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CFO des Monats ZF-Finanzchef Konstantin Sauer bewahrt auch im Übernahmefieber einen kühlen Kopf

Konstantin Sauer ist bei ZF der Manager hinter den Zahlen. Er hasst Überraschungen – und gilt deshalb als Fanatiker einer gründlicher Vorbereitung.
05.05.2019 - 17:06 Uhr Kommentieren
Konstantin Sauer wurde 2010 neuer Finanzchef bei ZF Friedrichshafen. Quelle: ZF
Konstantin Sauer

Konstantin Sauer wurde 2010 neuer Finanzchef bei ZF Friedrichshafen.

(Foto: ZF)

Friedrichshafen Unverhofft kommt oft. In der Karriere von Konstantin Sauer war das mehrmals schon extrem der Fall. Beim Aufstieg zum Finanzchef von ZF Friedrichshafen im Jahr 2010, dann im Dezember 2017, als er interimsweise den Stiftungskonzern allein führte, und vielleicht auch jetzt: Der drittgrößte deutsche Automobilzulieferer schickt sich im unerwarteten zweiten Versuch an, den Bremsenhersteller Wabco für sieben Milliarden Euro zu übernehmen und so endgültig mit Bosch und dem Dax-Konzern Continental auf Augenhöhe zu gelangen.

Nervosität lässt sich der 59-jährige Schwabe niemals anmerken. „Ein CFO muss jede Frage zu Finanzthemen beantworten können – jede“, ist sein Credo. Nüchtern, verlässlich, fleißig – ein Vorbereitungsfanatiker, der sich nicht überraschen lassen will. Denn wenn einer wie er überrascht wird, dann weiß er genau, jetzt wird es wirklich ernst.

Aber der Reihe nach: Willi Berchtold, sein Vorgänger als Finanzchef, wollte 2010 unbedingt nebenbei noch Aufsichtsratschef beim Dax-Konzern Infineon werden. Er übersah die damit verbundenen Interessenkonflikte und musste seinen Posten am Bodensee räumen. Mit dem abrupten Abgang konnte Sauer im Jahr 2010 nicht rechnen, aber er stand bereit, als der damalige Vorstandschef Hans-Georg Härter den erfahrenen Controller für den Topjob auswählte.

Seither ist der 59-jährige gebürtige Heilbronner so etwas wie die Konstante im turbulenten Umbau des 104 Jahre alten Traditionskonzerns: 2014 trieb Vorstandschef Stefan Sommer ZF in die Zwölf-Milliarden-Übernahme des US-Zulieferers TRW. Dann folgte Ende 2017 der abrupte Rausschmiss von Sommer wegen dessen Plan, auch noch den Bremsenhersteller Wabco zu übernehmen.

Vor allem dem Oberbürgermeister von Friedrichshafen als Chef der Eigentümerstiftung war das Tempo zu schnell und die Schulden aus der TRW-Übernahme noch zu hoch, um den nächsten Brocken zu schlucken.

Finanzchef Sauer musste danach sogar ein paar Wochen als CEO den Laden zusammenhalten. „Sommer war ein sehr guter CEO. Die Situation war nicht einfach“, erinnert sich Sauer an die turbulentesten Tage bei ZF nach dem Zweiten Weltkrieg.

Gemeinsam mit seinem Weggefährten hatte Sauer ZF umgekrempelt, fehlende Elektronikkompetenz für den einstigen Getriebe- und Fahrwerksspezialisten zugekauft und ihn so zukunftsfähig gemacht. Plötzlich stand er vor 100 Führungskräften und musste die Wogen glätten. Er tat dies in unaufgeregter Art. Arbeitnehmer zollen ihm dafür noch heute Respekt.

Sauer wurde auch der Chefsessel zugetraut

Er ging auch ohne Murren wieder ins zweite Glied, als Mahle-Chef Wolf-Henning Scheider im Februar 2018 in einer Blitzaktion als neuer CEO verpflichtet wurde. Es gab nicht wenige in Friedrichshafen, die den Finanzer gerne auch länger auf dem Chefsessel gesehen hätten.

