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Chancengleichheit Merkel fordert auf Konferenz der „Initiative Chefsache“ einen Kulturwandel

Zwischen Frauen und Männern herrsche noch keine Chancengleichheit, sagt die Kanzlerin zur Vorstellung des Jahresreports der „Initiative Chefsache“. Das Ziel müsse die Parität sein.
22.06.2020 Update: 23.06.2020 - 13:31 Uhr Kommentieren
Die Kanzlerin kritisiert, dass Frauen auf Führungsebenen noch immer unterrepräsentiert sind. Quelle: dpa
Angela Merkel

Die Kanzlerin kritisiert, dass Frauen auf Führungsebenen noch immer unterrepräsentiert sind.

(Foto: dpa)

Düsseldorf Der Wandel beginnt im Kopf. Und: Der Wandel muss Chefsache sein. Dieser Losung der „Initiative Chefsache“ ist Bundeskanzlerin Angela Merkel auch in diesem Jahr nachgekommen. Bei ihrem Grußwort zur Konferenz der Initiative Chefsache, deren Schirmherrin sie seit fünf Jahren ist und dem 26 Unternehmen und Institutionen angehören, sagte sie, dass es weiterhin Aufholbedarf bei der Chancengleichheit von Männern und Frauen im Arbeitsleben gebe. „Wir sind ein gutes Stück vorangekommen, aber wir sind noch längst nicht da, wo wir sein wollen: Parität ist das Ziel.“

Merkel bezog sich in in ihrer kurzen Ansprache, die virtuell übertragen wurde, auch auf die aktuell unsichere bis schwierige Lage am Arbeitsmarkt. In der aktuellen Krise infolge der Corona-Pandemie sei es „erst recht eine Frage der wirtschaftlichen Vernunft, dass Frauen ihre Potenziale auch wirklich entfalten können“, sagte sie. Um Chancengleichheit zu erreichen, bedürfe es aber „noch immer eines Kulturwandels“.

Merkel wies darauf hin, dass flexibles Arbeiten etwa im Homeoffice nicht automatisch auch einen Schritt hin zu mehr Chancengerechtigkeit bedeute. „Viele berufstätige Frauen würden das nicht bestätigen angesichts eines Mehraufwands in der Kinderbetreuung und bei der Hausarbeit.“

Merkel kritisierte auch die eigene Regierung: Im Kanzleramt habe man zwar mittlerweile einen Anteil von 50 Prozent „auf der höchsten Führungsebene“ erreicht. „In den obersten Bundesbehörden insgesamt ist der Anteil der Frauen in Führungspositionen allerdings nur spärlich auf 36 Prozent angewachsen.“ Ähnlich sehe es in den Aufsichtsräten der börsennotierten und mitbestimmten Unternehmen aus. In den Vorständen sei der Frauenanteil nicht einmal bei elf Prozent. Wenn Unternehmen als Zielgröße für Vorstände „null Prozent“ festlegten, „dann habe ich dafür auch null Verständnis“, sagte Merkel.

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    Auf den „Gestaltungsaufruf“ der Bundeskanzlerin an die Wirtschaft reagierte Martin Seiler, Personalvorstand der Deutschen Bahn, prompt: „Gerade in der Krise setzen wir den Schwerpunkt auf die Chancengleichheit.“ So habe sich die Deutsche Bahn jüngst erst selbstverpflichtet, bis zum Jahr 2024 den Frauenanteil in Führungspositionen auf 30 Prozent zu steigern. Und Roland Busch, der künftige Siemens-Chef und derzeitige Technologievorstand sagte: “Es ist eine Momentaufnahme, dass wir bei Siemens keine Frau im Vorstand haben. Das wird sich bald wieder ändern." Und weiter erklärte er: “Wenn ich bei einer Stellenbesetzung keine Frau auf der Shortlist sehe, entscheide ich nicht.“

    In der Krise die Chance sehen

    Erst die Kurzarbeit, dann die Entlassungen: Die schlechten Nachrichten von Lufthansa, BMW und anderen Unternehmen sowie die pessimistischen Arbeitsmarktprognosen insgesamt zeigen, welche negativen Folgen die Coronakrise haben mag. Dieser Tristesse stellt sich nun die „Initiative Chefsache“ mit ihrem Jahresreport 2020 mutig entgegen.

    Die Kernaussage: Die Coronakrise bietet auch Chancen, insbesondere auch für Gleichberechtigung und Inklusion. Und die Aussage hat Gewicht, weil niemand Geringeres als Bundeskanzlerin Angela Merkel seit fünf Jahren die Schirmherrin der „Initiative“ ist.

    Das Netzwerk zur Förderung eines ausgewogenen Verhältnisses von Frauen und Männern in Führungspositionen wird von 26 Unternehmen und Institutionen getragen, darunter Deutsche Telekom, Google, Siemens, Volkswagen und die Fraunhofer Gesellschaft. In diesem Jahr stand auch die „Initiative Chefsache“ vor der besonderen Herausforderung sich in der Coronakrise zu positionieren. Es siegte die Überzeugung: „Chancengerechtigkeit herzustellen und zu halten ist in der Krise wichtiger denn je“, sagt Philipp Justus, Managing Director von Google und Mitglied der Initiative Chefsache.

