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Branchenausblick Schlechte Lage, zaghafte Zuversicht: So blicken die deutschen Unternehmen auf 2020

Die Unternehmen der großen Industriebranchen verharren in der Rezession. Doch die meisten Konzerne und Verbände sind für das kommende Jahr vorsichtig optimistisch.
26.12.2019 - 08:58 Uhr Kommentieren
In der Autobranche haben zahlreiche Unternehmen einen Stellenabbau angekündigt. Quelle: picture alliance / Ingo Wagner
Autoterminal in Bremerhaven

In der Autobranche haben zahlreiche Unternehmen einen Stellenabbau angekündigt.

(Foto: picture alliance / Ingo Wagner)

Düsseldorf Gerry Weber, Loewe und Germania sind drei prominente Unternehmen, die in diesem Jahr eine Insolvenz angemeldet haben. In den vergangenen Wochen traf es weitere Firmen: den Autozulieferer MLH in St. Georgen, den Metallverarbeiter Oehmetic im Siegerland und im sauerländischen Schalksmühle den Werkzeugbauer Dawedeit mit seinen mehr als 90 Mitarbeitern.

Mehrere Hundert Angestellte bangen über die Weihnachtstage um ihren Arbeitsplatz, auch wenn der Betrieb in den drei Firmen erst einmal weiterläuft. Rund 200.000 Mitarbeiter sind deutschlandweit in diesem Jahr von insgesamt rund 19.400 Insolvenzen betroffen.

Erstmals seit einem Jahrzehnt sinkt nach Berechnungen der Wirtschaftsauskunftei Creditreform die Zahl der Unternehmensinsolvenzen nicht mehr – in der Industrie steigt sie seit mehreren Quartalen sogar kräftig an, ganz besonders im Maschinenbau.

Ursache ist die Rezession in der deutschen Industrie. Betroffen sind vor allem Maschinenbauer und Automobilzulieferer, aber auch Chemie- und Elektroindustriebetriebe. Bislang hat die immer noch boomende Bauwirtschaft eine Gesamtrezession verhindert, auch viele Dienstleistungsfirmen sind weit von einem Abschwung entfernt.

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    Doch jetzt trübt sich hier ebenfalls die Stimmung ein. Das signalisiert die aktuelle Weihnachtsumfrage des arbeitgebernahen Instituts der deutschen Wirtschaft in Köln unter 2300 Unternehmen.

    Demnach beurteilen 32 der 48 Verbände ihre wirtschaftliche Situation zur Jahreswende schlechter als vor einem Jahr, darunter die wichtigsten Branchen Automobil, Chemie, Maschinenbau und Elektroindustrie. Doch auch die vielen Firmen in lange Zeit gut laufenden Branchen wie Bau, Handwerk, Speditionen, Groß -und Außenhandel sowie Ernährungsindustrie schätzen ihre Lage schlechter ein als vor zwölf Monaten.

    Der Boden zeichnet sich ab

    „Wir sehen eine Bodenbildung, aber eine Entwarnung gibt es nicht“, warnt IW-Direktor Michael Hüther gegenüber dem Handelsblatt. Bodenbildung bedeutet, dass die Lage immer noch schlecht ist, sich die Perspektiven aber nicht immer weiter dramatisch verschlechtern – so wie es noch vor gut einem Jahr in weiten Teilen der Industrie war.

    Einerseits hat sich die Wirtschaft nach einer Phase mit ungewöhnlich hoher Auslastung wieder normalisiert. Schon allein dadurch sanken Aufträge, Umsätze und Gewinne. Darüber hinaus belastet der schwache Welthandel die vielen exportstarken deutschen Unternehmen: Die Menge der gehandelten Güter stieg im abgelaufenen Jahr nur um 1,5 Prozent.

    Das ist so wenig wie seit der Rezession vor einem Jahrzehnt nicht mehr. Gemessen am monetären Wert der gehandelten Güter errechnete der Kreditversicherer Euler Hermes sogar für das laufende Jahr ein Minus von 1,7 Prozent.

    Rutscht Deutschland also in eine neuerliche Krise wie vor einem Jahrzehnt? Damals versetzte die Insolvenz der amerikanischen Großbank Lehman die Industrie in eine Art Schockstarre. Bereits erteilte Aufträge wurden storniert, Investitionen zurückgestellt und neue Aufträge aufgeschoben. Solch ein negatives Großereignis wie die Finanzkrise und Pleite einer weltweit wichtigen Bank gibt es bislang nicht – und ist auch nicht in Sicht.

    Im Gegenteil: Aufhorchen ließ zuletzt der zum vierten Mal in Folge gestiegene Ifo-Index. Das ist Deutschlands wichtigstes Konjunkturbarometer. Bereits drei Anstiege in Folge gelten bei Konjunkturforschern als einigermaßen sicheres Indiz dafür, dass sich die Wirtschaft auch tatsächlich bessert.

    Grafik

    Demnach beurteilen rund 9000 Firmen ihre Lage zwar immer noch schlecht. Das signalisiert ein ermittelter Indexstand von 96,3 Punkten. Alle Werte unter 100 deuten nämlich auf einen Rückgang der Wirtschaft hin. Aber der jüngste Anstieg um mehr als einen Punkt ist das höchste Niveau seit einem halben Jahr.

    Auch die Erwartungen für die kommenden sechs Monate haben sich verbessert. „Die deutsche Wirtschaft geht zuversichtlicher ins neue Jahr“, urteilte deshalb Ifo-Präsident Clemens Fuest. Selbst die Industrie stuft ihre Geschäftslage wieder etwas besser ein.

    Diesen vorsichtig positiven Trend bestätigt jetzt auch das detailreiche IW-Branchenbarometer. Mit Blick auf 2020 dominieren die zuversichtlichen Verbände die eher pessimistischen Unternehmensvertreter: 19 der befragten 48 Verbände gehen davon aus, dass es im kommenden Jahr zu einer etwas höheren Wirtschaftsleistung kommt, darunter sind die Firmen in der Metallindustrie, die forschenden Pharmaunternehmen, die Bauindustrie, das Handwerk, der Einzelhandel und die Informationswirtschaft einschließlich der Zeitschriftenverlage.

    Demgegenüber erwarten nur zwölf Verbände eine etwas niedrigere Produktion: darunter allerdings immer noch der für die Gesamtwirtschaft so wichtige Maschinenbau mit seinen 1,1 Millionen Beschäftigten. Hier ist unverändert keine Trendwende zum Besseren in Sicht. Nach einem zweiprozentigen Produktionsrückgang im abgelaufenen Jahr rechnet die deutsche Schlüsselbranche auch im Jahr 2020 mit einem neuerlichen Minus von zwei Prozent.

    Autobranche baut viele Stellen ab
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