Sauer selbst ficht das nicht an. Er ist zufrieden, weil mit Scheider „das Momentum im Konzern nicht nachließ“ und der Neue mehr Geschick im Umgang mit dem Eigentümer an den Tag legte. Umgekehrt hätte Scheider auch nicht so fulminant starten können ohne den erfahrenen und loyalen Finanzchef an der Seite.

Bester Beweis: Die Stiftung gab grünes Licht, mit jetzt weniger Schulden einen zweiten Anlauf bei Wabco zu unternehmen. Da ist Sauer in seinem Element. Denn in der Fachwelt galt seine Finanzierung des TRW-Deals bereits als vorbildlich. Sauber achtete er bei dem rein fremdfinanzierten Zwölf-Milliarden-Euro-Deal auf Fristigkeiten, die richtige Mischung und eine Minderung des Währungsrisikos, in dem er einen Teil der Verbindlichkeiten in Dollar aufnahm. Zeitweise zählte ZF zu den größten Emittenten der Welt am Kapitalmarkt.

In diesem Zuge platzierte Sauer auch noch das mit 2,2 Milliarden Euro bis heute größte Schuldscheindarlehen aller Zeiten. Das glich einer Revolution in einem bis dato quasi schuldenfreien, konservativen Stiftungskonzern. Inzwischen sind zwei Drittel der Übernahmeschulden schon wieder abgetragen.

Sicher spielte ihm die gute und lang anhaltende Weltkonjunktur in die Karten. Aber es war schon beeindruckend, wie rasant die Entschuldung letztendlich ging und wie schnell ZF jetzt für den nächsten großen Schlag wieder in Form ist. Sauer bekam bei ZF eine einmalige Chance, als er CFO wurde, und er nutzte sie vom ersten Moment an. Es fehlte in seinem Team Expertise für Übernahmen. Sieben seiner acht direkt Untergebenen tauschte er aus. Neue Leute für Finanzierung, M&A oder US-Steuerrecht kamen. „Ich habe ein gutes Netzwerk“, sagt Sauer, „das war hilfreich.“

Spitzenausbildung als Wirtschaftsingenieur

Sauer selbst genoss eine Spitzenausbildung als Wirtschaftsingenieur an der TH Karlsruhe. 1988 ging er zum Daimler-Konzern, der ihm eine Promotion zum Thema „Internationale Zuliefererbeziehungen“ in St. Gallen finanzierte. Das Thema führte ihn 1990 aber zu ZF. Nach fast 30 Jahren im Konzern steht er jetzt im Zenit seiner Karriere.

Der Wabco-Deal ist noch nicht abgeschlossen, aber derzeit sieht alles danach aus, dass alles glatt geht. Die Bremsen fehlten ZF, um bei den Nutzfahrzeugen genauso gut für die künftige Mobilität gewappnet zu sein wie bei den Autos nach der TRW-Übernahme.

Nie zuvor war der Stiftungskonzern so aggressiv im Markt unterwegs. Aber Sauer ist kein Hasardeur. „Man braucht schon ein Gespür für die Leistungsfähigkeit des Unternehmens, und darauf baut sich dann die Finanzierungslogik und das Timing auf“, sagt Sauer nüchtern. Auch bei sich abflauender Konjunktur, „wackeln mir nicht die Hosen“, betont er.

Bei Sauer heißt das in guter schwäbischer Manier, immer genug Puffer einbauen. Den kann er vielleicht bald gut brauchen. Denn in den USA drohen massive Regressansprüche, sollte sich der Verdacht der Behörden bestätigen, TRW sei dafür verantwortlich , dass Airbags bei Unfällen nicht auslösten.

Bislang ist Sauers Erfolgsbilanz aber beeindruckend: Seit Amtsantritt verdreifachte sich der Umsatz auf 37 Milliarden Euro. Mit Wabco werden es 45 Milliarden Euro. Und Sauer zog dabei mehr als nur die finanziellen Fäden. „Mehr arbeiten als jetzt geht nicht“, sagt Sauer. Abschalten kann der verheiratete Vater zweier Kinder am besten auf seiner Wanderhütte in den Alpen – Weitblick eben auch in der Freizeit.

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