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Batterietechnik „Das können wir nicht allein schaffen“: Northvolt-Chef erfreut über Pläne von Konkurrent Tesla

Der Gründer des Batterieherstellers fürchtet das Grünheider Werk seines Ex-Arbeitgebers Tesla nicht – im Gegenteil. Northvolt-Chef Carlsson will mit VW überraschend günstige Batterien bauen.
25.11.2020 - 11:49 Uhr Kommentieren
Der Northvolt-CEO macht seinem alten Chef Elon Musk Konkurrenz. Quelle: Reuters
Peter Carlsson

Der Northvolt-CEO macht seinem alten Chef Elon Musk Konkurrenz.

(Foto: Reuters)

Düsseldorf Lange hat Peter Carlsson eng mit Elon Musk zusammengearbeitet. Jetzt sagt der Schwede seinem ehemaligen Arbeitgeber den Kampf an. Mit dem von ihm gegründeten Unternehmen Northvolt will Carlsson zusammen mit VW Batterien für „weit weniger als 100 Dollar die Kilowattstunde“ herstellen. Zum diesem Preis könnten laut Experten Elektroautos günstiger werden als Modelle mit Verbrennungsmotoren. Eine Studie von Bloomberg New Energy aus dem Januar 2017 rechnet mit diesem Batteriepreis erst 2030.

Erst am Dienstag hat Tesla-Chef Elon Musk auf einer Konferenz angekündigt, in Grünheide bei Berlin eine Batteriezellenfabrik mit einer Produktionsleistung von rund 100 Gigawattstunden aufbauen zu wollen. Carlsson zeigte sich „erfreut“ über Teslas Plan. Es werde helfen, in Deutschland ein Zentrum an Kompetenz und Lieferanten für Batterien und Elektromobilität entstehen zu lassen. „Das können wir nicht allein schaffen“, sagt Carlsson, der bis 2015 Einkaufsmanager bei Tesla war.

Tesla besitzt nach Ansicht von Experten in Batterietechnik einen Vorsprung, weil es frühzeitig forschte und investierte. Nach Schätzung der US-Forschungsfirma Cairn Energy produziert Tesla derzeit für 120 Dollar die Kilowattstunde, VW würde zusammen mit General Motors auf Platz zwei liegen, mit ungefähr 140 Dollar pro Kilowattstunde.

Anfang 2024 nimmt die Batteriezellenfabrik von Northvolt und VW in Salzgitter ihre Produktion auf, es wird mit die größte Batteriezellenfabrik Europas. Geplant sind bis zu 16 Gigawattstunden, möglich ist der Ausbau auf 24 Gigawattstunden. An Northvolt sind mehrere namhafte Investoren beteiligt, darunter neben VW auch BMW.

Wenn das Werk in Betrieb geht, wird es „nicht sofort zu diesem Preis arbeiten können“, sagt Northvolt-CEO Carlsson im Interview mit dem Handelsblatt. Es brauche eine Anlaufphase. „Aber sobald wir hohe Stückzahlen produzieren, werden wir sehr konkurrenzfähig sein.“

Probleme bei Genehmigungen

Die Planungen und Bauarbeiten in Salzgitter würden „gut vorankommen“, erklärt Carlsson. Allerdings sei der Genehmigungsprozess in Deutschland sehr anders als in Schweden: „Die Unterschiede überraschen uns, da haben wir unsere Hausaufgaben ungenügend gemacht.“

Schon vor einigen Wochen beschwerte sich Musk bei einem Deutschlandbesuch über die komplexen Genehmigungsverfahren für die Tesla-Fabrik in der Nähe von Berlin – wo seiner jüngsten Ankündigung nach auch eine Batteriezellenfertigung sein wird.

„Auch wir bauen eine Fabrik, die es zuvor noch nicht in Europa gegeben hat“, sagt Carlsson. Dafür brauche es viel Flexibilität, Northvolt würde zugleich „bauen und entwickeln“. Das ginge mit den staatlichen Vorgaben in Schweden leichter.

„In Deutschland werden die internen Abläufe viel detaillierter vorgeschrieben“, berichtet der Schwede. „Das stellt uns vor Herausforderungen, uns geht es so wie Tesla mit seiner Fabrik in der Nähe von Berlin.“ Dafür habe das deutsche Vorgehen den Vorteil, die Sicherheit und Robustheit des ganzen Designs zu gewährleisten.

Volkswagen und Northvolt gründeten 2019 zu gleichen Anteilen ein Joint Venture, um die Fabrik in Salzgitter zur Produktion von Lithium-Ionen-Batterien zu errichten. Kostenpunkt: 1,3 Milliarden Euro, davon kommen 900 Millionen Euro von VW. Für den Konzern ist das ein sehr wichtiges Unterfangen, in Salzgitter soll das für die Elektromobilität nötige Know-how in Batterietechnik entstehen. Es gibt bereits ein Entwicklungszentrum, eine Probefertigung für Batterien läuft.

