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CFO des Monats Lorenz Näger ist auf ständiger Suche nach Sparpotenzial

Der Finanzchef von Heidelberg Cement macht weiter, wenn sein CEO Bernd Scheifele Ende des Monats geht. Mit ihm bleibt der Garant für das straffe Kostenmanagement.
05.01.2020 - 17:43 Uhr Kommentieren
„Die Anfangsphase bei Heidelberg Cement war die schwierigste Phase in meinem Berufsleben“, sagt der CFO von Heidelberg Cement. Quelle: HeidelbergCement AG
Lorenz Näger

„Die Anfangsphase bei Heidelberg Cement war die schwierigste Phase in meinem Berufsleben“, sagt der CFO von Heidelberg Cement.

(Foto: HeidelbergCement AG)

Stuttgart, Frankfurt Von Ende Januar an muss Lorenz Näger erstmals seit 15 Jahren an der Spitze von Heidelberg Cement ohne CEO Bernd Scheifele auskommen. Der Wechsel von seinem langjährigen Weggefährten zu Dominik von Achten ist im Unternehmen lange geplant. Und ebenso lange ist klar, dass Finanzchef Näger noch gut zwei Jahre weitermacht.

Als Aufpasser für den 54-jährigen neuen Heidelberg-Cement-Chef sieht sich Näger keinesfalls. Er sei ja schon über zwölf Jahre im Vorstand und unter anderem für die Integration der beiden großen Zukäufe Hanson und Italcementi, verantwortlich gewesen, so der CFO. Er selbst sieht sich eher als Sparringspartner auch im Hinblick darauf, wie sich mögliche große Entscheidungen auf die Kapitalstruktur und den Kapitalmarkt auswirken.

„Ich stehe für die Kontinuität des Zahlenwerks.“ Deshalb sei es „geboten und sinnvoll“, nicht gleichzeitig mit Scheifele zu gehen. Näger und Scheifele sind gemeinsam für ihren Mentor Adolf Merckle durch dick und dünn gegangen. Beide kennen sich seit 28 Jahren. Der gebürtige Ravensburger arbeitete damals für Schulze Pharmahandel als Business-Analyst, und Bernd Scheifele war in der Kanzlei Gleiss Lutz als Berater von Adolf Merckle tätig. „Wir entwickelten schnell einen gegenseitigen Respekt“, erinnert sich der in Mannheim promovierte Betriebswirt und Steuerberater.

Der Unternehmer Merckle baute damals gerade seinen Pharmahandel auf. Merckle hielt viel von Scheifele und vertraute 1994 dem damals 36-Jährigen den Chefposten von Phoenix an und damit die Aufgabe, vier Unternehmen mit vier verschiedenen Kulturen und IT-Systemen zu integrieren. Näger leitete damals die Steuerabteilung.

1999 berief Merckle auch ihn in den Vorstand der Phoenix. Scheifele wurde neben seinem Job bei Phoenix 2004 Aufsichtsratschef von Heidelberg Cement. Und Näger sollte ab Herbst 2004 die Finanzen des trägen Baustoffkonzerns auf Vordermann bringen, bei dem Merckle Großaktionär war.

Näger verändert den Fokus

„Für mich persönlich war die Anfangsphase bei Heidelberg Cement die schwierigste Phase in meinem Berufsleben, schwieriger als die Finanzkrise“, sagt Näger im Gespräch mit dem Handelsblatt. Das Unternehmen hatte eine völlig andere Kultur als Phoenix. Anders als es Näger gewohnt war, standen beim Baustoffkonzern Abläufe und Effizienz nicht im Vordergrund.

„Für einen Externen, der praktisch niemand kannte, war es da schwierig, etwas zu ändern. Nach drei Monaten war mir klar, dass sich das Unternehmen so nicht modernisieren lässt“, erinnert sich Näger und ging bei Aufsichtsratschef Scheifele in die Offensive. Der bisherige Heidelberg-Cement-Chef Hans Bauer musste daraufhin vorzeitig gehen. Scheifele übernahm den Posten selbst, und das Gespann von Phoenix war wieder operativ vereint.

Ein Kostensenkungsprogramm folgte auf das nächste. Näger war dabei immer auf der Suche nach Sparpotenzial, nicht betriebsnotwendigem Vermögen und Verkaufsoptionen von Randaktivitäten. Gemeinsam stemmten sie die Milliardenübernahme von Hanson 2007. Ein wichtiger Expansionsschritt, aber die Finanzkrise machte einen Strich durch die Rechnung. Auch Großaktionär Merckle geriet in deren Sog.

