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CFO des Monats Wirecards Finanzchef Alexander von Knoop steht als Aufklärer unter maximalem Druck

Vor gut einem Jahr hat von Knoop beim Dax-Konzern die Finanzen übernommen. Die Aufklärung der Vorfälle in Singapur ist die bisher schwerste Aufgabe.
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Der Finanzvorstand ist ebenso für die Compliance-Abteilung zuständig. Quelle: picture alliance/dpa
Alexander von Knoop

Der Finanzvorstand ist ebenso für die Compliance-Abteilung zuständig.

(Foto: picture alliance/dpa)

AschheimWas es bedeutet, beruflich unter maximalem Druck zu stehen, bekam Alexander von Knoop in den vergangenen Wochen mit Wucht zu spüren. Seitdem Ende Januar die ersten Vorwürfe aufkamen, dass es bei Wirecard in Asien zu Unregelmäßigkeiten gekommen sein könnte und der Verdacht von Betrug, Geldwäsche und Kontenmanipulation im Raum stand, ist der 46-Jährige im Dauereinsatz.

Arbeitstage mit zwölf bis 16 Stunden sind die Regel, freie Wochenenden seither die Ausnahme und an Urlaub ist erst gar nicht zu denken. Kam doch in der ohnehin schon sehr arbeitsreichen Zeit im ersten Quartal – hier kümmert sich der Finanzchef in erster Linie um die Bilanz – ein bis dato einzigartiger Fall für einen Dax-Konzern hinzu. Der führt seit mittlerweile zwei Monaten zu extremen Ausschlägen bei der Aktie.

In der vergangenen Woche war das sogar an zwei Tagen der Fall. Am Dienstagnachmittag war die Wirecard-Aktie um bis zu 30 Prozent nach oben geschnellt. Der Grund: Das Unternehmen hatte zu diesem Zeitpunkt den lange erwarteten Abschlussbericht der Anwaltskanzlei Rajah & Tann aus Singapur präsentiert. Sie wurde von Wirecard zur externen Aufarbeitung ernster Vorfälle in der Niederlassung in Singapur beauftragt, die gut ein Jahr zurückliegen.

Der Mann mit besonderer Verantwortung ist dabei Alexander von Knoop. Der stets korrekt gekleidete Topmanager mit den streng zurückgekämmten Haaren ist in seiner Funktion als Finanzvorstand ebenso für die Compliance-Abteilung verantwortlich. Zu ihr gehört auch der Bereich Corporate Governance – der darüber wacht, dass die Regeln guter Unternehmensführung eingehalten werden.

Also ist der Mann der Zahlen auch der oberste Aufpasser bei dem Dax-Neuling. Eine Aufgabe, mit der er zuletzt den Großteil seiner Arbeitszeit verbrachte.

Zumindest einen Teilsieg hat er in der vergangenen Woche immerhin errungen. Nachdem vor rund einem Jahr die ersten Vorwürfe um Betrug, Kontomanipulation und Geldwäsche in der Niederlassung in Singapur im Raum standen, ermittelte zuerst die eigene Revision. Als die keine gravierenden Vorfälle fand, ging zur weiteren Aufklärung ein externer Auftrag an die Kanzlei Rajah & Tann in Singapur.

Deren Anwälte fanden zwar einige Fehlbuchungen in Millionenhöhe aus den Vorjahren sowie Vertragsentwürfe, denen womöglich keine Geschäftsvorfälle zugrunde lagen. In der Zentrale in Aschheim bei München seien jedoch keine Topmanager betroffen, denen etwas nachgewiesen werden konnte, hieß es. Lediglich einige Mitarbeiter in Singapur könnten sich womöglich nach lokalem Recht schuldig gemacht haben.

Dementis helfen kaum noch

Zum Wochenausklang kam am Freitag der nächste Rückschlag. Die britische Wirtschaftszeitung „Financial Times“, die in den Wochen zuvor schon in mehreren Artikeln kritisch über die Vorfälle in Singapur berichtet hatte, schrieb von angeblich undurchsichtigen Wirecard-Partnerfirmen auf den Philippinen. Demnach sollen die Aschheimer einen Großteil des Geschäfts über solche externen Bezahldienstleister abwickeln. Die Wirecard-Aktie sackte daraufhin um bis zu zehn Prozent nach unten.

