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Autozulieferer Conti-Personalchefin Ariane Reinhart steht vor ihrer größten Bewährungsprobe

Die Personalvorständin des Autozulieferers will möglichst viele Arbeitsplätze retten und Mitarbeiter weiterbilden. Nur zu viel kosten darf es nicht.
03.09.2020 - 16:31 Uhr Kommentieren
Auf der Suche nach dem Dialog mit den Arbeitnehmervertretern. Quelle: dpa
Ariane Reinhart

Auf der Suche nach dem Dialog mit den Arbeitnehmervertretern.

(Foto: dpa)

Düsseldorf Auf dem Karrierenetzwerk LinkedIn fällt Ariane Reinhart am Mittwoch kurz aus ihrer Rolle. „Hard and bitter times“, schreibt die Personalchefin von Continental und versieht den Post mit einem traurigen Smiley – ungewöhnlich für die sonst eher unnahbaren Vorstände der Dax-Konzerne. Einen Tag zuvor hatte die 50-Jährige gemeinsam mit Konzernchef Elmar Degenhart das verschärfte Sparprogramm des Autozulieferers vorgestellt.

Statt 7000 Arbeitsplätzen, wie im September 2019 beschlossen, sind wegen der Folgen der Coronakrise nun 13.000 Arbeitsplätze in Deutschland gefährdet. Für Reinhart ist es die erste richtig große Krise bei Continental – und eine Bewährungsprobe. Seit 2014 ist sie Personalchefin und die einzige Frau im Vorstand des Autozulieferers aus Hannover.

Die Arbeitnehmervertreter sprachen von einem Schock. Das erweiterte Sparprogramm von Conti sei das Worst-Case-Szenario – und es passt nicht zu dem kooperativen Ton, den Reinhart in den Wochen zuvor angeschlagen hatte.

Die gebürtige Hamburgerin ist keine knallharte Personalchefin, die versucht, mit allen Mitteln ihre Vorstellungen durchzudrücken. Sie sucht den Dialog mit den Arbeitnehmervertretern, sprach Ende Juni von einer kollektiven Absenkung der Arbeitszeit, um angesichts der Überkapazitäten so viel Personal wie möglich durch die Krise zu bringen.

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    Aber sie sagt auch so etwas: „Eine Arbeitszeitverkürzung mit einer Jobgarantie für ein paar Jahre ist aus unserer Sicht keine nachhaltige Lösung.“ Reinhart will Mitarbeiter nicht in falscher Sicherheit wiegen, sondern befähigen und für Krisen und Strukturwandel wappnen.

    Zwei Gewerkschaften mischen mit

    Gewerkschaftsvertreter bestätigten vor Bekanntwerden des verschärften Sparprogramms die konstruktiven Gespräche. Eine gemeinsame arbeitnehmerverträgliche Position solle gefunden werden, um den Herausforderungen der Coronakrise zu begegnen. Keine einfache Sache bei Conti.

    Denn im Gegensatz zu den Konkurrenten Bosch und ZF Friedrichshafen mischen bei Conti zwei Gewerkschaften mit: die IG Metall, die die Automotive-Sparte vertritt, und die IG BCE, die für die Mitarbeiter der Rubber-Werke spricht. Und während es im Automotive-Sektor kriselt, konnte die Reifen- und Industriesparte während Corona immerhin einen kleinen Gewinn vorweisen.

    In die Autowelt eingestiegen ist die Juristin bereits vor der Jahrtausendwende. 1999 begann die damals 30-Jährige bei Volkswagen und war dort bis 2012 und anschließend bei Bentley bis 2014 in diversen Positionen für Personalfragen verantwortlich. Reinhart strebte einen Vorstandsposten bei VW an, bekam ihn jedoch nicht. Daraufhin wurde Conti auf sie aufmerksam. Der Zulieferer war nach der überraschenden Abberufung der damaligen Personalvorständin Elke Strathmann auf der Suche nach einer Nachfolgerin.

    Bereits in der Zeit bei VW spielte das Thema Weiterbildung für Reinhart eine große Rolle. Bei Conti setzt sie diesen Kurs fort. Sie hat im Juli 2019 das Weiterbildungsprogramm „Continental Institute of Technology and Transformation“, kurz CITT, ins Leben gerufen. Ein Herzensprojekt, wie es intern heißt.

    Grafik

    Beim CITT können Conti-Mitarbeiter IHK-zertifizierte Weiterbildungsmöglichkeiten, Schulungen, Seminare und Trainings wahrnehmen. Über 300 Mitarbeiter haben bis Ende Juli 2020 ihre Weiterbildung während Corona in virtuellen Klassenzimmern absolviert.

    „Im Zuge von Elektrifizierung und Digitalisierung werden einfache Tätigkeiten immer mehr durch komplexe Aufgaben ersetzt, die eine Ausbildung erfordern“, erklärt Reinhart. Diese Veränderungen seien tief greifend und betreffen eine ganze Industrie.

    Reinhart schwebt daher eine orchestrierte Zusammenarbeit zwischen Politik, Sozialpartnern und Unternehmen vor. Wenn alle zusammen an einem Strang ziehen würden, könnten Arbeitsplätze gerettet werden. Kritiker behaupten aber auch, dass es Reinhart schlicht und ergreifend um Staatsgelder geht. Sie will Arbeitsplätze retten.

    Aber die Kosten für diese Maßnahmen sollen bestenfalls nur zu einem Teil von Conti getragen werden. Die Conti-Personalchefin hat beste Kontakte nach Berlin. Sie steht im regelmäßigen Austausch mit Arbeitsminister Hubertus Heil (SPD) und wird kommenden Dienstag auf dem Autogipfel in Berlin um Unterstützung für die Zulieferbranche werben.

    Doch selbst wenn die Politik Unterstützung zusagen sollte: Betriebsbedingte Kündigungen können Reinhart und Konzernchef Degenhart nicht mehr ausschließen.

    Die Mitarbeiter sind aufgebracht. Im Intranet des Autozulieferers äußern sie Sorgen und Wut – und sie werden auf die Straße gehen. Im hessischen Babenhausen, wo Conti über 2200 der 3600 Stellen abbauen wird, plant die IG Metall einen Autokorso. Ariane Reinhart wird sich in den kommenden Wochen auf unangenehme Gespräche mit den Arbeitnehmervertretern einstellen müssen.

    Mehr: Continental verdoppelt wegen der Folgen der Corona-Pandemie seine Sparziele. In Deutschland stehen nun rund 13.000 Arbeitsplätze auf der Kippe.

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