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Christine Weissenborn Der Kommerz erobert die Festspiele und die Kunst

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Peter Brabeck-Letmathe ist Vorsitzender des Verwaltungsrates von Nestlé. Quelle: Reuters

Peter Brabeck-Letmathe ist Vorsitzender des Verwaltungsrates von Nestlé.

(Foto: Reuters)

Nestlé-Verwaltungsratschef: "Kulturförderung ist kein Mäzenatentum"

Handelsblatt: Sie sind begeisterter Harley-Davidson-Fahrer. Warum investieren Sie nicht in Rockmusik - sondern in klassische Festspiele?

Peter Brabeck-Letmathe: Meine Leidenschaft für Musik hat mit dem Sponsoring von Nestlé nichts zu tun. Das Engagement beruht auf einer nüchternen Analyse.

HB: Sie sind also kein Philanthrop?

Brabeck-Letmathe: Man muss Kulturförderung als das sehen, was es ist: echtes kommerzielles Sponsorship. Das ist kein Mäzenatentum. Es ist eine private Entscheidung von Leuten wie Warren Buffet ihr Geld zu spenden. Wir haben eine Verantwortung gegenüber unseren Aktionären.

HB: 40 US-Milliardäre wollen die Hälfte ihres Vermögens spenden. Wie finden Sie das?

Brabeck-Letmathe: Die Aktivität von Leuten wie Buffet ist sehr löblich. Aber Philanthropie betreiben kann nur der, der eigenes Geld hat. Aktionäre können das mit Ihrem Geld machen aber ein Konzernchef meiner Meinung nach nicht mit dem Geld seiner Aktionäre.

HB: Wie finden es Ihre Aktionäre, dass Sie jährlich 700 000 Euro alleine in Salzburg investieren?

Brabeck-Letmathe: Natürlich müssen wir die Ausgabe für ein solches Engagement rechtfertigen können. Aber wir bekommen dafür auch eine Gegenleistung. Kultursponsoring ist im Kontext globaler Kommunikationspolitik zu sehen und eine zusätzliche Maßnahme, mit der man vor allem Meinungsführer aus Politik und Wirtschaft erreicht.

HB: Und die sollen dann mehr Nestlé-Produkte kaufen?

Brabeck-Letmathe: Natürlich geht es hier in Salzburg um das Image der Firma Nestlé. Wir versuchen überall präsent zu sein. Unser Erfolg beruht nicht auf einigen wenigen Kunden, sondern wir müssen tagtäglich 1,2 Milliarden Produkte verkaufen.

HB: Der Wert von Kultursponsoring lässt sich kaum messen. Audi hat jetzt eine Studie in Auftrag gegeben, um das zu ändern. Käme so etwas für Sie auch in Frage?

Brabeck-Letmathe: Auch wir führen Analysen durch. Aber zu sagen, wir haben einen wissenschaftlichen Beweis über den Einfluss, da bin ich etwas skeptisch, da bleibt immer weitestgehend persönliche Einschätzung und Gefühl.

HB: Wollen Sie Kultursponsoring ausbauen? Im Vergleich zu Amerika steckt Europa ja diesbezüglich noch in den Kinderschuhen.

Brabeck-Letmathe: In den USA haben Geld und Reichtum eine andere Bedeutung. Geld haben und Geld machen sind dort Teile des Erfolges und deshalb positiv besetzt. Gleichzeitig befriedigen die Amerikaner ihr soziales Bewusstsein, in dem sie ihr Geld spenden. In Europa ist Geld verdienen nicht positiv besetzt. Die Kritik an Managern, die viel verdienen, ist bei uns viel ausgeprägter.

HB: Sie wollten ursprünglich Dirigent werden. Stört es Sie nicht, dass Sie die Kultur mit Ihrem Engagement zum Sklaven machen?

Brabeck-Letmathe: Kultur hat immer eine gewisse Abhängigkeit von dem, der sie finanziert. Früher waren Fürsten die Geldgeber, heute sind es zum großen Teil Unternehmen.

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