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CFO des Monats Dirk Schmelzer ist der analytische Stratege bei Scout24

Als sich Hedgefonds auf den Marktplatzbetreiber Scout24 stürzten, bewahrte Dirk Schmelzer einen kühlen Kopf. Nun kann er 2,9 Milliarden Euro verteilen.
02.02.2020 - 18:15 Uhr Kommentieren
Mit Käufen und Verkäufen von Firmen kennt sich der 52-Jährige aus. Quelle: Scout 24
Dirk Schmelzer

Mit Käufen und Verkäufen von Firmen kennt sich der 52-Jährige aus.

(Foto: Scout 24)

München Wenn es vertraulich wird, ziehen Dirk Schmelzer und Tobias Hartmann den Vorhang zum Rest des Großraumbüros zu. Feste Plätze gibt es beim MDax-Unternehmen Scout24 aus München selbst für die Chefs nicht; dennoch sitzen sich der Finanz- und der Vorstandschef meist schräg gegenüber.

In den vergangenen Monaten mussten sie ständigen Blickkontakt halten und in Rufweite bleiben. Unter massivem Druck sind sie dabei zu Sparringspartnern geworden – ob hinter dem Vorhang oder davor.

Auf Scout24, einen der größten deutschen Anbieter für Onlinemarktplätze, hatten 2019 mehrere Hedgefonds einen Blick geworfen – mit unterschiedlichen Interessen. Die einen suchten den kurzfristigen Gewinn, die anderen wollten langfristig profitieren. Mit Elliott stieg ein aktivistischer US-Investor ein, der das Management öffentlich diffamierte, um es zum Verkauf der Fahrzeugvermittlungstochter Autoscout24 zu drängen.

In dieser aufgeheizten Gemengelage musste ein Mann einen kühlen Kopf behalten und den klaren Blick auf die Zahlen: Finanzchef Schmelzer. Das war eine völlig neue Herausforderung für den CFO, der erst im Juni bei Scout24 angefangen hatte.

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    Ende 2019 haben die Münchener die Tochter Autoscout24 dann tatsächlich verkauft – und damit die zweite wichtige Ertragssäule neben dem Immobilienportal Immoscout24. Hat sich der Deal gelohnt? Klar ist: Ohne den Einfluss der neuen Investoren wäre es womöglich nicht zum Verkauf gekommen.

    Doch trotz der angespannten Lage hat Scout24 mit dem Käufer Hellman & Friedman einen Preis ausgehandelt, der die Erwartungen übertroffen hat: 2,9 Milliarden Euro. Kritik am Verkauf gab es danach nicht mehr. Ein Erfolg, für den auch der CFO verantwortlich ist.

    Schmelzer ist ein Manager, der anspruchsvolle Situationen sucht. Er habe sich genau überlegt, worauf er sich beim Wechsel zu Scout24 einlässt: „Oft hat man mit Aktivisten ein Prinzipal-Agent-Problem: Der Aktivist ist der Prinzipal, und wir als Vorstand wollen etwas anderes als der Prinzipal“, sagt Schmelzer. Doch er stellt klar: „Das war bei uns zu keinem Zeitpunkt so.“

    CEO Tobias Hartmann, den Schmelzer nur „Tobi“ nennt, habe sich von vornherein die Synergien seiner Firmensegmente angesehen. Seien sie im Einzelfall gering, könne ein Verkauf die bessere Wahl sein. Darum sei es auch den Aktivisten gegangen.

    Frühere Kollegen loben den promovierten Volkswirt Schmelzer für seinen klaren Blick. Er sei „ein schlauer Typ“, „ein Stratege“, „ein Spieltheoretiker“, sagen Menschen, die als CEO und Aufsichtsrat mit ihm zusammengearbeitet haben. Schmelzer sei einer, der Transformationsprozesse mit einer gewissen Leichtigkeit angehe und auch jüngeren Kollegen vermittele, dass die Dinge machbar sind, sagt etwa Johannes Pruchnow.

    Er hat als CEO von Telefónica Deutschland mit Schmelzer zusammengearbeitet, als der noch am Beginn seiner CFO-Karriere stand. Pruchnow erinnert sich an einen Finanzchef, der sich nicht nur im Klein-Klein der Zahlen auskannte, sondern auch mit Überlegungen zum Marktumfeld überrascht habe.

    2019 sei die Alternative, Autoscout24 im Portfolio zu behalten, zu jedem Zeitpunkt eine glaubhafte Strategie gewesen, behauptet Schmelzer. Kann das stimmen, wenn ein Aktivist dem Management die Kompetenz abspricht und über die Presse den Verkauf fordert?

    Wenn Schmelzer es sagt, dann offenbar schon, bestätigt Jens Große-Allermann, Vorstand der Bonner Fondsgesellschaft TGV. Schmelzer lasse sich nicht treiben, sondern höre die Interessen aller Beteiligten an: „Ich glaube, sie hatten die Wahl“, sagt er mit Blick auf die Gespräche zur Zukunft von Autoscout24.

    Schmelzer stammt aus dem Ruhrgebiets-Mittelstand. Seine Familie hat Schuhe verkauft – vielleicht hat er so gelernt, dass nur passgenaue Produkte einen Abnehmer finden. Vertraute erklären seine aufrichtige und bodenständige Art mit seiner Ruhrgebietsherkunft. Bei ihm wüssten Investoren, Analysten, Aufsichtsräte, Kollegen und Mitarbeiter, woran sie sind.

