Die Chef-Beraterin Ein Plädoyer gegen das Home-Office

„Hart arbeiten, hart feiern“, lautet die Devise unserer Kolumnistin. Sie zählt sich daher selber zu den Gegnerinnen des Home-Office. Warum sie Leute nicht leiden kann, die es beim Arbeiten gemütlich haben wollen.
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Sabina Wachtel schreibt jeden Mittwoch ihre Berater-Kolumne auf Handelsblatt Online. Sie ist Inhaberin von ExpertExecutive.
Die Chef-Beraterin

Sabina Wachtel schreibt jeden Mittwoch ihre Berater-Kolumne auf Handelsblatt Online. Sie ist Inhaberin von ExpertExecutive.

Ab und an landen Initiativbewerbungen in meinem Posteingang. Die ignoriere ich normalerweise. Sie wissen schon: Sehr geehrte Damen und Herren, ich bin auf der Suche nach einer neuen beruflichen Herausforderung und kann mir gut vorstellen meine Kenntnisse und Fähigkeiten bei einer Tätigkeit in Ihrem Haus zum Einsatz zu bringen. Mit freundlichen Grüßen. Gern mit Tippfehlern versehen, oftmals macht sich der geneigte Bewerber noch nicht einmal die Mühe näher zu benennen, um welche Position er sich bewirbt. Ob er weiß, in welcher Branche wir tätig sind, ist zu bezweifeln.

Nun hatte ich kürzlich eine ausgesprochen attraktiv gestaltete Bewerbung in gedruckter Form auf dem Tisch. Tatsächlich: Eine vollständige Bewerbungsmappe. Janine D. hat sie mir geschickt. Janine ist allem Anschein nach eine hochqualifizierte Bewerberin. Sie scheint erahnt zu haben, was wir hier brauchen, ihre Qualifikation passt 1:1 dazu, sie spricht drei Sprachen fließend, sie weiß dem Foto nach nicht nur ihr Profil, sondern auch sich selbst ansprechend zu präsentieren.

Ich will Janine D. sofort live sehen. Ich will mich augenblicklich von Angesicht zu Angesicht davon überzeugen, dass es dieses Feenwesen wirklich gibt. Die Mitarbeiterin, die alles kann, was mir hier gerade fehlt. Zu gut würde das passen. Wenn nicht… Ich kann Janine D. nicht ins Büro einladen. Janine D. pendelt, so entnehme ich dem Anschreiben, derzeit zwischen Karlsruhe (Wohnort) und Wiesbaden (Arbeit). Sie will sich beruflich vor allem dahingehend verändern, dass sie ihre neue Stelle bevorzugt im Home-Office antreten will. Sie freut sich auf einen Skypecall, damit wir uns persönlich kennenlernen können. „Und weg isse“ – aus meinem Kopf.

Ich mag den Ausdruck Home-Office nicht, und ich mag es besonders wenig, wenn man schon mit Home-Office anfängt, bevor man überhaupt nur ein Wort gewechselt hat. Ich höre sie schon, die Home-Office-Fraktion: Der Arbeitnehmer spare Zeit und der Arbeitgeber spare Kosten, heißt es da, wenn man keine weiten Strecken zum Arbeitsplatz zurücklegen muss, sondern nur die Treppe runterschlurfen. Ganz hervorragend: Je nach Persönlichkeitsstruktur kann der geneigte Mitarbeiter dann entweder erst gemütlich die Zeitung fertiglesen oder er kann noch mehr arbeiten – ohne vor den Kollegen doof dazustehen.

Im Home-Office ist man zu Hause – und dort ist es doch am gemütlichsten. Das taugt manch einem offensichtlich als Argument, fürs Arbeiten gar nicht erst das Haus zu verlassen. Meiner Meinung nach gilt das Gegenteil: Ich brauche es beim Arbeiten nicht gemütlich – und ich kann auch keine Leute leiden, die es beim Arbeiten gemütlich haben wollen. Hart arbeiten, hart feiern.

Ja, beschimpft mich ruhig. Aber nichts fühlt sich besser an als ein Feierabend, den man sich wirklich verdient hat. Übrigens hat ein solcher Feierabend nichts mit Jogginghosen, Puschen und Netflix zu tun. Dabei habe ich nichts – aber auch gar nichts – gegen Jogginghosen. Eine hochwertige Jogginghose, gut kombiniert, macht was her. Die kann man (fast) überall tragen. Aber eine Jogginghose als Argument um seine Arbeit nicht Büro sondern zu Hause zu verrichten? Das geht gar nicht.

