Chief Digital Officer Wo sind die digitalen Häuptlinge?

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„Wer kein Budget hat, wird nicht ernst genommen“

Doch nur jeder siebte Digitalchef berichtet an den Vorstandschef, neun Prozent an den operativen Vorstand und elf Prozent an andere Vorstände. Bedenklich: Jeder zehnte Digitalverantwortliche hat gar keinen Draht in den Vorstand. Hinzu kommt: „Wer nur fünf Leute unter sich hat und kein Budget, wird nicht ernst genommen“, warnt Behrendt. Ein Digitalchef muss sich aber zwischen diversen Abteilungen im etablierten Machtgefüge durchsetzen können. Fehlt das Standing im Unternehmen, ist der Erfolg des digitalen Umbaus gefährdet. Etliche Digitalchefs haben zwar einen schönen Titel, sind aber „Könige ohne Land“.

Big Data, Mobile, Cloud und das Internet der Dinge, E-Commerce – die digitalen Themen sind äußerst vielschichtig. Ein Digitalverantwortlicher sollte zudem Strategisches und Operatives verbinden können, Verständnis für Technologie und digitales Marketing haben.

Manager mit solch breiter Expertise sind rar. Tui-Digitalchefin Stefanie Waehlert zum Beispiel hatte Erfahrung im Großunternehmen bei T-Online, im Mittelstand und als Chefin in Start-ups. „Ich kenne Strukturen in Konzernen und agilere Arbeitsweisen in Gründerfirmen.“  Das ist wichtig, denn die digitalen Zyklen sind viel kürzer als sonst im Konzern.

Der Reisekonzern Tui hatte zwar digitale Kanäle, doch die führten ein isoliertes Eigenleben und stießen in den etablierten Unternehmensstrukturen bald an Grenzen, sagt Waehlert.  Mit 300 Mitarbeitern treibt sie nun den digitalen Wandel voran und verantwortet auch die zentralen E-Commerce-Plattformen. „Wichtig ist, das Digitale mit dem Kerngeschäft eng zu verzahnen“, betont sie.

Waehlert will alle rund 4.500 Tui-Beschäftigten in Deutschland mit auf die digitale Reise nehmen. Das Programm „Our Digital Journey“ ist auf drei bis fünf Jahre angelegt. Es soll Mitarbeitern die Ängste nehmen, die noch nie digital gearbeitet haben. Ein Chief Digital Officer fühlt sich Waehlert als  Stratege, Change  Manager, Integrator und Umsetzer zugleich.

Tatsache ist: Bei der Digitalisierung gibt es keinen Königsweg. Ein Digitalhäuptling alleine kann die Transformation nicht auf den Weg bringen. Auch die Art der Entscheidungsfindung, die Geschwindigkeit von Innovationsprozessen, die Governance-Strukturen und die Unternehmenskultur müssen sich wandeln, betont Personalexpertin Köhler.

Nach einer Umfrage des Digitalverbands Bitkom unter 505 Unternehmenschefs geht aber nur jedes zweite Unternehmen (55 Prozent) davon aus, dass künftig die klassischen Hierarchien im Unternehmen aufweichen. Eine krasse Fehleinschätzung.

Auch die Dax-Unternehmen sind nach wie vor sehr hierarchisch ausgerichtet, weniger an einer Kultur von internen und externen Netzwerken. Köhlers Fazit ist ernüchternd: „Organisatorisch sind die Dax- und MDax-Unternehmen noch weit vom digitalen Zeitalter entfernt.“

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