Biografie über Ex-Deutsche-Bank-Chef Die späte Reue des Josef Ackermann

Was für ein Mensch ist Josef Ackermann wirklich? Sein Wegbegleiter Stefan Baron beantwortet diese Frage in seiner Biografie besser als fast alle vor ihm. Der Ex-Chef der Deutschen Bank tickt anders, als viele denken.
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Josef Ackermann beim Handelsblatt Deutschland Dinner Ende 2012: „Moral hängt in der Marktwirtschaft nicht vom guten Willen des Einzelnen ab.“ Quelle: Bert Bostelmann/Bildfolio für Handelsblatt

Josef Ackermann beim Handelsblatt Deutschland Dinner Ende 2012: „Moral hängt in der Marktwirtschaft nicht vom guten Willen des Einzelnen ab.“

(Foto: Bert Bostelmann/Bildfolio für Handelsblatt)

DüsseldorfManchmal gibt es Bücher, die sind vor allem wegen dem interessant, was nicht in ihnen steht. Was nur angedeutet wird oder geschickt verpackt „zwischen den Zeilen“ erkannt werden will. Stefan Baron hat mit „Späte Reue“ so ein Buch geschrieben: Die Lektüre lohnt sich für den, der aufmerksam liest und die Lücken füllt.

Die Biografie über seinen Ex-Chef kämpft nämlich von der ersten Zeile an mit einem enormen Glaubwürdigkeitsproblem. Wie soll der ehemalige Pressesprecher der Deutschen Bank offen und ehrlich über seine fünf Jahre an der Seite von Josef Ackermann berichten?

Natürlich mangelt es dem früheren Chefredakteur der „WirtschaftsWoche“ an Distanz. Das führt dazu, dass der Autor seinen Ex-Chef bisweilen nicht hart genug anpackt. Aber die Nähe ermöglicht umgekehrt interessante Einblicke. Und so gelingt es Baron auf den rund 300 Seiten, allerlei Neues über Josef Ackermann aufzuschreiben. Über den streitbarsten Banker Europas, der allzu sehr polarisiert und über den man eben doch nicht so leicht den Stab brechen kann. An diesem Donnerstag wird das Buch vorgestellt.

Der Schweizer wurde schon einige Male porträtiert. Vor allem seit Leo Müllers ausgezeichneter Biografie „Ackermanns Welt“ weiß man vieles über seine Kindheit und seinen Alltag. Stefan Baron fokussiert sich - wie der Titel schon sagt - auf das Thema Reue und beschreibt diese aufregende Zeit von Juni 2007 bis Mitte 2012, als sie Seite an Seite durch die Finanzkrise schritten und die Wirren rund um Ackermanns Abschied von Deutschlands größtem Geldhaus überstanden. Als er den Preis bezahlen musste für die Missetaten, die durch sein Streben nach Rendite passiert sind – und wie ihn das verändert hat.

Sein Rücktritt als Verwaltungsratspräsident beim Versicherungskonzern Zurich vor wenigen Tagen findet sich dagegen nicht in der Biografie wieder. Zu frisch sind die Ereignisse. Ackermann war abgetreten, nachdem sich Zurich-Finanzchef Pierre Wauthier das Leben genommen hatte – und ihn in einem Abschiedsbrief erwähnt haben soll.

Wer ist Josef Ackermann wirklich? Was prägt ihn mehr, Moral oder Gier? Tatsächlich gelingt es Baron, einige Antworten zu finden und dem Wesen Ackermanns näher zu kommen. Er ist ein sehr moralischer Mensch. Diszipliniert, hart gegen andere und sich selbst und bereit, für sein Geldhaus weit zu gehen. Das Renditeziel von 25 Prozent ist Ackermanns Markenzeichen und der Quartalsgewinn der Maßstab. Und in diesem Streben nach Erfolg ist etwas verloren gegangen, das sich Ackermann am Ende zurückholen musste: „Die Finanzkrise hat ihn schmerzlich daran erinnert, dass weder Menschen noch Märkte vollkommen sind. Sie hat ihm den moralischen Kompass ins Bewusstsein zurückgerufen, den sein Vater ihm einst mit auf den Weg gegeben hat“, schreibt Baron.

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30 Kommentare zu "Biografie über Ex-Deutsche-Bank-Chef: Die späte Reue des Josef Ackermann"

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  • Was soll man dazu sagen, wenn es überhaupt erwünscht ist. Zunächst vielleicht, daß man das Problem nicht an der Person Ackermann festmachenn sollte.

    Es ist vielmehr die ewig ungelöste Quadratur des Kreises zwischen Rendite, Risiko, Volabilität und Nachhaltigkeit.

    Zwischen Rendite und Risiko gibt es ein mathematisch wohl definiertes Verhältnis, das zur Zeit von den Zentralbanken mit voller Absicht ausgehebelt wird. Beim russischen Roulette gelten exakt dieselben Gesetze. Da aber die Folgen unmittelbar und tödlich sind, ist russisches Roulette nicht so populär wie die Politik der Zentralbanken. Keine Sorge, auf längere Sicht wird das Ergebnis gleich sein, dafür sorgt die Mathematik.

