Corporate Governance nach der VW-Dieselaffäre Manager ringen um gute Führung

Der neue Chef der Corporate Governance Kommission Rolf Nonnenmacher plant eine kleine Revolution. Der Kodex soll gründlich revidiert werden. Was aber ist tatsächlich „gute Unternehmensführung“?
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„Nach zwölf Überarbeitungen, bei denen jeweils an den verschiedensten Stellen des Kodex an- und umgebaut wurde, sollten wir uns eine grundlegende Überarbeitung vornehmen“, sagt der neue Chef der Kodex-Kommission. Quelle: dpa
Rolf Nonnenmacher

„Nach zwölf Überarbeitungen, bei denen jeweils an den verschiedensten Stellen des Kodex an- und umgebaut wurde, sollten wir uns eine grundlegende Überarbeitung vornehmen“, sagt der neue Chef der Kodex-Kommission.

(Foto: dpa)

BerlinFünfzehn Jahre nach dem Start des ersten Kodex für gute Unternehmensführung plant die Regierungskommission Deutscher Corporate Governance Kodex nach Aussagen ihres neuen Vorsitzenden Rolf Nonnenmacher über eine grundlegende Revision nach. „Nach zwölf Überarbeitungen, bei denen jeweils an den verschiedensten Stellen des Kodex an- und umgebaut wurde, sollten wir uns eine grundlegende Überarbeitung vornehmen“, sagte Nonnenmacher auf der Jahreskonferenz der Kommission in Berlin. Das Regelwerk soll nach seinen Aussagen künftig weniger „geltendes Recht wiedergeben“, sondern internationale „Best Practices“ aus den Unternehmen berücksichtigen.

Was aber gute Unternehmenspraxis ist, darüber besteht unter Managern keineswegs Einigkeit. „Best Practice ist ein schwammiger Begriff“, kritisierte Peter Bauer, Aufsichtsratschef bei Osram. Und Rubin Ritter, Co-Vorstandschef des Online-Händlers Zalando, findet in den bestehen Kodex-Regeln zu einem Großteil seine Vorstellungen von Unternehmenskultur gar nicht wieder. Etwa die Frage, wie wird Missmanagement verhindert. „Ich hoffe, dass uns niemals so etwas passiert wie Volkswagen.“ Auch wenn es schwierig sei, das in einem Kodex zu regeln: „Das sind Themen, die für mich gute Governance ausmachen“, sagte Ritter. Und weniger die Frage, wie viele Mandate ein Aufsichtsrat haben dürfe.  

Das sind die Spitzenverdiener im Dax
Platz 30: Reinhard Ploss
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Von allen CEOs verdiente Reinhard Ploss im vergangenen Jahr am wenigsten. Der Vorstandschef von Infineon erhielt 2016 knapp über 2,3 Millionen Euro. Das sind rund 500.000 Euro weniger, als er noch 2015 bezog..

Quelle: Dr. Heinz Evers Vergütungsberatung für das Handelsblatt

Platz 29: Peter Terium
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3,49 Millionen Euro erhielt Peter Terium 2016 für sein Arbeit. 2015 verdiente der Vorstandsvorsitzende von RWE noch mehr als 5 Millionen Euro. Terium wechselte im Herbst zu der Tochter Innogy, in die RWE das Geschäft mit den Erneuerbaren Energien abgespalten hat.

Platz 28: Martin Zielke
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Nur 6000 Euro mehr als RWE-Chef Terium verdiente 2016 Martin Zielke. Im zurückliegendem Jahr kam er auf 3,496 Millionen Euro. Zielke wurde allerdings auch erst ab Mai Manager der deutschen Privatbank. 2015 verdiente er noch rund 2,4 Millionen Euro.

Platz 15: Tim Höttges
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Der Manger und Vorstandsvorsitzende der Deutschen Telekom verdiente 2016 rund 6,12 Millionen Euro. Damit konnte Tim Höttges sein Gehalt minimal steigern. 2015 erhielt er noch 23.000 Euro weniger.

Platz 14: Oliver Bäte
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Der Vorstandsvorsitzende der Allianz hat 2016 rund 6,2 Millionen Euro verdient. Im Vergleich zu 2015 konnte Bäte seinen Verdienst so deutlich steigern. Damals bekam er fast eine Million Euro weniger. Bäte wurde allerdings auch erst im Mai 2015 Chef.

Platz 13: Werner Baumann
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Der Manager ist seit Mai 2016 Vorstandsvorsitzender von Bayer. Seine erste wichtige Amtshandlung war das Übernahmeangebot von Bayer mit dem US-Saatgutriesen Monsanto. 2016 verdiente der 54-Jährige 6,4 Millionen Euro und landet damit auf Platz zehn. Sein Vorgänger Marijn Dekkers hatte 2015 eine fast genauso hohe Vergütung erhalten.