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Volkswagen will in den nächsten zehn Jahren fast 70 neue E-Modelle auf den Markt bringen. Ganze 22 Millionen Elektrofahrzeuge sollen hergestellt werden, allein in Europa braucht der Konzern jährlich ab 2025 mehr als 150 Gigawattstunden Akkuleistung – in Asien noch einmal in gleicher Höhe.

Northvolt baut derzeit eine eigene Fabrik im Norden von Schweden, die 2021 in Betrieb gehen soll und in wenigen Jahren bis zu 32 Gigawattstunden produzieren kann. In dem Werk wird Northvolt auch Vorprodukte für Salzgitter herstellen, wie Carlsson sagt – im Detail wollte er darauf aber nicht eingehen.

Der Vorteil des Standorts in Schweden: Dort kann Northvolt preiswerten klimaneutralen Strom nutzen. Nördlich von Stockholm gibt es in dem Land einen Überschuss an Wasserkraft. Mit zwei Cent die Kilowattsunde ist Elektrizität dort nur halb so teuer wie in Deutschland. „Damit können wir uns auch gegen Länder wie China, Polen oder Ungarn durchsetzen, in denen die Löhne deutlich niedriger sind“, sagt Carlsson.

Studien über die fragwürdige CO2-Bilanz von Elektroautos, wie zuletzt des Vereins deutscher Ingenieure (VDI), will der Northvolt-Chef nicht unkommentiert lassen. In der Studie wird davon ausgegangen, dass die Batterien mit viel Strom aus Kohle hergestellt wurden.

Aber auch in diesem Fall sieht Carlsson Elektroautos als „eine bessere Lösung an als die Autos mit den effizientesten Verbrennungsmotoren“. Seiner Meinung nach ergibt sich das aus fundamentalen Parametern der Physik. „Elektromotoren arbeiten zwei- bis dreimal so effizient wie Verbrennungsmotoren. Nach meiner Meinung sind sie daher nachhaltiger, auch wenn die Batterien mit Kohlestrom gebaut wurden.“

Gute Batterietechnik, schlechte Integration

Doch wie erreicht Northvolt einen Preis von weniger als 100 Dollar pro Kilowattstunde? Es gibt zum einen Skaleneffekte, mit hoher Produktion fallen die Kosten, beispielsweise kann man Lithium, Nickel, Kobalt oder Grafit preiswerter einkaufen.

Ansonsten verbessert Northvolt die Batterien „in kleinen Schritten“. „Die Kombination von kleinen Dingen zählt, eine holistische Sicht des Gesamtprozesses von der Chemie über das Zellendesign bis zur Integration der Batterie ins Fahrzeug“, sagt Carlsson.

Der Northvolt-Chef sieht sich in diesem Ansatz von Tesla bestätigt. Das US-Unternehmen führte vor einigen Wochen den „Battery Day“ durch, zeigte dort ein neues Zelldesign und kündigte andere Verbesserungen wie die Verwendung neuer Materialien an. Die Reaktion der Medien und der Märkte war eher negativ. „Alle erwarteten eine neue Zauberbatterie“, vermutet Carlsson, „aber für uns und die Branche war das super beeindruckend.“

Bei allen Erfolgen in der Batterietechnik – VW und deren Konkurrenten müssen mehr tun. Der Vorsprung von Tesla gegenüber deutschen Herstellern beläuft sich auf „zwei bis drei Jahre“, wie ein Unternehmensberater sagt, der mit Rücksicht auf seine deutschen Kunden lieber nicht genannt werden will. „Vor allem im Batteriemanagement und der Auswertung und Umsetzung von Daten für die Batteriesteuerung ist Tesla führend.“

Das sieht Northvolt-Chef Carlsson ähnlich. „Die deutschen Hersteller haben bei der Zellenfertigung klar aufgeholt, aber bei der Integration und Optimierung der Batterie mit dem Fahrzeug hapert es noch.“ Tesla läge mit seinem Batteriesystem deutlich vorn. „Es ist sehr gut darin, das Zellendesign, das Batteriepack und das Fahrzeug zu optimieren.“

Tesla habe einen unschlagbaren Vorteil: „Es fängt neu an und hat keine 50 Jahre mechanischer Entwicklung hinter sich“, sagt Carlsson. Die etablierten Hersteller brauchten Zeit.

Mehr: Elon Musk will in Grünheide die größte Batteriefabrik der Welt bauen.

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