    Volatilität kommt von außen. Im Bankgeschäft ist das die Politik. Es ist daher völlig verständlich, daß Bänker, schon vor und mit Josef Abs, die Nähe zur Politik suchen, um diesen Faktor zu minimieren. Soll man das Herrn Ackermann verdenken?

    Nachhaltigkeit ist ein modernes Wort, welches jedoch sehr zutreffend ist für das Bankgeschäft. Man darf ein riskantes Geschäft schon eingehen, aber nicht zur Geschäftsgrundlage machen. mondahu hat mit Aktien von Lehman Bros. 15900 % Gewinn gemacht (Kurs 12.08 zu 09.09), aber erst nach dem Fall und mit einem Einsatz, der ihn nicht in Gefahr brachte. Das macht man einmal im Leben, womit wir wieder beim russischen Roulette wären.

    25% Rendite auf das Eigenkapital einer Bank war vor 10 Jahren nicht außergewöhnlich, aber nur vertretbar mit der niedrigen Volatilität der damaligen Jahre. Das ist Geschichte. Zu Josef Abs' Zeiten war das Bankgeschäft noch geradezu gemütlich im Vergleich zu heute.

  • Solange es Menschen gibt, die vor den vermeintlichen Qualitäten von Personen wie Ackermann den Hut ziehen und von ausserordentlichen Leistungen sprechen, glauben, dass 25% Rendite für derartige Luftblasen, die diese Unternehmen sich in der Konsequenz dafür ausgedacht und an leider auch zu naive Kunden verkauft haben, solange werden immer wieder solche falsche Götzen auf den Bühnen erscheinen und den Applaus derjenigen erhalten, die glauben, dass man aus Scheiße doch Gold machen kann und die dann die Mittel, die den Zweck heiligen sollen, dann auch noch mit aller Kraft und Überzeugung verteidigen. Ja wir waren nicht bei allen Sitzungen und 4-Augengesprächen dabei und daher haben wir alle Vorurteile oder sind geistig zu minderbemittelt um den Zinseszinseffekt zu verstehen, weil wir nicht auf den Eliteschulen oder den Kaderschmieden entwachsen sind und manche hier im Forum meinen, Dummheit gehört eh bestraft. Aber eines muss jedem Menschen klar sein. Wenn wenige Menschen ohne zu arbeiten in jeder Wirtschaftlage immer ihre mind. 5% Rendite haben wollen und dies mittels dieser Ackermänner umgesetzt bekommen, müssen viele andere Menschen dafür Verluste hinnnehmen oder sich verschulden (Staaten). Mit der Macht von Personen wie Ackermann steigt auch die Verantwortung. Wer sich selbst so exponiert hat, der muss sich auch härter angefassen lassen, denn ob er will oder nicht, er gibt Werte vor oder im Falle Ackermann, zerstört diese (Mass halten, Vertrauen, Fairness, Nachhaltigkeit etc.) in einem Umfang, den er auch nicht mit SOS Kinderdörfer wettmachen kann. Wessen Unternehmen Kredite an Rüstungsfirmen vergeben hat oder noch vergibt, die sich auf der Liste der geächteten Rüstungshersteller befinden, weil sie diese kleinen Flügelgranaten herstellen, die besonders darauf abzielen, Kindern die Gliedmaßen abzureißen, für dessen Scheinheiligkeit finde ich keinen Superlativ.

  • @Gaishirtle
    DANKE, es gibt also doch einige die es begreifen mit den 25%, und die Aufsichtsbehörden sprich der Staat haben es den Banken erlaubt mit so wenig Eigenkapital zu arbeiten.

  • Ackermanns legendäre 25% bewiesen nur, dass die DB unzureichend mit Eigenkapital ausgestattet war.
    -> Basiseffekt.

  • Wer eine Eigenkapitalrendite von 25 Prozent anstrebt, kann keinen Heiligenschein tragen. Um das zu erreichen, muss man ohne Skrupel sein, hart gegen sich und vor allem gegen andere. Vertrieb treiben und Geschäfte am Rande der Legalität. Alle grossen Banken habe die Legalitätsgrenze überschritten in ihrer grenzenlosen Gier nach Macht und Rendite. Sie alle wollten sich gegenseitig übertreffen in Grösse und Bilanzsumme. Nicht umsonst haben sie die Weltgemeinschaft in einen fast nicht enden wollenden Abgrund gestürzt.

    Während Banken schon wieder grosse Gewinne einfahren, ihre Rettungszahlungen an den Steuerzahler zurückgezahlt haben, Geschäfte an Schattenbanken auslagern, kämpfen Firmen im Jahre sechs nach Ausbruch der Finanzkrise nach wie vor ums Überleben. Eine Folge der Regulierungswut, weil Banken nicht mehr bereit sind ihren Ur-Auftrag zu erfüllen und Kredite an die Realwirtschaft auszureichen um Investitionen zu ermöglichen.