Am Rande des Nervenzusammenbruchs
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6 Kommentare zu "Die Chef-Beraterin: Ein Plädoyer gegen das Home-Office"

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  • Im Hinblick auf Jobs deren Performance stark davon lebt, dass man gut vernetzt ist im Unternehmen und/oder im engen Austausch mit anderen Abteilungen und Unternehmensbereichen steht, ist das Home Office tatsächlich nicht uneingeschränkt zu befürworten.

    Auf der anderen Seite empfinde ich die Darstellung der Autorin, dass es sich bei Mitarbeitern, die sich mehr Flexibilität im Rahmen von Home Office Modellen wünschen, automatisch um Weicheier und Faulpelze die nicht hart arbeiten wollen handelt, doch sehr überzeichnet!

    Gerade bei Arbeitnehmern mit langen Anfahrtswegen (wie im dargestellten Fall), kann ein gewisser Anteil an Home Office Tagen durchaus dazu beitragen, dass weniger Zeit und Energie in Zügen oder auf Autobahnen verschwendet wird. Eine signifikante Erleichterung für die betroffenen Mitarbeiter, die den Arbeitgeber nicht einmal etwas kostet - im Gegenteil. Manch ein Mitarbeiter wird es dem Unternehmen an den betreffenden Tagen sogar mit einer besseren Leistung danken, wenn man ihn von den Pendelstrapazen befreit. Hinzu kommt, dass zwischen all den Meetings und Abstimmungsterminen eines normalen Büro-Arbeitstag, ein Home Office Tag evtl. auch die Möglichkeit bieten kann etwas abzuarbeiten, was sonst liegengeblieben wäre.

    Die Kolumne der Autorin zeigt aber eindrucksvoll welche verkrusteten Vorstellungen im Hinblick auf Arbeitsort, Arbeitszeit und Effizienz in manchen deutschen Unternehmen immer noch vorherrschend sind.

    In Zeiten des viel beschworenen Fachkräftemangels müssen sich solche Unternehmen m.E. allerdings gut überlegen ob sie an diesen starren Arbeitsmodellen tatsächlich festhalten wollen oder ob sie auch zukünftig noch für Arbeitnehmer attraktiv sein wollen. Dies gilt umso mehr für qualifizierte Arbeitnehmer mit Berufserfahrung die (im Gegenteil zu Absolventen) oftmals aufgrund der familiären Situation örtlich gebunden sind und nicht einfach von A nach B umziehen können.

  • Ich bin auch kein Home Office Fan.Bei der Arbeit löst man Vieles im persönlichen Kontakt in Teamarbeit.
    Eine zielführende Teamarbeit würde bei mir im Betrieb dadurch komplett verloren gehen.

    Eine Anmerkung noch zum Kommentar von Herrn Vierblo . Einfach köstlich !! :):):)
    Als gebürtige Schwäbin kann ich diesem Argument folgen.

  • Ich bin auch alles andere als ein Home-Office-Fan. Denn ich mag es, meine Kollegen um mich herum zu haben. Allerdings nicht etwa, weil ich alle so super duper finden würde (die meisten mag ich, manche weniger, wie das nunmal ist mit anderen Menschen), sondern weil es sehr, sehr praktisch ist, kurz den Flur zu überqueren, drei Sätze zu wechseln und weiterarbeiten zu können. Im Home Office ginge das große Rumtelefonieren los, dann kommt der Rückruf, dann der zweite Versuch und am Ende stellt sich raus, dass man dem Gegenüber kaum per Telefon den Sachverhalt erklären kann. Nervig.
    Außerdem schätze ich es sehr, mich morgens in die Bahn zu setzen und ersteinmal ein wenig Zeit für mich zu haben. Dann lese ich Zeitung bspw. Sobald ich am Arbeitsplatz ankomme, bin ich dann physisch und mental zu 100 % bereit für den Arbeitstag. Und auf dem Rückweg habe ich dann Zeit, den Arbeitstag abzustreifen und komme einigermaßen ausgeglichen daheim an, um meinem Feierabend genießen zu können.
    Home Office ist für mich nur gut, wenn ich von einem Auswärtstermin früher zurück komme, sich der Besuch im Büro aber nicht mehr lohnen würde. Dann wäre es gut für mich, noch ein, zwei Stunden von zu Hause aus ein paar E-Mails abzuarbeiten.