    Für den Chefsache-Jahresreport 2020 hat das Marktforschungsinstitut Innofact deshalb gleich noch eine zweite repräsentative Umfrage durchgeführt, um zu erforschen, welchen Einfluss New Work auf die Chancengerechtigkeit der Geschlechter hat. Die erste Umfrage unter 1047 Beschäftigten fand im Januar 2020 statt. Sie gibt Auskunft darüber, wie sich New Work auf die Arbeitsrealität auswirkt.

    Die zweite Umfrage unter 1029 Beschäftigten lief im April, als die deutsche Wirtschaft im Lockdown war. Sie gibt Aufschluss darüber, welchen Einfluss die Corona-Pandemie auf New Work und Chancengerechtigkeit im Arbeitsalltag hat. Teilnehmende waren Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer in Deutschland.

    Mit mehr Flexibilität die Chancengleichheit fördern

    Das zentrale Ergebnis lautet: Die Coronakrise könnte für viele Arbeitnehmer auch zur Corona-Chance werden. Die Ausnahmesituation verdeutlicht schließlich mehr denn je: Die Arbeitswelt von morgen wird eine andere sein. „Die Corona-Krise hat flexible Arbeitsmodelle in kürzester Zeit in vielen Unternehmen und Organisationen zur neuen Normalität werden lassen. Im Homeoffice sind Kollegen und Kunden nur noch einen Videoanruf voneinander entfernt“, erklärt Justus.

    Jetzt gelte es, die neugewonnene Arbeitsflexibilität dauerhaft zu ermöglichen und damit mehr Chancengleichheit zu fördern. Und Julia Sperling, McKinsey-Partnerin und Leiterin der Koordinierungsteams der „Initiative Chefsache“, ergänzt: „Wenn wir jetzt nicht alles falsch machen, haben wir die Chance, uns und unsere Arbeitswelt um 30 Jahre nach vorne zu katapultieren.“

    Fakt ist: New Work birgt Chancen aber auch Risiken. Nur wenn gezielt Kompetenzen gefördert, flexibles Arbeiten zum Standard gemacht, die digitale Infrastruktur weiter ausgebaut und Diversität und Inklusion gestärkt werden, wird Chancengerechtigkeit möglich. In der Pflicht stehen Arbeitgeber und -nehmer.

    Dass sich Arbeitnehmer in der rapide verändernden Arbeitswelt kontinuierlich weiterbilden oder auf komplett neue Berufsbilder umschulen müssen, ist bei der großen Mehrheit der Beschäftigten nach Aussage der Chefsache-Umfragen bereits angekommen: Mehr als 80 Prozent der Befragten sehen die Weiterentwicklung der eigenen Fähigkeiten als notwendig an.

    Pandemie macht deutsche Arbeitnehmer kompetenter.

    So hat die Corona-Pandemie zu einem generellen Upskilling geführt. Noch im Januar sagten 35 Prozent der Beschäftigten, sie würden digitale Kompetenzen gut oder sehr gut beherrschen. Bei der Umfrage im April sah das Bild bereits anders aus: Für jede einzeln abgefragte digitale Kompetenz sahen mehr als 50 Prozent der Befragten eine Verbesserung ihres eigenen Könnens.

    Besonders breit ist die Verbesserung bei Fähigkeiten der digitalen Interaktion (65 Prozent). Gerade Frauen konnten hier profitieren: Im Durchschnitt geben 15 Prozent mehr Frauen als Männer an, sich während der Krise hier stark oder sehr stark verbessert zu haben. Bei fünf von neun abgefragten Kompetenzen verbesserten sie sich stärker als die befragten Männer.

    Auch die Unternehmensseite ist gefragt: Viele Chefsache-Unternehmen haben bereits früh Maßnahmen ergriffen, um vor allem Mitarbeiterinnen gezielt zu fördern: von digitalen Lernformaten (RWE, Audi) über Mentoring- (Siemens, Airbus) und Coaching-Programme (Bundesministerium der Verteidigung), Trainings on the job (Allianz, NDR) oder dem Ausprobieren neuer Methoden (NDR, BASF, KION).

    „Learning on the Job funktioniert gerade bei zukunftsträchtigen Fähigkeiten, das haben die vergangenen Monate gezeigt. Jetzt ist es an der Zeit, diesen Schub zu nutzen – und zwar Unternehmen, Politik und Bildungsträger gemeinsam“, sagt Sperling von McKinsey. „Diese Krise ist eine große Chance. Gerade Vielfalt und Inklusion sind wesentliche, erfolgstreibende Faktoren.“

    Und Justus von Google erklärt: „Ich bin ebenfalls sehr zuversichtlich, dass wir diese Krise als Chance nutzen. Ein Automatismus ist es aber natürlich nicht. Es braucht Einsicht und Engagement.“

    Mehr: Eine Studie der Allbright-Stiftung zeigt: Große Familienfirmen sind für Karrieren von Frauen noch weniger offen als Dax-Konzerne. Doch es bewegt sich etwas.

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