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Boris Becker über seinen Weg zur Unsterblichkeit Wie Wimbledon mein Wohnzimmer wurde

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Und plötzlich bin ich im Finale gegen Kevin Curren. Das Turnier über habe ich kaum Zeit gehabt, darüber nachzudenken, was da so alles mit mir passiert. Die englischen Zeitungen kann ich noch nicht so gut lesen, und die deutschen bekomme ich nicht, das verhindern Manager Ion Tiriac und Trainer Günter Bosch. Weil es viel geregnet hat und viele Spiele unterbrochen worden sind, habe ich bisher fast jeden Tag gespielt, und so bleibe ich cool – bis 30 Minuten vor dem Finale.

Ich bin zusammen mit Curren in der Kabine, und im Fernseher läuft die englische Vorberichterstat-tung, die ich mir leider anschaue.

Wer ist denn der Becker? Wo kommt er her? Was passiert, wenn er gewinnt? Und so weiter. Ich verstehe zwar nicht alles, aber plötzlich wurde ich richtig nervös.

Diese halbe Stunde zusammen mit Kevin in der Umkleidekabine ist mörderisch: alle zehn Minuten auf Toilette, im Kreis laufen, auf den Boden und an die Decke starren. Plötzlich weiß ich nicht mehr so richtig, was mit mir passiert, ich will nur noch raus auf den Platz, spielen.

Ausgerechnet Kevin Curren selbst rettet mich, denn wir betreiben natürlich auch die berühmten Psychospielchen, also Blickkontakt in den Spiegeln suchen und solche Dinge. Und irgendwann merke ich: „Der ist ja noch viel nervöser als du.“

Kevin Curren ist so aufgeregt, dass er kaum gerade aus der Kabine gehen kann. Und so beginnt er auch das Spiel, das „Aufschlagmonster“ verliert gleich sein erstes Auf-schlagsspiel. Ich bin sofort im Match, meine Befürchtung, dass er mich genauso glatt vom Platz schießt wie zuvor McEnroe und Jimmy Connors, ist weggeblasen. Ich habe meine Sicherheit zurück.

Als ich das Spiel 6:3, 7:6, 6:7 und 6:4 gewonnen habe, ist es plötzlich ganz still bei mir. Ich höre den ganzen Lärm der 16 000 Zuschauer nicht, ich schließe die Augen, recke die Arme in die Luft und fühle mich erlöst. Ich spüre wohl instinktiv, dass sich nun etwas in meinem Leben verändert.

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