Platz 12: Frank Appel
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Seit 2008 ist Appel Chef der Deutschen Post. Der 55-Jährige studierte Chemie und Neurologie und arbeitete danach zunächst als Berater und Projektleiter bei McKinsey & Co. Im vergangenen Jahr verdiente er 6,6 Millionen Euro – ein Plus von rund 500.000 Euro.

Nonnenmacher verwies auf die anhaltenden Zweifel am Nutzen des Kodex, der für die Unternehmen nicht bindend ist. Es stelle sich zwar nicht die Frage, ob der Kodex wieder abgeschafft werden sollte. Die Frage sei aber „welchen Kodex brauchen wir?“

Nach den Vorstellungen des ehemaligen KMPG-Deutschlandchefs Nonnenmacher sollte sich das Regelwerk nicht an der Gliederung des Aktiengesetzes orientieren, sondern an er Managementlogik. „Auf die Wiedergabe geltenden Rechts“ könne der Kodex verzichten.

Einer seiner Vorgänger, Commerzbank-Chefaufseher Klaus Peter Müller, hatte vor einigen Jahren das „Primat der Politik“ als Leitlinie ausgerufen – und einen ganz anderen Kurs verfolgt. Auch die von der Bundesregierung Anfang des Jahrtausends eingesetzte Gründungskommission hatte den Auftrag, den bestehenden gesetzlichen Rahmen im Kodex abzubilden. „Es war das Ziel, ein Gesamtbild der Governance vor allem  für ausländische Investoren abzubilden“, sagte Christian Strenger. Strenger ist Aufsichtsrat und anerkannter Corporate-Governance-Experte.

Nonnenmacher begründete seinen Vorstoß auch mit dem wachsenden Einfluss von Investoren und Stimmrechtsberatern. „Ziel einer jeden Weiterentwicklung muss sein“, so der Kommissionsvorsitzende, „dass der Kodex vernünftigen Erwartungen der Investoren entspricht und eine breite Akzeptanz bei den Unternehmen findet. Akzeptanz meint dabei nicht Kodextreue, sondern eine positive Grundeinstellung zum Kodex.“

Hart ins Gericht ging Nonnenmacher mit den Unternehmensjuristen und Rechtsberatern, die nach seiner Beobachtung „den Kodex weniger als Instrument zur Verbreitung von Best Practice, sondern als lästige Regulierung verstehen.“ Natürlich sei deren Aufgabe, auf Rechtsrisiken hinzuweisen. „Man kann das aber auch übertreiben.“ Nonnenmacher kündigte stattdessen an, den Dialog über die Weiterentwicklung des Kodex insbesondere mit Aufsichtsräten und Vorständen intensivieren zu wollen.

Drei konkrete Themen stünden neben der grundlegenden Revision längerfristig auf der Agenda der Regierungskommission. Zum einen die exakte Definition, was ein unabhängiger Aufsichtsrat ist. Und natürlich das auch in der Öffentlichkeit breit diskutierte Thema Vorstandsvergütung.

Was ein Chef im Verhältnis zu den Mitarbeitern verdient

Kritisch sehe die Kommission Forderungen nach Obergrenzen für eine Pay-Ratio, also das Verhältnis Vorstandsvergütung zu durchschnittlichem Einkommen der Mitarbeiter des Unternehmens. Gewerkschaften und SPD haben entsprechende Vorstellungen präsentiert.

Unabhängig von der Sinnhaftigkeit der Einführung von derartigen Obergrenzen sei der Kodex das falsche Instrument, da er nach dem Comply-or-Explain-Prinzip funktioniert, das begründete Abweichungen bewusst zulässt, sagte Nonnenmacher: „Gesellschaftspolitisch motivierte Anliegen können mit dem Kodex nicht durchgesetzt werden.“

Nonnenmacher plädiert auch dafür, es beiden unverbindlichen Abstimmungen in den Hauptversammlungen über das allgemeine Vergütungssystem zu belassen und nicht durch eine verbindliche Abstimmung zu ersetzen. „Eine verantwortungsvolle Diskussion und Beschlussfassung über die Leistung und dementsprechende Vergütung einzelner Personen kann nur hinter verschlossenen Türen stattfinden. Außerdem warne ich davor, der Hauptversammlung weitere Befugnisse zu geben, solange dort keine für das Abstimmungsergebnis relevante Aussprache stattfindet.“

Das sind die beliebtesten Chefs Deutschlands
Platz 10: Volkmar Denner (Bosch)
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Seit Sommer 2012 ist Denner Vorsitzender der Geschäftsführung von Robert Bosch – und hat es in diesem Jahr noch so gerade in die Top Ten der in Deutschland beliebtesten Manager geschafft. Das ist das Ergebnis einer Untersuchung der Karriereplattform Glassdoor, die zwischen dem 2. Mai 2016 und dem 1. Mai 2017 Tausende Arbeitgeberbewertungen ausgewertet hat. Bei Glassdoor haben die Beschäftigten unter anderem die Möglichkeit, die Frage zu beantworten, ob sie die Geschäftsführung ihres Arbeitgebers befürworten. Bei Bosch lag die Zustimmungsrate zuletzt bei 93 Prozent. Im vergangenen Jahr schaffte es Denner noch auf Rang sechs.

