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Compliance Vorbeugen, aufdecken, reagieren

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Straffe Strukturen sind nach Ansicht von Experten entscheidend, um Regelverstöße möglichst frühzeitig zu erkennen. Denn wenn ein Unternehmen erst einmal mit dem Gesetz in Konflikt kommt, drohen Millionenstrafen. Vor allem Konzerne, die an der Wall Street notiert sind, müssen sich warm anziehen. „Die Staatsanwälte haben ein Maschinengewehr und die Unternehmen einen Zahnstocher“, beschreibt Rainer Runte, Vorstand von Fresenius Medical Care (FMC), die ungleichen Waffen. Der Jurist weiß, wovon er spricht. Vor acht Jahren musste sein Unternehmen in den USA 385 Mill. Dollar Strafe zahlen.

Dabei reicht der Arm der US-Justiz inzwischen sehr weit. Runte: „Man kann heute nicht mehr sagen: In Obervolta schmiere ich die Leute, und in Amerika merkt’s keiner.“ Deshalb beschäftigt FMC weltweit 50 sogenannte Compliance-Officers, die direkt an die deutsche Zentrale berichten. Dazu kommen 36 Mitarbeiter, die sich alleine in den USA um das Thema kümmern.

Doch nicht nur börsennotierte Konzerne versuchen, möglichst effiziente Kontrollstrukturen zu schaffen. „Sollte ein Verdacht hochkommen, können wir innerhalb weniger Tage reagieren“, sagt Bosch-Manager Carrie. Eine extern betriebene Hotline soll den Mitarbeitern noch in diesem Jahr in Deutschland zur Verfügung stehen, damit die Leute über mögliche Verstöße schnell berichten können. Besetzt wird sie voraussichtlich mit einem Rechtsanwalt, der dann quasi als Ombudsmann handelt. In Japan, Australien und den USA gibt es solche Hotlines bereits.

Eine eigene Compliance-Abteilung hält der Bosch-Manager hingegen für unnötig. Er fürchtet Konflikte um die Zuständigkeiten und Reibungsverluste. Fachleute sehen das allerdings ganz anders: „Das System wird auf die Dauer nicht funktionieren, man braucht eine eigene Compliance-Organisation im Unternehmen, sonst bleibt es halbherzig“, sagt ein Kenner dieses Gebiets, der nicht genannt werden will.

Siemens dagegen investiert massiv in eine eigene Compliance-Truppe. 250 Leute sind es heute, 500 sollen es werden. Das große Engagement des Konzerns hat seinen Grund: Insgesamt sind bei Siemens in den vergangenen Jahren 1,3 Mrd. Euro in dunklen Kanälen verschwunden. Bis 2010 will Siemens beim Thema Compliance weltweit ein Vorbild sein. Rund eine Mrd. Euro lässt sich der Konzern die Aufarbeitung des Skandals kosten, ein mehrstelliger Millionenbetrag soll in den Aufbau des neuen Systems investiert werden.

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