    Stefan Winners, Aufsichtsratschef beim Urlaubsportal Holidaycheck, ehemals Tomorrow Focus, beschreibt Schmelzer als „offen, ehrlich, direkt“, als einen, bei dem „Leistung vor Ego“ zähle. Mit Schmelzer könne man privat auch einen Wein trinken gehen.

    Kollegen berichten, dass der CFO selbst in angespannten Situationen locker und gut gelaunt bleibt. Dabei gibt er zu, dass die öffentliche Kritik ihn berührt hat. Davon müsse man im Job jedoch abstrahieren. „Wenn wir uns von Elliott hätten unter Druck setzen lassen, hätte das ein ganz klares Signal an die Käufer gesendet: Da ist ein Vorstand, der hat einen Verkaufsdruck“, sagt Schmelzer. „Und wenn ich einen Verkaufsdruck habe, dann sinkt der Preis.“

    Mit Käufen und Verkäufen von Firmen kennt sich der 52-Jährige aus. Die Fusionen und Aufspaltungen in seinem Berufsleben lassen sich kaum zählen, seit er 2006 seine erste CFO-Stelle angetreten hat. Bei Telefónica Deutschland verantwortete Schmelzer ab 2009 unter anderem die Integration von Hansenet. Die Station bei dem Hamburger Telekomanbieter bleibt seine einzige außerhalb Münchens.

    In seinen ersten drei Jahren als Tomorrow-Focus-Finanzchef betreut er ab 2011 den Kauf von vier Unternehmen. Später werden alle Beteiligungen mit Ausnahme des Reisegeschäfts und der Wetterportale wieder abgegeben, darunter die Ärztebewertungsplattform Jameda und das Datingportal Elitepartner. Unter dem Namen Holidaycheck konzentriert man sich nun auf Reisebuchungen und Hotelbewertungen.

    Schmelzer bevorzugt klare Strukturen

    Ein Muster zieht sich durch seine Laufbahn: Wo Schmelzer hinkommt, wird die Unternehmensstruktur klarer. Schmelzer sagt: „Fokussier dich auf die Dinge, die du gut beherrschst, und die machst du dann richtig gut.“

    Bevor Schmelzer zu Scout24 kommt, leitet er bei Pro Sieben Sat 1 ab 2017 als CFO den Bereich Digital Ventures & Commerce und ist als Finanzchef der Nucom-Gruppe tätig, in der der Konzern Onlineshops wie Verivox, Parship und Amorelie bündelt.

    Bei Scout24 verschaffte sich Dirk Schmelzer auch mit klaren Arbeitsaufträgen an die Mitarbeiter nach seinem Einstieg im Eiltempo einen Überblick. Nach wenigen Monaten im Amt stellte er Pläne vor, wie sich innerhalb der nächsten zwei Jahre jeweils 20 Millionen Euro einsparen ließen. „Wenn du etwas tust, hab die Ambition, es mindestens so gut zu tun wie der Beste im Markt – oder besser“, sagt er.

    Spielt die abgestoßene Tochter Autoscout24 in Schmelzers Zahlenwerk heute noch eine Rolle? Zuletzt hatte sie zweistellige Wachstumsraten, ihre Bewertung stieg rasant. Gut möglich ist also, dass der verhandelte Deal schon bald zu billig aussehen wird.

    Hat Schmelzer die Autotochter zu günstig verkauft? „Man macht einen Verkaufsprozess nicht vor dem Hintergrund der Vergangenheit, sondern der Zukunft“, sagt er. Und die sieht im Autogeschäft weniger rosig aus als in anderen Sparten.

    Schmelzer gibt ein Beispiel: Seine Familie teile sich in München ein Auto und sei damit keine Ausnahme. Er fahre mit dem Rad ins Büro und nutze Carsharing, wenn er einen größeren Wagen brauche. Der Verkauf von Autos allein reiche in fünf Jahren als Geschäftsmodell womöglich nicht mehr. „Da wäre ein großer Batzen an Investitionen auf uns zugekommen.“

    Am Ende wird es CEO Hartmann gewesen sein, der die Entscheidung zum Verkauf getroffen hat. Schmelzer ist kein Mensch für Bauchentscheidungen, sagen Vertraute.

    Bevor sich der Vater zweier erwachsener Kinder nun der „Riesenverantwortung“ stellt, die 2,9 Milliarden aus dem Verkaufsdeal einzuplanen, hat er mit seiner Frau Urlaub in Israel gemacht, um in die Kultur einzutauchen und sich zu erholen. In Tel Aviv haben sie eine App ausprobiert, über die Einheimische Touristen zum Sabbat-Essen einladen.

    Schmelzer, der sich als „neugierig, aber bedacht“ beschreibt, fand das super. Auch er würde Touristen zu sich einladen, um ihnen München näherzubringen, sagt der Finanzchef, – wenn ein Portal dazwischengeschaltet ist.

    Mehr: Elliott – der Fonds des Investors Paul E. Singer halbiert nahezu seinen Anteil an Scout24. Die Aktien steigen auf Rekordhoch.

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