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Die Chef-Beraterin Überdenken Sie Ihr Duftverhalten!

Ein Büro sollte nicht wie ein parfümierter Pumakäfig riechen. Leider tut es das aber allzu oft. Was tun gegen das Duftproblem? Welche Düfte gehen und welche nicht, und wann sie mal etwas dicker auftragen können.
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Sabina Wachtel schreibt jeden Mittwoch ihre Berater-Kolumne auf Handelsblatt Online. Sie ist Inhaberin von ExpertExecutive.
Die Chef-Beraterin

Sabina Wachtel schreibt jeden Mittwoch ihre Berater-Kolumne auf Handelsblatt Online. Sie ist Inhaberin von ExpertExecutive.

Das sogenannte Duftproblem kennt jeder, der in einem Büro mit mehreren Menschen arbeitet. Also viele. Auf den ersten Blick mag dieses Problem nicht sonderlich dramatisch erscheinen, greift aber auf den zweiten Blick auf jeden Fall massiv in unsere Lebensqualität ein. Nichts ist schlimmer, als wenn man mit einem Kollegen, einer Kollegin zusammensitzt und sie nicht riechen kann – beziehungsweise ihr Parfum. Kopfschmerzen und Übelkeit sind keine ungewöhnlichen Folgen. Ich übertreibe nicht. Ein Duft, der einem stinkt, ist schon grausam.

Falls Sie meine heutige Kolumne nutzen möchten, um einem Kollegen oder einer Kollegin einen dezenten Hinweis zu übermitteln, empfehle ich Ihnen aus taktischen Gründen, den Link an alle Kollegen zu mailen. Denn auf diese Weise wird sich niemand persönlich auf den Schlips getreten fühlen. Und doch werden Sie möglicherweise bewirken, dass die gemeinte Person sein oder ihr ‚Duftverhalten‘ überdenkt.

Im täglichen Arbeitswahnsinn ist es ja wie im richtigen Leben: Es gibt Menschen, die man sieht und denkt: Wow, die oder der sieht interessant aus oder extrem sympathisch oder was auch immer. Und dann machen die den Mund auf und alles ist hin! Manchmal ist es die Stimme, die man nicht erwartet oder der Dialekt haut einen vom Stuhl. Dann gibt es aber auch Menschen, die müssen erst  gar nicht den Mund aufmachen, um uns vom Stuhl zu hauen.  Die muss man auch nicht sehen. Denn: Man kann sie riechen. Auch wenn sie schon seit zehn Minuten über alle Berge sind. Sie benutzen Parfum. Und zwar das falsche. Und das ist weder gut noch angenehm. Gerade im Büro!

In den USA und in Kanada gibt es bereits Städte, Behörden, Schulen und Universitäten, die Angestellte und Besucher darum bitten, in Gebäuden und bei Veranstaltungen auf Parfums und parfümierte Produkte zu verzichten. Auch Ministerien gehen dazu über, Duftstoffverbote zum Wohle der Gesundheit zu verhängen.

In Portland / Oregon wurde beispielsweise vor einigen Jahren an höchster Stelle entschieden, dass Parfüm und Duftstoffe an Arbeitsplätzen, die sich im US-Bundesstaat Oregon befinden, unerwünscht sind. Auf üblicherweise ähnliche parfümierte Produkte wie Parfum, Aftershave, Deo, Haarspray und so weiter sei beim Arbeiten zu verzichten. Der Staat Oregon möchte, dass jeder frei atmen kann und sich am Arbeitsplatz gut und nicht krank fühlt. Die Gesundheit aller habe Vorrang, ließen die Stadtväter Portlands verlauten.

Verrucht-sexy oder wie ein Latin-Lover für Arme

Ich hatte mir zum Thema Parfumgestank zwei Thesen zurechtgelegt. Erstens: Es liegt an den Billigparfums. Zweitens: Es sind vor allem die synthetischen Duftstoffe, die stinken. Aber weit gefehlt: beides falsch!!! Eine Parfumspezialistin aus Frankfurt, MaÎtre de Parfum nennt man das, hat mich unlängst aufgeklärt: Es gibt kaum noch natürliche Düfte. Viele Duftstoffe, die es früher aus natürlichen Quellen gab, müssen heute synthetisch hergestellt werden, weil sie beispielsweise unter das Artenschutzgesetz fallen oder schon ausgestorben sind. Andere Düfte wiederum hat es in der Natur niemals gegeben. So gibt es ein Parfum von Tom Ford namens Black Orchid, ein absoluter Topseller. Geliebt von Millionen, völlig unbeeindruckt von der Tatsache, dass Orchideen nicht (!) riechen. Orchideen riechen nie, auch wenn man sie darum bittet! Der Orchideen-Duft ist also nicht der Natur nachempfunden, sondern sozusagen die Duft gewordene Vorstellung einer Orchidee! Danke MaÎtre de Parfum! Demnach stimmt diese These von mir schon mal nicht.

Und überhaupt. Das mit dem Preis ist wie mit allem. Was Günstiges kann gut aussehen, wenn es eben einfach perfekt passt zu Person und Anlass – und ein günstiges Parfum kann auf der richtigen Haut gut riechen. Natürlich kann es auch ein totaler Fehlgriff sein, aber das kann einem eben mit einem teuren Parfum ebenso passieren. Also kann man sich auf den Preis auch nicht verlassen.

Aber auf was denn dann, bitteschön? Eigentlich so richtig auf gar nichts.  Aber auf was man sich verlassen kann, ist schlicht die Menge. Die Dosierung das A und O! Damit kann man schon einiges an Schadensbegrenzung leisten.

Und dann ist es doch auch wie bei der Wahl zwischen Frack und Smoking, zwischen langem Abendkleid und kleinem Schwarzen: Welcher Film wird denn überhaupt gespielt? Meine Rolle entscheidet, was ich trage – und wie ich dufte. Und zwar weit mehr als der persönliche Geschmack. Einem Schlagersänger zum Beispiel verzeiht man doch eher, ja man erwartet es geradezu, dass er gern und gut ein bisschen dick aufträgt. Die Assistentin des Chefs kommt besser rüber, wenn sie feminin statt verrucht-sexy durftet und ihr Chef, besser klassisch und nicht wie ein Latin-Lover für Arme.

Fazit: Weniger ist mehr, viel mehr und ein Büro sollte nicht wie ein parfümierter Pumakäfig riechen.

Sabina Wachtel berät Manager. Sie ist Inhaberin von ExpertExecutive mit den Labels ManagerOutfit.de und 55dresscodeberater.de. Außerdem ist sie Autorin.

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