Heidelberg Cement saß auf einem Schuldenberg von mehr als zehn Milliarden Euro. Die Banken wurden nervös. Am Tisch saßen 62 Institute, die einer Umschuldung zustimmen sollten. „Von denen hatten viele kein Interesse an einer Geschäftsbeziehung, und einige spekulierten mit Derivaten auf den Kreditausfall von Heidelberg Cement“, erinnert sich Näger. Aber das Kunststück gelang dennoch.

Nägers Anteil am Erfolg der Refinanzierung bezeichnete Scheifele einmal als „absolutes Meisterstück“. Heidelberg Cement kaufte sich damit Zeit, schaffte 2009 eine Kapitalerhöhung, senkte dadurch die Verschuldung, und ein Jahr später gelang sogar der Aufstieg in den Dax. Innerhalb eines Jahres nach dem Suizid von Adolf Merckle im Januar 2009 stand Heidelberg Cement wieder stabil da.

Solides Standing

Warum Näger die Finanzkrise im Nachhinein nicht so schlimm wie seine Anfänge im Unternehmen fand, erklärt er in wenigen Sätzen. „Bei der Finanzkrise kamen wir aus einer stabilen Situation. Wir waren voll in der Vorwärtsbewegung mit einem funktionierenden starken Team, auf das ich mich verlassen konnte, und Bernd Scheifele an der Spitze. Mit so einer Hausmacht und Geschlossenheit kann man auch in schwierigsten Situationen bestehen.“

Bei Analysten genießt Näger seither ein solides Standing als kompetenter und ausgesprochen zahlenfixierter Finanzexperte mit angeborener schwäbischer Sparsamkeit. Die routinierte Art, mit der Näger auf Analystenkonferenzen das Zahlenwerk präsentiert, kommt gut an. Den Finanzchef sehen sie insofern auch als gutes Pendant zum etwas emotionaleren und bissigeren CEO des Konzerns.

„Die beiden haben über die Jahre sicherlich einen ordentlichen Job gemacht, auch wenn man an der ein oder anderen Stelle vielleicht mal etwas zu viel versprochen hatte“, so Branchenexperte Marc Gabriel vom Bankhaus Lampe. Die Rolle des nüchternen Finanzers scheint genau zu passen. „Erfolge eines Finanzvorstands kommen auf leisen Pfoten“, sagt Näger. Maßnahmen zur Ertragssteigerung brauchten meist Zeit.

Erst sehe man in den Zahlen keine Bewegung, und dann komme sie doch. „Das sind die kleinen Siege, die viel zählen und mich freuen“, sagt Näger, wenn der Cashflow dann nach sechs Monaten wieder dort sei, wo er ihn haben will. Die Rolle des Finanzchefs bei Heidelberg Cement wird dabei in den nächsten Jahren nicht einfacher, und das hat nicht nur mit dem bevorstehenden Chefwechsel zu tun. Denn auch die Herausforderungen im Geschäft wandeln sich.

Standen in den vergangenen Jahren vor allem die Refinanzierung nach der Finanzkrise und große Übernahmen im Vordergrund, wird in Zukunft die CO2-Problematik immer wichtiger. Für die Zementbranche als einen der größten Emittenten des Klimagases dürften die CO2-Abgaben zu höheren Kosten führen.

„Ein Unternehmen kann sich heute nicht mehr leisten, ausschließlich auf Gewinne zu schauen, sondern muss auch einen erkennbaren Nutzenbeitrag für die Gesellschaft leisten“, sagt Näger dazu. Die zweite Herausforderung ergibt sich aus der Frage nach weiterem Wachstum angesichts eher saturierter Zementmärkte.

Wenn er in zwei Jahren aufhört, freut sich der verheiratete Vater zweier erwachsener Töchter, „dann nicht mehr in einem so stark strukturierten Zeitrahmen arbeiten zu müssen und Dinge mal auf sich zukommen lassen zu können“. Auf Dauer dürfte er sich aber dem ein oder anderen Aufsichtsmandat nicht entziehen.

Mehr: Negative Währungseffekte und steigende Rohstoffkosten drücken die Margen, doch 2019 könnte es für den Zement-Konzern wieder besser aussehen.

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