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CFO des Monats Mark Frese gelingen bei Hapag-Lloyd wichtige Aufräumarbeiten

Vor einem Jahr heuerte der langjährige Metro-Finanzexperte bei Deutschlands größter Reederei an. In der Coronakrise machte er den SDax-Konzern wetterfest.
05.12.2020 - 12:27 Uhr Kommentieren
Auf die Rolle des Sparkommissars will sich Frese nicht beschränken Quelle: EduardN F i e g e l
Hapag-Lloyd CFO Mark Frese

Auf die Rolle des Sparkommissars will sich Frese nicht beschränken

(Foto: EduardN F i e g e l)

Düsseldorf Mark Frese ist ein Familienmensch, Vater von vier Kindern. Vor genau einem Jahr heuerte er bei der Hamburger Containerreederei Hapag-Lloyd an, um dort ab März 2020 als Vorstand die Finanzen zu managen. Einen zweiten Wohnsitz in der Heimat behielt der 56-Jährige trotz des attraktiven Firmenstandorts an der Alster – dem Nachwuchs zuliebe.

Seit Frese den neuen Vorstandsjob in Hamburg angetreten hat, versteckt er seinen Familiensinn allerdings auch schon einmal hinter markigen Worten. „Cash is more important than your mother“, trichterte der neue Hapag-CFO im Angesicht der Coronakrise seiner Mannschaft ein. Liquidität kommt eben doch vor Mutterliebe - ein drastisches Bild.

„Wir werden unsere Kosten 2020 um etwa eine halbe Milliarde Dollar reduziert haben“, kann er nun zum Jahresende berichten. Dazu habe die Reederei nicht weniger als 1700 einzelne Bausteine entwickelt. „Hapag-Lloyd steuert 2020 auf einen Rekord-Cashflow zu“, erwartet der Finanzchef. „Seit Mitte 2017 sank unsere Nettoverschuldung vor IFRS 16 um etwa drei Milliarden Dollar.“ Ein erstaunlicher Erfolg im Coronajahr.

Frese gilt trotz seiner markigen Worte als besonnen – und das auch im rauen Fahrwasser. 1994, nach abgeschlossenem Wirtschaftsstudium, kurzen Aufenthalten als Finanzredakteur beim Handelsblatt und als Analyst bei der Privatbank Finck & Co, wird er Assistent bei einem der meistgefürchteten Vorstandsvorsitzenden der deutschen Wirtschaft: Wolfgang Urban. Letzterer, Chef der börsennotierten Kaufhof-Holding, bewarf damals auch schon einmal Mitarbeiter treffsicher mit Aktenordnern, um mit Nachdruck darauf hinzuweisen, dass ein Prozess seiner Ansicht nach nicht schnell genug voranschreite.

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    Doch ausgerechnet beim Chef der Kaufhof-Holding lernte Frese wichtige Teile seines späteren Handwerks: So lässt Urban 1996 den Kölner Warenhauskonzern mit Asko und Media-Saturn zur Metro AG verschmelzen, die umgehend mit Urban als Co-Vorstandssprecher in den Dax aufsteigt. Frese ist nicht nur am Merger beteiligt. Als Verantwortlicher für die Minderheitsbeteiligungen der Kaufhof-Holding kümmert er sich, ohne es zu ahnen, auch schon um seinen späteren Arbeitgeber Hapag-Lloyd. An ihm hält Kaufhof bis 1997, als Preussag die Reederei übernimmt, 15 Prozent der Anteile.

    Der Aufstieg bei der Metro verläuft für den Dortmunder dann durchaus zäh. Zunächst Warenhauschef beim Kaufhof in Bonn, übernimmt Frese 1999 die Leitung einer Warenhaus-Vertriebstochter im Internet. 2009 wird er verantwortlich für das Metro-Controlling, ein Jahr darauf Finanzchef von Metro Cash & Carry – bis ihn Metro-Vorstandschef Olaf Koch Anfang 2012 zum Konzern-Finanzvorstand befördert.

    Dort steigt Frese 2015 auf zum Spitzenverdiener unter den Finanzchefs im MDax. Für den Verkauf der Galeria-Kaufhof-Gruppe an den kanadischen Handelskonzern Hudson’s Bay kassiert er eine Prämie über 1,5 Millionen Euro, was ihm nach Berechnungen der Unternehmensberatung HKP ein Jahreseinkommen von 3,7 Millionen Euro beschert.

    Die Bonität der Reederei wurde nach oben gestuft

    2018 folgt ein Karriereknick. Im Jahr zuvor hatte Frese die Abspaltung der Media-Saturn-Mutter Ceconomy aus dem Metro-Konzern eingefädelt, stieg selbst zum Finanzvorstand auf. Doch die erhoffte Kursrally bleibt aus. Nach zwei Gewinnwarnungen innerhalb weniger Wochen drängt der Aufsichtsrat um Jürgen Fitschen Ceconomy-CEO Pieter Haas aus dem Unternehmen. Auch CFO Frese muss gehen.

