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BASF-Mitarbeiter

Der Chemiekonzern verbuchte im ersten Halbjahr 500 Millionen Euro Sonderaufwand.

(Foto: obs/Accor Hotellerie Deutschland GmbH)

Bilanz 28 Prozent weniger Gewinn: So schlecht lief das erste Halbjahr für die Industriekonzerne

Eine Auswertung des Handelsblatts zeigt, wie stark die Gewinne der Dax-Industrieunternehmen eingebrochen sind. Dabei gingen nur bei einem Konzern die Umsätze zurück.
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Frankfurt Die Angst vor einer Rezession nimmt in der deutschen Industrie zu. In den Bilanzen der Konzerne zeichnet sich der wirtschaftliche Abschwung bereits ab: In den ersten sechs Monaten des Jahres sind die Gewinne der im Dax vertretenen Industrieunternehmen im Durchschnitt gesunken, wie die Halbjahreszahlen zeigen.

So wiesen insgesamt 16 der 24 Industriefirmen im größten deutschen Index für das erste Halbjahr 2019 rückläufige operative Erträge aus, darunter sieben Firmen, bei denen sich die Gewinne vor Zinsen und Steuern (Ebit) laut dem Bilanzstandard IFRS mehr als halbierten. In der Summe sanken die Betriebsgewinne dieser Industriekonzerne um 28 Prozent auf knapp 45 Milliarden Euro.

Der gemeinsame Nettogewinn der Konzerne lag mit 38 Milliarden Euro knapp ein Fünftel unter Vorjahresniveau. Darin enthalten war ein Buchgewinn von gut sechs Milliarden Euro, den der Chemiekonzern BASF aufgrund der Neubewertung seiner Beteiligung an Wintershall-Dea verzeichnete. Klammert man diesen Gewinn aus, sanken auch die Reingewinne der Konzerne im Schnitt um rund 30 Prozent.

Für die vergleichsweise schwache Halbjahresperformance lässt sich die drohende Konjunkturflaute nur bedingt verantwortlich machen. Denn die Geschäftsvolumina entwickelten sich überwiegend stabil bis leicht positiv. Selbst die deutschen Autohersteller verbuchten durchweg noch leichte Umsatzsteigerungen und nahezu stabile Absatzzahlen.

Nur ein einziger der 24 Industriekonzerne im Dax, der Leverkusener Kunststoffproduzent Covestro, wies einen Umsatzrückgang im Halbjahr aus. Und dieser resultierte nicht aus rückläufigen Absatzmengen, sondern allein aus Preiseffekten.

Alle anderen Unternehmen verbuchten steigende oder zumindest stabile Erlöse. Im Schnitt legten die Umsätze der Konzerne im ersten Halbjahr noch um vier Prozent, wofür auch die Aufwertung des Dollar gegenüber dem Euro verantwortlich war.

Die Kombination aus sinkenden Gewinnen und steigenden Umsätze verschlechterte in den ersten sechs Monaten die Rendite. Im Durchschnitt sanken die operative Margen, gemessen an den IFRS-Zahlen, um drei Prozentpunkte von zehn auf knapp sieben Prozent.

Hohe Sonderbelastungen

Die Gründe für diesen starken Renditeverfall sind vielfältig. Oftmals spielten Einmaleffekte eine Rolle. Beim Energieunternehmen Eon und Medizinkonzern Fresenius etwa wurden im Vorjahr Veräußerungsgewinne aus Desinvestitionen im Betriebsergebnis ausgewiesen. Bereinigt um solche Faktoren schrumpfte der operative Gewinn von Eon laut eigener Rechnung nur um zwölf Prozent, Fresenius legte nach eigener Rechnung auf bereinigter Basis sogar um zwei Prozent zu.

Und der Chemiekonzern Bayer wies Kosten von 1,9 Milliarden Euro für Restrukturierungen, Wertberichtigungen und Rechtsfälle als Sondereinflüsse aus. Lässt man diese außen vor, errechnete sich aus Sicht des Leverkusener Konzerns ein operativer Gewinnanstieg von 17 Prozent anstatt ein Rückgang in Höhe von 21 Prozent.

Der Softwarekontern SAP klammerte sogar Kosten in Höhe von 2,6 Milliarden für die Integration der jüngsten Zukäufe und aktienbasierte Vergütungskomponenten aus seinem adjustierten Betriebsgewinn aus. Auch in diesem Fall stand ein starker Ebit-Rückgang um 67 Prozent laut IFRS einem Anstieg des „bereinigten“ operativen Ertrags von 17 Prozent gegenüber.

BASF verbuchte knapp 500 Millionen Euro Sonderaufwand. Milliardenschwere Rückstellungen für Kartell- und Dieselverfahren belasteten die Autobauer Daimler und BMW. Die Stuttgarter mussten zudem noch einen Millionen-Betrag wegen fehlerhafter Airbags zurücklegen. Den einmaligen Sondereffekt im operativen Ergebnis bezifferten sie aus diesem Grund mit vier Milliarden Euro.

Insgesamt addierten sich die von den Konzernen als Sonderbelastungen eingestuften Faktoren damit auf fast 15 Milliarden Euro. Eine derart große Differenz zwischen den offiziellen und den bereinigten Erträgen haben sie bereits seit mehreren Jahren nicht mehr ausgewiesen.