  • Ich hasse es im Homeoffice zu arbeiten, schon der Gedanke daran lässt mich schaudern ! Der Grund : Heizkosten - Mehraufwand . Für jemanden wie mich der es gerne kuschlig warm hat ist es in Sachen "Kosten - Nutzen" besser das Haus zum Arbeiten zu verlassen.
    Ich habe jetzt die anderen Kommentare aufmerksam gelesen und brenne darauf bald noch mehr "KI" nutzen zu dürfen. Die "nette" Werbeanzeige hat mich ganz heiß darauf gemacht! Bisher nutze ich KI schon in meinem Smart TV Die Folgen: Er wechselt das Programm oder noch schlimmer ,er schaltet sich komplett aus sobald er erkennt hat dass ich nicht mehr lächle. Die Probleme mit der Gestensteuerung erwähne ich hier erst gar nicht. Solange sich die KI nicht selbst schafft sondern von Programmierern mit WI ( W steht für wenig) erschaffen wird , wünsche ich viel Spaß damit dies als Grundlage für sein zukünftiges Imperium zu nutzen.

  • "netter" Artikel - allerdings nicht nur argumentativ eine Nullnummer, sondern auch das Menschenbild scheint mir eher aus Taylor's Zeiten...

    ...und damit wird man immer weniger in der Lage sein, sich die wirklichen Spitzenkräfte mit ins Boot zu holen.
    Dafür kann man dann besonders laut schreien, von wegen "Fachkräftemangel" und "fehlender Motivation", "Mitarbeiterfluktuation" , "Krankenstand"... usw usw.

    Zum Glück wird in naher Zukunft die KI massgeblich entscheiden, wer welche Aufgaben in welchem Projekt zugeschanzt bekommt. (d.h.: die KI stellt anhand der Datenbank eine Vorschlagsliste -> der/die Verantwortliche(n) klicken durch, wer in Frage kommt -> die Auserwählten sagen ja,passt/nein,passt mir nicht.)
    Die KI vom Digital Workspace überwacht die Performance und trennt die Spreu vom Weizen. Schluss mit "watercoller-Gelabere", mit Geklüngel und Netzwerkerei, Schluss mit irgendwelchen Vorstellungen und Bevormundungen: das einzige was zählt, ist das Commitment und die resultierende Leistung.

    Des weiteren beruht die überlegene KI auf BigData - da darf ich keine wertvollen Kommunikationsdaten durch face-to-face Kommunikation verloren gehen lassen. Die KI bekommt ansonsten Probleme mit der Herleitung - da brauche ich mich nicht zu wundern, wenn ich keine vernünftigen forecasts und suggestions von ihr erhalte. Ansonsten könnte es mir wurscht sein, ob die Leute weiterhin ins Büro dackeln, von zu Hause aus arbeiten oder sich ein Büro mieten.

    "Data is the new oil" - also muss ich Daten erzeugen. Gute, strukturierte Daten.

  • „Ich mag einfach, wenn beim Arbeiten gearbeitet wird. Und ich mag, wenn ich weiß, dass es meine Mitarbeiter krachen lassen, wenn ich sie nicht mehr sehe. Dann ist Spaß angesagt. Stress kann ich gern während der regulären Arbeitszeit machen.“

    Schön gesagt. Vor allem: Über die jeweilige berufsspezifische Datenlage kann (und muss) sich heute jeder auch „virtuell“ informieren (gerne auch zu Hause). Aber ein fruchtbarer Austausch über die dabei gewonnenen Informationen (und v.a. Erkenntnisse!), der in wirklich zielführende und konstruktive Projekte münden kann, wird auch weiterhin wie eh und je nur von Angesicht zu Angesicht („in echt“ jetzt, nicht über irgendeinen Bildschirm) möglich sein. Es muss eben auch mal richtig „krachen“, damit es, wenn sich der Staub gelegt hat, weitergehen kann. Gott sei Dank.

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