    Wenige Monate später lotst ihn ein Headhunter nach Hamburg zu Hapag-Lloyd. Aber auch dort ist die Stimmung im Vorstand zunächst angespannt. Der scheidende Reederei-Finanzchef Nicolás Burr, so jedenfalls berichtet es das „Manager Magazin“, hat durch Großspurigkeit und Eigenmächtigkeit das Klima vergiftet. Den Chilenen hatte Großaktionär CSAV Anfang 2015 in den Vorstand bugsiert, um nach der Fusion der eigenen Reederei mit Hapag-Lloyd den operativen Einfluss der Südamerikaner zu sichern.

    Auf diese Einflussnahme verzichtet CSAV nun. Doch Burr hinterlässt seinem Nachfolger neben großen Fußstapfen auch einen eingeschränkten Handlungsspielraum. Über den Börsengang von Hapag-Lloyd hatte er 2015 knapp 300 Millionen Dollar an frischem Kapital eingesammelt, wenig später die Fusion mit dem arabischen Wettbewerber UASC eingefädelt, die Hapag-Lloyd im Klub der fünf größten Containerreedereien der Welt hielt.

    „Strategisch und durch die moderne Flotte hat sich die Übernahme ausgezahlt“, lobt Frese das Werk seines Vorgängers, mit dem er nach eigenen Worten immer noch in Kontakt steht. Doch sie belastete Hapag-Lloyd mit enormen Schulden. 2017 überstiegen sie das Sechsfache des Jahresertrags vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) – ein bedenklicher Wert gerade in der krisengeschüttelten Seefahrt.

    Entsprechend groß sind für den Nachfolger nun die Aufräumarbeiten – und das mitten in der Coronakrise. So ließ Frese schwach ausgelastete Schiffe an die Kette legen, Charterverträge zurückgeben oder zu gesenkten Raten über den vereinbarten Kündigungstermin hinaus verlängern. Mit einem unmittelbaren Einstellungsstopp verhinderte er, dass nach Ausbruch der Corona-Pandemie krisenbedingt Stellen gestrichen werden mussten. Selbst einen Antrag auf Staatshilfe bereitete er sicherheitshalber vor, den er später in der Schublage liegen ließ.

    Im Aufsichtsrat honoriert man sein Können. „Für mich ist Mark Frese eine wirkliche Bereicherung im Vorstand von Hapag-Lloyd, da er mit profunder Sachkenntnis an schwierige Finanzierungs- und Bilanzierungsfragen herangehen kann“, sagt Karl Gernandt, der für Großaktionär Klaus-Michael Kühne im Kontrollgremium sitzt. „Mich hat die Empfehlung eines hochrangigen Bankers im Auswahlverfahren damals nicht nur geleitet“, erzählt Gernandt, „sondern sie hat sich nach einem Jahr auch hervorragend bestätigt.“

    Ratingagenturen reagieren bereits

    Auf die Rolle des Sparkommissars will sich Frese allerdings nicht beschränken lassen. „Wir werden regionale Schwerpunkte weiterentwickeln“, verspricht er, „etwa in Afrika.“ Auch die Modernisierung der Flotte, die nach der Übernahme der UASC-Reederei und ihrer Mega-Schiffe einige Zeit ruhte, soll unter seiner Ägide fortgesetzt werden. „Gespart wird aber immer dort, wo Speck angesetzt wurde“, warnt der Westfale.

    In der Finanzszene kommt so etwas gut an. „Er wirkt umgänglich und kompetent“, berichtet William Fitzalan Howard, Analyst der Privatbank Berenberg, über Gespräche mit dem neuen Hapag-Finanzchef. Viel mehr könne man allerdings noch nicht über ihn sagen, da Frese erst kurz im Amt sei.

    In seiner kurzen Amtszeit gelang es Frese immerhin, die Ratingagenturen Moody‘s und S&P zu überzeugen, die Bonität der Reederei nach oben zu stufen – mit einem deutlichen Hinweis auf die tragende Rolle der Reederei in der Coronakrise. „Unser Ziel ist es nun, mittelfristig in Richtung Investmentgrade-Rating zu gelangen“, formuliert Frese das nächste Ziel.

    Mit diplomatischem Geschick geht Frese nicht nur im Geschäftsleben um. So gesteht der BVB-Fan, dass er das Thema Fußball gegenüber Hauptaktionär Klaus-Michael Kühne noch nicht angesprochen habe. Über den HSV-Sponsor sagt er lediglich: „Ich bewundere die Ausdauer.“

    Mehr: Hapag-Lloyd ist profitabelster Container-Carrier der Welt - per radikal verordneter Strategie.

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