Christian Greiner Wöhrl-Enkel übernimmt insolvente Modekette

Die angeschlagene Modehauskette Wöhrl bleibt nun doch in Familienhand. Neuer Eigentümer wird der Enkel des Firmengründers Rudolf Wöhrl, Christian Greiner. Er will neue Investoren an Bord holen.
Update: 31.01.2017 - 17:15 Uhr Kommentieren
Die fränkische Modehauskette bleibt in der Familie. Quelle: dpa
Wöhrl-Filiale

Die fränkische Modehauskette bleibt in der Familie.

(Foto: dpa)

NürnbergDie fränkische Modehaus-Kette Wöhrl bleibt auch nach der Pleite in der Familie: Christian Greiner, ein Enkel des Firmengründers Rudolf Wöhrl, soll das Nürnberger Traditionsunternehmen zum 1. März übernehmen, wie Vorstandschef Andreas Mach am Dienstag mitteilte. Der 38 Jahre alte Greiner ist seit 2011 Marketing-Chef der börsennotierten Kaufhaus-Kette Ludwig Beck – und will das auch bleiben, wie Mach betonte. Von 2004 bis 2007 war Greiner Geschäftsführer von Wöhrl.

Mach und Sanierer Christian Gerloff hatten in der Insolvenz beschlossen, vier der 34 Wöhrl-Häuser und drei Fabrikverkaufs-Läden zu schließen. Weitere Kündigungen und Filialschließungen seien nicht geplant, erklärte Mach, der im Amt bleiben soll. 95 Prozent der 2000 Arbeitsplätze seien trotz der Pleite erhalten worden, sagte Gerloff.

Die Rudolf Wöhrl AG, die bisher der Familie von Gründer-Sohn Gerhard Wöhrl gehörte, hatte sich im September in die Insolvenz geflüchtet. Sie hatte sich mit der Übernahme der Bekleidungskette SinnLeffers übernommen. Diese soll separat verkauft werden. „Am Ende des Tages werden beide getrennt voneinander am Markt agieren“, sagte Gerloff.

Die größten Pleiten im deutschen Einzelhandel
Baumarktkette Praktiker
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Praktiker

Die Baumarktkette beantragte am 11. Juli 2013 beim Amtsgericht Hamburg offiziell Gläubigerschutz. Gespräche über die weitere Finanzierung des Sanierungspakets waren am Tag zuvor gescheitert. Damit war Praktiker nicht nur überschuldet, sondern auch zahlungsunfähig. Praktiker hätte nach eigenen Angaben frisches Geld gebraucht - rund 30 bis 35 Millionen Euro - nachdem der fest eingeplante Verkauf der drei luxemburgischen Batiself-Baumärkte nach einem Rückzieher des Käufers gescheitert war. Fortwährende Rabattaktionen („20 Prozent auf alles“) hatten den Konzern 2011 an den Rande des Ruins gebracht. Es folgte die Sanierung, die vorsah, Praktiker-Märkte auf die Schwestermarke Max Bahr umzustellen. 2012 setzte Praktiker mit seinen 430 Märkten rund drei Milliarden Euro um, das reichte jedoch nicht, um die entstandenen Schulden zu tilgen. 18.000 Mitarbeiter waren von der Insolvenz betroffen.

Baumarkt Max Bahr
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Max Bahr

Am 26. Juli folgte die Praktiker-Schwestermarke Max Bahr mit über 130 Filialen in die Insolvenz. Das Hamburger Unternehmen hatte am Ende damit zu kämpfen, dass Kreditversicherer nicht länger für Warenlieferungen an die Filialen einstehen wollten.

Schicksal von Versandhändler Neckermann.de auf Messers Schneide
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Neckermann

Es war der dritte Pflegefall aus dem Arcandor-Nachlass. 2010 kaufte der amerikanische Finanzinvestor Sun Capital den Versandhändler und strukturiert kräftig um. Das Geschäft mit gedruckten Katalogen wurde eingestampft. 1.400 der 2.500 Stellen in Deutschland fielen weg. Die Mitarbeiter forderten Abfindungen; die Konzernspitze beklagte, dazu fehle das Geld. Über den weiteren Abbau von 1380 Arbeitsplätzen konnten sich Verdi und das Management nicht einigen. Sun Capital lehnte es ab, weitere Mittel für die Finanzierung zur Verfügung zu stellen. Damit war das Unternehmen pleite.

