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Berliner Lichtgestalt Stararchitekten vertrauen Armin Bansbach

Warten Sie!“ Armin Bansbach eilt voraus in sein dunkles Büro. Fahl fällt das Licht der Straßenlaterne durch die zweiseitige Fensterfront des tristen Verwaltungsgebäudes im Berliner Süden.

HB BERLIN. Gerade haben sich die Augen an den Dämmerzustand gewöhnt, flammt Neonlicht auf. Bansbach kniet neben einer Installation aus Leuchtröhren, die nicht nur grell strahlen, sondern auch das Wort Neon schreiben, und lacht mit blauen Augen hinter einer bauchigen, etwas altmodischen Brille, lacht zwischen weißem Vollbart und Haarkranz: „Es ist wie eine Droge!“ Ob Tag oder Nacht, ob allein oder mit Gästen, zuerst knipse er immer das Werk des New Yorker Künstlers Rudi Stern an.

Die Begeisterung im Kleinen – auch nach einem halben Jahrhundert im Lichtgeschäft hat Armin Bansbach sie sich bewahrt. Zwar wechselte er 2001 aus dem Vorstand in den Aufsichtsrat der Berliner Semperlux AG, eines führenden Anbieters von projektspezifischen Lichtlösungen in Deutschland. Doch kann er bis heute als Geschäftsführender Gesellschafter der Allein-Aktionärin, der Hermann Bansbach GmbH & Co. KG, nicht von seinen Leuchten lassen.

Zwei bis drei Tage pro Woche sei der 71-Jährige noch immer in der Firma, berichten Mitarbeiter. Warmherzig im Umgang, aber hart in der Sache stehe er allen, auch dem Vorstandschef: seinem zwölf Jahre jüngeren Bruder Udo, mit Rat zur Seite. Und das ist auch gut so.

Im Zuge der Krise am Bau seit Mitte der 90er-Jahre gingen bei Semperlux fast die Lichter aus. Doch die Tochtergesellschaften in den USA, Frankreich, England und Österreich entwickelten sich gut. Und ein großer Auftrag über 8 500 Kandelaber für die Schweizerische Bundesbahn kam zur rechten Zeit.

Semperlux und Bansbach setzten sich durch, weil sie auch komplizierte Projekte in kurzer Zeit komplett abwickeln können. Heute steht das Familienunternehmen mit 56 Millionen Euro Umsatz besser da denn je. 400 Mitarbeiter stellen in fünf Werken in Berlin, Ostdeutschland, Frankreich und den USA Innen- und Außenleuchten sowie komplette Lichtsysteme her.

Große Architekten vertrauen seit Jahrzehnten auf Bansbach. Ob Axel Schultes, Architekt des Kanzleramts, Daniel Libeskind, Erbauer des Jüdischen Museums in Berlin, oder die 1969 verstorbene Architektenlegende Ludwig Mies van der Rohe – sie alle inszenierten ihre Bauten mit Semperlux-Leuchten. „Den Architekten steht Bansbach näher als den Unternehmern“, sagt der Wiener Architekt Gernot Nalbach, der seit zwei Jahrzehnten mit Bansbach zusammenarbeitet. „Technik, Design und Wirtschaftlichkeit bilden bei Bansbach eine Einheit.“

Als legendär gilt Bansbachs Begegnung mit Mies van der Rohe Mitte der 60er-Jahre. Da saß der deutsche, in die USA emigrierte Architekt im Rohbau der Galerie an der Potsdamer Straße, schmiss Kataloge auf den Boden, war unzufrieden. Man rief Bansbach: „Ich wusste ungefähr, was er wollte: schwarze Löcher, aus denen Licht fällt. Amerikanisches Design, deutsche Technik.“ Bansbach kletterte auf einen Stuhl und unter der Decke erklärte er dem Stararchitekten seine Idee.

Leuchten waren schon immer Bansbachs Leben. Bereits der Teenager baute mit seinem Vater einfache Metallleuchten zusammen. Bis heute liegt ihm viel an Forschung und Entwicklung. Davon zeugt ein schwach leuchtendes Rohr, das sich durch das Treppenhaus im Firmensitz von Semperlux zieht und über das Bansbach mit den Fingerkuppen streicht. „Arthelio“ heißt es und ist ein Projekt, das Semperlux gemeinsam mit der TU Berlin durchführte. Es verbindet Tageslicht und Kunstlicht Energie sparend in einem Hohlleitersystem.

Bansbach selbst reiste stets viel – vor allem in die USA – und sog so die neuesten Entwicklungen auf. Das brachte ihm das nötige Fingerspitzengefühl für Begegnungen wie die mit Mies van der Rohe. Und nicht nur das. 1965 sicherte er sich auf der Weltausstellung in New York die Allein-Vertriebsrechte für schlagfeste Kugelleuchten aus Kunststoff. Das war eine echte Innovation in Europa, wo noch zerbrechliche Opalglaskugeln die Straßen säumten. Jahre später kam ihm die Idee für Aluminium-Profile bei Innenleuchten. Wie die Kugelleuchten entwickelten sich auch diese zu Verkaufsschlagern.

„Bei Semperlux wurde Leuchtengeschichte geschrieben. Viele Konzepte sind heute echte Klassiker“, sagt Sabine Röck, Industrie-Designerin und Expertin für Lichttechnik am Deutschen Technikmuseum in Berlin. Oder sie sind schlicht auf Grund ihres Ausmaßes schwer zu übertreffen: Für den „Grande Arche“ im Pariser Geschäftsviertel La Défense verlegte Semperlux 1987 acht Kilometer Lichtrohre.

Ein jüngeres Mammutprojekt schwebt raumschiffgleich in der Eingangshalle von Semperlux in Berlin. Im schwarzen Anzug steht Lichtmann Bansbach unter dem riesigen Lichtring. „Und der hier ist noch klein“, sagt er, „in Wirklichkeit haben diese modernen Kronleuchter einen Durchmesser von 22 Metern“. „In Wirklichkeit“ meint im fünf Kilometer entfernten Paul-Löbe-Haus, jenem Neubau neben dem Reichstag, in dem die Bundestagsabgeordneten in kreisrunden Sälen tagen.

Ein paar Schritte weiter im Lichtforum knipst Bansbach seine Lieblingsleuchte, den Urbi-Kandelaber, an, aus, an, aus, an, aus. Die Augen zwischen den blauen Augen und dem weißen Haar strahlen erneut. Da macht es auch nichts, dass man nicht sofort sagen kann, wo man die Leuchte schon einmal gesehen hat. Bansbach: „Straße des 17. Juni. Gutes Licht fällt eben nicht auf!“

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