Platz 9: Ralf Hofmann (MHP – A Porsche Company)
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Der Vorsitzende der Geschäftsführung von MHP (links im Bild, hier mit Eberhard Weiblen, Vorsitzender der Geschäftsführung von Porsche Consulting) hat es erstmals in die Rangliste der beliebtesten Manager geschafft. Ein Mitarbeiter aus Niedersachsen urteilt auf Glassdoor: „Viele Handlungsfreiheiten, Einblick und Mitarbeit bei Projekten möglich, sehr angenehme Arbeitsatmosphäre.“

Platz 8: Harald Krüger (BMW)
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1992 begann Krügers Karriere bei BMW – als Trainee im Bereich „Technische Planung/Produktion“. Seit Ende Mai 2015 ist er Vorsitzender des Vorstandes. Obwohl 95 Prozent der User auf Glassdoor seinen Führungsstil befürworten, fällt er 2017 von Rang zwei auf Platz acht der beliebtesten Manager in Deutschland zurück.

Platz 7: Bill McDermott (SAP)
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Zwei Ränge aufwärts geht es in diesem Jahr hingegen für den Vorstandssprecher von SAP: 98 Prozent der User, die für den Software-Riesen arbeiten, haben seinen Führungsstil befürwortet. Fast genauso viele würden den Konzern an einen Freund weiterempfehlen. Ein in Walldorf beschäftigter Mitarbeiter lobt unter anderem das Arbeitsklima, die Innovationsfähigkeit des Unternehmens sowie die Arbeit im Team.

Platz 6: Kasper Rorsted (Adidas)
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Bis zum 30. April 2016 war Kasper Rorsted noch Vorstandsvorsitzender bei Henkel. Fünf Monate später übernahm der Manager den Vorstandsvorsitz des Sportartikelherstellers Adidas – und schafft es nun erstmals in die Top Ten. Auch wenn viele User auf Glassdoor seinen Führungsstil befürworten, hat ein Mitarbeiter in Herzogenaurach noch einen Tipp fürs Management, weil er der Meinung ist, dass es bei manchen Mitarbeitern an Motivation mangelt: „Klare und straffe Ziele setzen, um mehr Dynamik in die Arbeitsmoral zu bringen.“

Platz 5: Oliver Bäte (Allianz)
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Im vergangenen Jahr belegte der Vorstandsvorsitzende des Versicherungskonzerns noch Platz sieben. Nun geht es für ihn zwei Ränge nach oben. Von 1993 bis 2007 arbeitete der zweifache Familienvater für die Unternehmensberatung McKinsey & Company. Seit Januar ist Bäte Vorstandsmitglied der Allianz.

Platz 4: Elmar Degenhart (Continental)
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2015 landete der Continental-Vorstandsvorsitzende auf Platz sechs, ein Jahr später verschwand er aus der Rangliste – und sichert sich in diesem Jahr den vierten Rang. 99 Prozent der Mitarbeiter, die auf Glassdoor eine Bewertung abgegeben haben, befürworten Degenhart. Acht von zehn würden das Unternehmen der Auswertung zufolge an einen Freund weiterempfehlen.

Der Kommissionschef wies darauf hin, dass sich die Stimmrechtsberater in der Vergangenheit bereits vor der Hauptversammlung auf ihr Votum festgelegt hatten. In dieser Saison der Aktionärstreffen waren allein drei von acht Aktiengesellschaften mit ihren Vergütungssystemen in der Hauptversammlung gescheitert. Pro Sieben Sat.1, Merck und Münchener Rück. Und bei SAP wurde der Aufsichtsrat nur knapp entlastet.

Diskussionen im Vorfeld mit den Investoren und Beratern hätten daran vermutlich etwas ändern können, meinte Nonnenmacher. Und er verteidigte damit auch die jüngste Änderung des Kodex. Aufsichtsratsvorsitzenden ist es nun freigestellt, selber mit Investoren zu reden. Dafür ist nach dem deutschen Aktiengesetz eigentlich der Vorstand zuständig. Diese Änderung des Kodex war deshalb sehr umstritten.

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