Aber, fügt er hinzu: „Wir werden es mit einer anderen Kultur verwirklichen.“

    Viele Jahre hat Ghosn vor allem das Ziel verfolgt, VW und Toyota als weltgrößte Hersteller abzulösen. Autos wurden auch mal verschleudert, um den Absatz zu fördern. Das will de Meo zurückdrehen. Renault soll nur noch das produzieren, was eine einträgliche Marge bringt. Er macht sich keine Illusionen darüber, dass das Umsteuern eine Weile dauern wird: „Die Zyklen in der Autoindustrie sind lang.“ Aber erste Ergebnisse will er schon in absehbarer Zeit vorweisen.

    Ohne große Reibungsverluste hat de Meo in der kurzen Zeit, in der er CEO ist, viel auf den Weg gebracht. Die Struktur des Unternehmens, die man „nur mit einer dreidimensionalen Matrix abbilden konnte“, wird vereinfacht und soll sich an den Marken Renault, Dacia, Alpine sowie neue Mobilität orientieren. Dacia will er aus der Nische des Billiganbieters herausholen.

    Weniger austauschbar soll es sein

    „Autos verkaufen sich auch über Emotionen“, weiß der Italiener, der seine Kariere bei Renault begonnen hat, dann aber mehrere Jahre bei verschiedenen Marken des Fiat-Konzerns tätig war und seit 2009 bei Volkswagen, Audi und zuletzt Seat. Ihm wird ein Händchen für die Markenführung nachgesagt. Unter seiner Leitung wurden die Seat-Modelle nicht nur wertiger, der Hersteller knackte auch die Grenze von 500.000 verkauften Autos.

    Gleich am Anfang habe er bei Renault „sieben oder acht Projekte gestoppt und fünf oder sechs neue aufgesetzt“, sagt de Meo. Erwartet wurde, dass er eine ganze Reihe Renault-Modelle wie Megane, Espace und den Sportwagen Alpine kurzerhand einstellen würde.

    Weit gefehlt: Das neue E-Auto für die Mittelklasse, das der Italiener am vergangenen Donnerstag vorstellte, heißt Megane – mit goldenem „E“ am Ende. Auf einer neuen Plattform rein für Elektromobile soll es Renault dahin zurückführen, wohin die Marke laut de Meo gehört: „Ins Herz der Mittelklasse.

    Der CEO ist stolz auf das neue Fahrzeug, mit dem Renault „den Hatchback neu erfindet“, also das Auto mit großer Heckklappe. Mit der Karosserieform kenne sich das französische Unternehmen aus, schließlich habe man es mit dem R16 erfunden. Ende der 1960er- und Anfang der 70er-Jahre begeisterte das neuartige Modell auch deutsche Kunden.

    Heute gelten einige Renault-Fahrzeuge dagegen als austauschbar. Das versucht de Meo nicht wegzudiskutieren. Lieber erinnert er daran, dass es „bei Renault viele ikonische Modelle gab, und es wird sie in spätestens drei Jahren wieder geben“.

    Den Alpine lobt der Chef als Marke mit viel Potenzial, die Renault insgesamt nach oben ziehen könne und beweise, was das Unternehmen technisch draufhabe. Ohne zu übertreiben, will de Meo mit solchen Hinweisen seinen Mitarbeitern zeigen, dass sie sich vor anderen Herstellern nicht verstecken müssen. Und dass er nicht einfach als kalter Sanierer antritt, sondern als Automann mit Ambition. „Wir können ganz vorne mitspielen“, sagt er in der historischen Halle, und bei ihm klingt es nicht nach einer Phrase.

    Mehr: Renault muss die Wirren der Ghosn-Ära schnell überwinden.

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