Da half es auch nichts, dass die hauseigene Investor-Relations-Abteilung, für die von Knoop ebenfalls zuständig ist, dementierte und dabei sogar in ihren Erläuterungen zum Geschäftsmodell sehr viel schneller und ausführlicher argumentierte als in den Wochen davor. In vielen Regionen der Welt besitze das Unternehmen keine eigenen Lizenzen zur Abwicklung von Zahlungen, hieß es da. Deswegen bediene man sich dort der Dienste von Partnern wie lokalen Finanzinstituten oder Dienstleistern.

„Dies ist bei großen multinationalen Zahlungsunternehmen üblich, um spezifische lokale Kunden- und Compliance-Anforderungen zu erfüllen”, war in dem Wirecard-Statement zu lesen. Die Klientel, die diese Dienstleistungen in Anspruch nehme, reiche von der Regierung bis zum lokalen Kleinstunternehmer sowie einigen der weltweit größten Unternehmen im Einzelhandel oder der Reisebranche.

Der Anteil der im Rahmen von Lizenz-Partnerschaften abgewickelten Transaktionen habe zuletzt aber immer weiter abgenommen, da Wirecard eigene inländische Lizenzen anstrebe, hieß es. So kamen 2018 fünf lokale Lizenzen hinzu.

Dass es in den kommenden Wochen bei Wirecard turbulent weitergehen dürfte, lässt sich somit erahnen. „Der Zahlungsabwickler sollte mithilfe besserer Kontroll- und Frühwarnsysteme an seinem Krisenmanagement arbeiten“, rät Analyst Harald Schnitzer von der DZ Bank. Ein Hinweis, der unter Experten oft zu hören ist, und der sich vor allem an Alexander von Knoop richten dürfte.
Bei Wirecard selbst würde man sich dagegen am liebsten schnell wieder auf das operative Geschäft konzentrieren. Da gäbe es schließlich genug Positives zu erzählen. Um fast 40 Prozent sind Umsatz und Gewinn im vergangenen Jahr gestiegen. In diesem Tempo soll es 2019 weitergehen.

Klare Arbeitsteilung

Die Arbeitsverteilung im Führungsgremium ist dabei klar geregelt: Vorstandschef Markus Braun tritt mit Statements, in Interviews und via Twitter nach außen auf. Alexander von Knoop hält im Hintergrund die Kontakte zu Anwälten, den Wirtschaftsprüfern von EY und zur Börsenaufsicht. Für diese Aufgabe brauchte er keine Einarbeitung, als er Anfang 2018 das Finanzressort übernahm. Von Knoop ist seit 2005 bei Wirecard und kennt die Abläufe bestens.

Nach dem Abschluss in Business Administration an der renommierten Universität von Berkeley in Kalifornien zur Jahrtausendwende führte ihn der erste berufliche Schritt zur Beratungsgesellschaft Pricewaterhouse Coopers. Sein erster Job bei Wirecard war der des internen Revisors, im Jahr 2014 hatte er sich zum Chef der Wirecard Bank hochgearbeitet.

„Ihn zeichnen Fleiß und Sachwissen gleichermaßen aus“, beschreiben Mitarbeiter seinen Arbeitsstil. Auch dass die Mehrzahl der Analysten allen Vorwürfen zum Trotz weiter zum Kauf der Aktie raten, liegt zu einem Gutteil an Vorstandschef Braun und Finanzvorstand von Knoop. Gern hätte der am kommenden Donnerstag seinen ersten Jahresabschluss als Leiter des Finanzressorts präsentiert.

Das soll nun erst am 25. April der Fall sein. Wegen der neuen Erkenntnisse in Singapur sind Wirtschaftsprüfer von EY dort hingereist, um die Tochtergesellschaft zu durchleuchten.Viel Zeit zum Verschnaufen bleibt Alexander von Knoop auch danach nicht. Bereits zwölf Tage später, am 8. Mai, steht nach jetzigem Stand die Präsentation der Zahlen für das erste Quartal an. Und am 18. Juni folgt die sicherlich turbulente Hauptversammlung. Der maximale Druck auf Alexander von Knoop wird anhalten.

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