Bundesagentur sieht Chancen fuer Schlecker-Mitarbeiter auf neue Jobs
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Schlecker

Ende Februar 2012 meldete der Branchenprimus der Drogeriemärkte Insolvenz an. Bereits im Geschäftsjahr 2010 war der europaweite Umsatz von Schlecker um 650 Millionen Euro auf 6,55 Milliarden Euro gesunken. Auch 2011 wurden sinkende Erlöse erwartet, Zahlen zum Gewinn oder Verlust nannte Schlecker traditionell nicht. Die Mitarbeiterzahl lag Ende 2011 bei über 30.000 in Deutschland und weiteren rund 17.000 im Ausland. Da sich bis Anfang Juni 2012 kein Investor für Schlecker gefunden hatte, musste Insolvenzverwalter Arndt Geiwitz das endgültige Aus der Drogeriemarkkette verkünden. Die Pleite der Drogeriekette hat nun ein juristisches Nachspiel: Die Staatsanwaltschaft hat ein Ermittlungsverfahren gegen Anton Schlecker und 13 weitere Beschuldigte eingeleitet. Es geht um den Verdacht der Untreue, Insolvenzverschleppung und des Bankrotts.

Billionaire Berggruen smiles after he received a name sign of Karstadt at a Karstadt store located on the Kurfuerstendamm boulevard in Berlin
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Karstadt

Der Handels- und Touristikkonzern Arcandor - Hauptaktionäre waren die Privatbank Sal. Oppenheim und die Quelle-Erbin Madeleine Schickedanz - rutschte 2009 in die Pleite. Der Geschäftsbereich Warenhaus mit den Karstadt-Häusern ging für fünf Millionen Euro im Juni 2010 an die Holding des deutsch-amerikanischen Investor Nicolas Berggruen und war damit vorerst gerettet. Im August 2014 wurde die Komplettübernahme von Karstadt durch die Signa Holding des österreichischen Investors René Benko bekanntgegeben.

huGO-BildID: 14611620 Quelle-Kataloge sind am Freitag, 19. Juni 2009, vor einem Quelle-Shop in Frankfurt am Main gestapelt. Bei dem insolventen Versa
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Quelle

Ein weiteres Opfer der Arcandor-Pleite: Von den 50ern bis in die 1990er Jahre stand Quelle als Synonym für den deutschen Versandhandel. Im Juni 2009 kam das Aus. Kein Investor wollte das Versandhaus, das bereits seit 1999 zum Karstadt-Konzern gehörte. Seit August 2011 können Quelle-Fans unter www.quelle.de bei einer Tochter des Otto-Versands bestellen. Die Marke Quelle lebt nur noch im Internet weiter.

Drogeriemarktkette IhrPlatz insolvent
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IhrPlatz

Die Schlecker-Tochter wurde mit in die Insolvenz der Drogeriekette gerissen. Betroffen von der Pleite waren rund 650 Filialen und 5800 Mitarbeiter. Seit 2007 gehörte IhrPlatz zu Schlecker. Davor waren die Märkte schon einmal insolvent - und konnten sich erfolgreich sanieren. Ursprünglich sollte IhrPlatz die Schlecker-Premiummarke werden. Nach der Pleite der Unternehmensmutter Schlecker wurde noch nach einem Investor für IhrPlatz gesucht. Doch alle Bemühungen waren vergebens.

Greiner ist noch auf der Suche nach Co-Investoren, könnte die nötigen Investitionen laut Mach aber auch allein finanzieren. „Es braucht einen mittleren zweistelligen Millionenbetrag, um Wöhrl wieder flott zu machen“, sagte er. Möglich sei, dass Greiners Vater Hans-Rudolf Wöhrl wieder einsteige, der 2011 aus dem Unternehmen seines Bruders Gerhard ausgestiegen war. Hans-Rudolf Wöhrl ist als Luftfahrt-Unternehmer (Deutsche BA) bekannt geworden, ist aber auch Großaktionär von Ludwig Beck.

Die Gläubiger dürften mit einer überdurchschnittlich hohen Insolvenzquote von 10 bis 20 Prozent rechnen. Das bedeutet aber auch für die Zeichner einer 30 Millionen Euro schweren Wöhrl-Anleihe – vor allem Privatanleger aus Franken – den Verlust von 80 bis 90 Prozent ihres Einsatzes.

  • dpa
  • rtr
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