    Josef Ackermann ist kein Moralapostel für den er sich selber hält.

    Ackermann hat nicht nur den Finanzchef der Zurich Versicherung auf dem Gewissen, sondern auch noch viele andere Menschen, die sich vielleicht nicht das Leben aber denen er die Würde genommen hat.

  • Mühevolle Jahre müssen es gewesen sein, als die Zurich unter 'Zurich Finance' firmierte. Ein Unternehmen, zu dem man sich problemlos eine Postfach-Adresse vorstellen kann. Mit den entsprechenden negativen Image-Implikationen. Das Haus kämpfte sich zurück zur Kernkompetenz, auch im Namen: Zurich Insurance. Kaum war es soweit, wurde der vermeintlich abgehalfterte Allfinanz-Gedanke durch die Hintertür wieder hereinkomplimentiert. Auftritt von Ackermann. Hier trampelt "Financilla" hinter uns her, so mag es manchen Unternehmensangehörigen vorgekommen sein. Aber nein, wurden die Mitarbeiter wohl beschwichtigt: Es geht um seine guten internationalen Verbindungen, auch zu sehr potenten Investorenkreisen. Diese soll er pflegen. Ein Top-Manager wie Ackermann kommt solchen Aufgaben bestimmt gerne nach, aber eben neben seiner "eigentlichen Arbeit". Meine Hypothese: Er kämpfte auf diesem Posten gar nicht gegen reale Personen, sondern viel eher gegen einen imaginären Feind. Es ist das Stereotyp des 'Verwaltungsrats-Bappelis', mit dem er keineswegs verwechselt werden wollte. Das ist eine mittlerweile weitgehend ausgestorbene Figur, die bei entsprechenden Meetings hauptsächlich durch physische Anwesenheit in Erscheinung tritt. Sein Transparenz-Credo, das er nun so hoch hält und als ursächlich für Konflikte erklärt, ist nicht sehr glaubwürdig. Um unterschiedliche Spartenergebnisse aufzufangen, hat er selbst in seiner Banking-Karriere dem Investmentbanking kaum Zügel angelegt. Banken können Spartenquersubventionierung nutzen. Versicherer brauchen sie ganz dringend, da sie immer mal wieder kräftig negative Vorkommnisse ohne großen Wirbel abfedern müssen. Nach dem Rücktritt mit diesem unsäglichen Rechtfertigungsbohei: Ackermann-Hofberichterstattung kann schon sein, aber bitte auf einem Niveau, das man auch als solches bezeichnen kann. Der Mann hat immer Gegenwind vertragen, das gehörte ohne jeden Zweifel zu seinen besten Eigenschaften.

  • @X-Trader:
    Rekrutiert wurden nur die Besten um dort auf dem Trading-Floor noch besser zu werden.
    Das glaube ich gern. Blos haben Sie sicher vergessen nach dem Wort die Besten das Wort Skrupellosen zu schreiben.

    @ X-Trader:Alles was ich bin und alles was ich kann, hab ich dort beigebracht bekommen.
    Glaube ich Ihnen unbesehen.

    Ackermann und sein Gefolge (wie auch Sie) haben dafür gesorgt, dass aus dem angesehenen "Ehrenwerten Kaufmann (Bankier)" in der Bevölkerung der Bankster wurde! Ich war bis vor 20 Jahren noch selber in der Führung einer Bank tätig. Sage das aber keinem, den ich neu kennen lerne. Ich möchte nicht gleich in die Schublade gesteck werden in der die Bevölkerung zu Recht Ackermann und Gefolge vermutet.
    Übreigens wünsche ich Ihnen, dass Sie nie Skrupel oder gar moralische Bedenken bei Ihren Geschäften bekommen. Das wäre ganz abträglich für das Geschäft.

  • Danke liebe Redaktion danke für's löschen. Dann bin ich jetzt mal ganz sachlich.
    Also ich finde Ackermann ist ein ehrenwerter Mann und gehört zu recht zur Ehrenwerten Gesellschaft.
    Natürlich war immer alles ganz korrekt bei der Deutschen Bank. Deshalb hat sie auch gar keine Prozesse am Hals. Und da auch immer alles ganz korrekt war,konnte Ackermann auch nicht wissen dass in seinem Haus keine Schweinereien liefen. War das jetzt sachlich genug.

  • Ackermann hat es in der Tat geschafft, die Probleme solange unter den Teppich zu kehren, bis er als Vorstand ausgeschieden ist. Jetzt rollen die Prozesse und die Aufarbeitung der Sünden beginnt.

    Ein "wahrlich großer Manager", dieser Schweizer Gnom

  • geld,gier, abgebrueht,ansehen,ackermann laeuft mit einem laecheln ueber leichen hier in der schweiz besteht die hoffnung dass er endlich von der bildflaeche verschwindet

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