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Bremsen-Spezialist Linde-Manager Eulitz wird neuer Chef von Knorr-Bremse

Nach langer Suche bekommt der Münchener Technologiekonzern einen neuen CEO. An der Spitze des Bremsen-Spezialisten folgt Bernd Eulitz auf Klaus Deller.
18.09.2019 Update: 18.09.2019 - 18:00 Uhr Kommentieren
Linde-Manager Bernd Eulitz wird neuer Chef von Knorr-Bremse Quelle: ddp images/Sven Simon
Bernd Eulitz

Der Manager übernimmt den Vorstandsvorsitz bei Knorr-Bremse.

(Foto: ddp images/Sven Simon)

München Es war ein Paukenschlag Ende April. Kaum an der Börse, verlor Knorr-Bremse bei voller Fahrt seinen Vorstandsvorsitzenden Klaus Deller. „Grund für das Ausscheiden von Herrn Deller sind unterschiedliche Auffassungen von Führung und Zusammenarbeit“, teilte das Unternehmen seinen Anteilseignern mit. Aufsichtsratschef Klaus Mangold und Mehrheitsaktionär Heinz Hermann Thiele machten sich auf die Suche nach einem Nachfolger.

Der ist jetzt gefunden. Bernd Eulitz heißt der neue starke Mann im Knorr-Vorstand, der den globalen Zulieferkonzern ab November führen soll. Der 53-Jährige zeichne sich durch „internationale und industrielle Expertise“ für den Vorstandsvorsitz aus, lobt Chefkontrolleur Mangold den Neuzugang.

Als Vorstandsmitglied der Linde AG habe Eulitz in den letzten fünf Jahren maßgeblich die Entwicklung des Unternehmens geprägt und mit „Weitsicht, Führungsstärke und Teamgeist“ das Geschäft international stark ausgebaut. „Ich bin überzeugt, dass Herr Eulitz das Unternehmen gemeinsam mit dem bestehenden Vorstandsteam von Knorr-Bremse und mit strategischem Weitblick durch die dynamischen Märkte führen wird“, so Mangold.

Und auch Eulitz freut sich auf die Zusammenarbeit. „Das Unternehmen ist sehr erfolgreich und genießt einen hervorragenden Ruf“, sagt der designierte Knorr-Chef. Der Zulieferer habe sich trotz des Börsengangs seinen Kern als Familienunternehmen bewahrt. „Diese Kombination aus Kapitalmarktorientierung und unternehmerischem Selbstverständnis ist sehr attraktiv und birgt viel Potenzial für die künftige Entwicklung.“

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    Tatsächlich gehört der Chefsessel bei Knorr-Bremse zu den anspruchsvolleren Aufgaben der deutschen Industrie. Der Konzern mit seinen weltweit 28.000 Beschäftigten erwirtschaftet 6,6 Milliarden Euro Umsatz und ist seit dem Börsengang vor knapp einem Jahr ein Schwergewicht im MDax.

    Der Erfolg ist vor allem das Lebenswerk von Heinz Hermann Thiele, der das Unternehmen jahrzehntelang führte und nun als Mehrheitsaktionär und Ehrenvorsitzender des Aufsichtsrats immer noch im Hintergrund wirkt. An seine Nachfolger an der Unternehmensspitze stellt Thiele hohe Ansprüche.

    Zwei Unternehmen in einem

    Mit Zugbremsen und Klimaanlagen sind die Münchener bei Schnellzügen und U-Bahnen Weltmarktführer. Auch im Lastwagengeschäft kommen die Hersteller an den Bremssystemen von Knorr kaum vorbei. Doch die starke Stellung der beiden Geschäftsbereiche macht die Führung des Unternehmens schwer.

    Deller, der einst von Bosch zu Knorr wechselte, war geschäftlich zwar sehr erfolgreich, geriet mit seinen mächtigen Spartenchefs aber immer öfter in Konflikt. Zu sehr wollte er im Tagesgeschäft mitreden. Im Frühjahr war der Bruch mit Peter Laier (Laster) und auch Jürgen Wilder (Zug) nicht mehr zu kitten. Deller verlor nun auch den Rückhalt von Thiele. Am Ende stand er allein, und der Aufsichtsrat setzte ihn einstimmig vor die Tür.

    Eulitz wird wohl kaum über Details diskutieren, schließlich ist er branchenfremd. Der Verfahrenstechniker hat als Vorstandsmitglied das Gasegeschäft bei Linde geleitet, mit Zuständigkeiten für Europa und Asien; zuletzt verantwortete er die Aktivitäten in Amerika.

    Seit der Fusion von Linde mit dem US-Konkurrenten Praxair ist der Konzern aber nicht mehr so attraktiv für deutsche Manager. Das neue Kraftzentrum des Unternehmens ist nicht mehr die Linde-Zentrale in München, sondern das Praxair-Hauptquartier in Connecticut.

    Dass Eulitz weder aus dem Lastwagen- noch aus dem Zuggeschäft kommt, sieht Chefkontrolleur Mangold als große Chance. Neben der weiteren Globalisierung des Geschäfts liege die Zukunft von Knorr vor allem in der Digitalisierung und dem autonomen Fahren, sagte Mangold am Mittwoch dem Handelsblatt. Diese Zukunftsthemen beträfen beide Sparten und sollten strategisch vom neuen CEO angegangenen werden.

    Eine große Aufgabe. Denn trotz aller Erfolge der Vergangenheit ist die Position von Knorr keineswegs gesichert. Neben der wackeligen Konjunktur warten strategische Herausforderungen. Mit dem Aufkommen der Elektromobilität und dem autonomen Fahren verschiebt sich die Tektonik in der Branche.

    Knorrs lukrative Nische im Bremsengeschäft hat längst Begehrlichkeiten geweckt. ZF, mit 37 Milliarden Euro Umsatz mehr als fünfmal so groß wie Knorr, sucht seit Längerem den Einstieg in den Bereich. 2016 wollte der Stiftungskonzern den schwedischen Lkw-Bremsenhersteller Haldex übernehmen. Haldex hätte mit der Vertriebs- und Finanzkraft von ZF an der Seite Marktanteile vor allem auf Kosten von Knorr gewinnen können.

    Zwar überbot Ex-Vorstandschef Deller mit Thieles Einverständnis ZF, doch Knorr konnte mit Haldex wegen hoher Kartellauflagen nichts anfangen und musste die Übernahme abblasen. ZF-Chef Wolf-Henning Scheider hat mit Wabco nun aber die Nummer zwei auf dem Bremsenmarkt übernommen – dieses Mal konnte Knorr die ZF-Pläne nicht durchkreuzen. Schon im kommenden Jahr können die beiden Konkurrenten Knorr dann gemeinsam Konkurrenz machen.

    Mehr: Knorr-Bremse verbucht beim Umsatz das beste Halbjahr der Firmengeschichte. Trotz voller Auftragsbücher verstärkt Knorr-Bremse aber die Kostenkontrolle.

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