Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Boris Becker über seinen Weg zur Unsterblichkeit Wie Wimbledon mein Wohnzimmer wurde

Seite 2 von 5:

In der dritten und letzten Runde der Qualifikation – die zwei Spiele vorher habe ich glatt gewonnen – spiele ich mein erstes Spiel über drei Gewinnsätze. Ich habe richtig Bammel. Ich denke, das schaffst du als 16-Jähriger nie, das ist doch viel zu anstrengend. Die erfahrenen deutschen Spieler wie Michael Westphal versuchen, mich aufzubauen, aber es nützt nichts. Wahrscheinlich aus Angst vor einem langen Spiel gewinne ich glatt in drei Sätzen und bin als erster 16-Jähriger überhaupt im Hauptfeld von Wimbledon.

Das ist mein erster großer Sieg auf Rasen, eine Riesenhürde, die ich genommen habe.

Und das Schöne daran: Ich darf ins offizielle Spielerhotel umziehen, eine neue Welt nach Jugendturnier und Qualifikation. Vorher hatte ich ein Zimmer in einem Bed and Breakfast, wirklich unterstes Niveau, aber ich muss es ja auch selbst bezahlen, und Geld habe ich nicht im Überfluss. Das Spielerhotel ist das Gloucester Hotel – für mich wie ein Sieben-Sterne-Hotel in Dubai.

Mein erstes „richtiges“ Wimbledon läuft super. Vor dem Auftakt- Spiel bin ich zwar aufgeregt und nervös, gewinne dann aber glatt. In der zweiten Runde denke ich, ich habe das Turnier schon gewonnen, so gut geht es mir. Mit dieser Euphorie putze ich gleich auch noch den nächsten Gegner glatt in drei Sätzen.

Und dann ist es Samstag, und es kommt Bill Scanlon, ein Top-Ten-Spieler. Ich schlage mich gut gegen Scanlon, habe ihn im Griff. Wenn ich gewinne, spiele ich anschließend gegen John McEnroe, mein großes Idol, auf dem Centre Court. Doch beim Stand von 2:6, 6:2, 6:7 und 2:1 für mich im vierten Satz, ich liege ein Break vorne, knicke ich um.

Statt gegen McEnroe zu spielen, werde ich vom Platz getragen und bekomme einen Gips verpasst. Es tut höllisch weh.

Meine Mutter sagt zu mir: „Junge, da siehst du, was alles passieren kann als Tennisprofi. Geh’ lieber wieder zurück auf die Schule.“ Von der habe ich mich gerade zwei Jahre beurlauben lassen, Wimbledon 1984 ist mein erstes Turnier als Profi.

Die wichtigsten Neuigkeiten jeden Morgen in Ihrem Posteingang.
Seite 12345Alles auf einer Seite anzeigen