Aber selbst wenn man all diese Sonderfaktoren ausklammert und sich an den adjustierten Ertragszahlen der Unternehmen orientiert, errechnet sich fürs erste Halbjahr immer noch ein Ebit-Rückgang von etwa acht Prozent. Die operativen Margen verschlechterten sich auf dieser Basis von durchschnittlich 10,3 Prozent auf 9,3 Prozent.

Die stärksten Einbußen verbuchten dabei Covestro, Thyssen-Krupp, BASF und Lufthansa. Die stärksten relativen Ertragssteigerungen verzeichneten RWE, die Deutsche Post und Heidelbergcement.

Die schwache Performance resultierte weniger aus einer nachlassenden Nachfrage, sondern vielmehr aus dem wachsendem Margendruck als Folge von Überkapazitäten. Besonders deutlich wird das etwa bei den Chemieriesen BASF und Covestro, die nach dem Boom in den Vorjahren nun einen drastischen Preis- und Renditeverfall im Geschäft mit Polyurethan-Kunststoffen und diversen petrochemischen Basisprodukten verkraften mussten.

Ein ähnlicher Effekt zeigte sich bei der Lufthansa mit der Kombination aus steigenden Treibstoffpreisen und wachsendem Preisdruck im Europageschäft. Trotz drei Prozent Umsatzwachstum und steigender Passagierzahlen wies Europas größte Fluggesellschaft selbst auf bereinigter Basis einen Rückgang ihres Betriebsgewinns um 60 Prozent aus.

Auch bei den Autoherstellern verschlechterte sich die Kostenstruktur – selbst wenn man die Sondereffekte außen vor lässt. Hinzu kamen überproportional steigende Forschungs- und Entwicklungsausgaben. Die Bruttomargen dürften insgesamt im ersten Halbjahr auf vergleichbarer Basis um ein bis zwei Prozentpunkt gesunken sein.

Die Zahlen deuten darauf hin, dass viele der im Dax notierten Industriekonzerne auf eine mögliche Konjunkturabkühlung vergleichsweise schlecht vorbereitet sind. Denn ihrer Strategien waren überwiegend auf Expansionen aufgerichtet anstatt auf einen potenziellen konjunkturellen Abschwung. Vor diesem Hintergrund stehen viele Konzerne nun unter starkem Druck, ihre Kostenstruktur entsprechend anzupassen.

Die Zahlen zeigen zudem, dass die Dax-Konzerne bereits 2017 ihren Ertragszenit überschritten haben und sich seither in einem Abwärtstrend bewegen, der sich im laufenden Jahr weiter verstärken dürfte.

Rückläufige Cashflows

Das Gleiche gilt offenbar auch für die Finanzkraft. Die Mittelzuflüsse aus dem operativen Geschäft sanken bei den 24 Dax-Industriekonzernen im ersten Halbjahr in der Summe um zehn Prozent, während die Ausgaben für Investitionen in Sachanlagen und immaterielle Güter noch um 17 Prozent zulegten.

Entsprechend deutlich reduzierten sich die frei verfügbaren Liquiditätszuflüsse aus dem laufenden Geschäft. Der aggregierte Free-Cashflow der Dax-Industriekonzerne sank in den ersten sechs Monaten von knapp elf Milliarden Euro im Vorjahr auf null. Aus diesem Grund verschlechterten sich auch überwiegend die Bilanzstrukturen.

Insgesamt erhöhte sich die Netto-Finanzverschuldung der Dax-Firmen seit Jahresende um mehr als 100 Milliarden Euro auf rund 650 Milliarden Euro. Neben den schwachen Free-Cashflows waren dafür vor allem Dividendenzahlungen von rund 33 Milliarden Euro sowie die Umstellung der Leasing-Bilanzierung nach IFRS 16 verantwortlich, nach der Nutzungsrechte in der Bilanz aktiviert und Leasingverpflichtungen als Verbindlichkeiten auf der Passivseite ausgewiesen werden müssen.

Das führte unter anderem bei Unternehmen wie der Deutschen Telekom und Fresenius zu einem relativ starken Anstieg der ausgewiesenen Verschuldungsquoten. Bei der Telekom zum Beispiel sorgte die Umstellung auf IFRS 16 für einen Anstieg der Finanzschulden von 15,6 Milliarden Euro.

Deutlich höhere Beträge mussten die Dax-Konzerne zudem für die ungedeckten Pensionsverpflichtungen ausweisen. Hier wirkte sich der weitere Rückgang der Kapitalmarktzinsen aus. Im Schnitt stiegen die Pensionsrückstellungen daher um rund ein Fünftel auf etwas mehr als 130 Milliarden Euro. Alleine VW stockte die Pensionsrückstellungen um fast sechs Milliarden Euro auf, Daimler um gut zwei Milliarden Euro, BASF und Bayer um jeweils 1,5 Milliarden Euro.

Durch die Pensionsverpflichtungen verschlechterten sich nahezu alle Bilanzrelationen. Die Eigenkapitalquoten sanken im Mittel um zwei Prozentpunkte auf 29 Prozent. Das Gearing, also die Relation von Nettoverschuldung zum Eigenkapital, stieg auf 1,0 gegenüber einem Wert von etwa 0,8 zum Jahresende.

Mehr: Handelskonflikte und die eingetrübte Weltwirtschaft machen der Chemiebranche immer mehr zu schaffen. Der Branchenverband senkt erneut seine Prognose für 2019.

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