Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Corporate Governance Vorstände sollten spüren, wenn es für ihr Unternehmen nicht gut läuft

Dürfen trotz der Corona-Pandemie und Staatshilfen Boni und Dividenden fließen? Investoren und der Topmanager Werner Brandt mahnen zur Umsicht.
23.04.2020 - 19:15 Uhr Kommentieren
Diese Szene dürfte es in diesem Jahr nicht mehr geben. Quelle: dpa
Abstimmung auf einer Hauptversammlung

Diese Szene dürfte es in diesem Jahr nicht mehr geben.

(Foto: dpa)

Düsseldorf Führende Konzerne verschieben in diesen Tagen wegen der Kontaktsperren nicht nur ihre Hauptversammlungen, auch bereits avisierte Dividenden werden gestrichen. Vorstände kündigen an, in diesem Jahr Gehaltsverzicht zu üben.

Gerade erst hat der Medienkonzern Pro Sieben Sat 1 Jahresprognose und Dividende kassiert. Begründung: Die wirtschaftliche Lage sei zu unsicher. Nicht immer reagieren Unternehmen ganz freiwillig. Investoren machen zunehmend Druck und einflussreiche Manager wie Pro-Sieben-Sat-1-Chefaufseher Werner Brandt mahnen Zurückhaltung an.

Aufsichtsräte und Vorstände der führenden deutschen Aktiengesellschaften erhalten in diesen Tagen ein Schreiben aus London, das sie beachten sollten. Darin kündigt der Investmentmanager Federated Hermes eine neue Abstimmungspolitik auf Hauptversammlungen an. Verbunden mit der klaren Ansage an die Unternehmen, „ihre Bilanzen zu stärken“, statt Dividenden auszuschütten, und bei der Zahlung von Vorstandsboni „die Situation der Belegschaft und der Gesellschaft“ zu berücksichtigen“.

Für Hermes ist das ein ungewöhnlicher Schritt. Vertritt das Unternehmen doch die Interessen von Investoren, etwa Pensionsfonds. Und die wollen Rendite. Doch in diesem Jahr ist alles anders. Hermes-Manager Hans-Christoph Hirt sagte dem Handelsblatt: „Dividenden werden nicht im luftleeren Raum gezahlt“ und bei den Vergütungen sollte sich das Management fragen: „Was ist in einem Krisenjahr angemessen?“

Top-Jobs des Tages

Jetzt die besten Jobs finden und
per E-Mail benachrichtigt werden.

Standort erkennen

    Der Berater aus London heizt damit eine Debatte an, die mit den Beschlüssen der Bundesregierung über milliardenschwere Staatshilfen für Unternehmen zur Bekämpfung der Coronakrise verschärft geführt wird. Sollen Dividenden ausgezahlt werden? Sind Prämien angemessen?

    Jedes Unternehmen sollte sich Gedanken machen über die Wirkung in der Öffentlichkeit. Werner Brandt, Aufsichtsrat Pro Sieben Sat 1, Siemens und RWE

    Deutsche Konzerne planen bislang, etwa 40 Milliarden Euro an Dividenden auszuschütten. Nach und nach streichen einige die Ausschüttung mit dem Hinweis, Liquidität zu sichern. Viele halten aber noch daran fest.

    Der Agro- und Pharmakonzern Bayer etwa will am Dienstag seinen Dividendenvorschlag auf der ersten virtuellen Hauptversammlung durchsetzen. Die Fondsgesellschaft Union Invest hat schon Widerstand angemeldet. 2,80 Euro seien zu viel, solange die finanziellen Folgen der Pandemie nicht absehbar sind.

    Auch der Staat bremst: Die Bundesregierung hat zur Bedingung gemacht, dass bei Direktbeteiligungen und staatlich verbürgten Krediten über 500 Millionen Euro weder Dividenden noch Erfolgsboni an die Vorstände gezahlt werden. Derzeit haben laut bundeseigener KfW-Bank 17 große Konzerne Bürgschaften über 19 Milliarden Euro beantragt.

    Bewilligt ist bereits das Geld für Adidas. Der Sportschuhhersteller hat sich 2,4 Milliarden Euro Kredit absichern lassen und musste deshalb den Vorgaben des Bundes folgen. Für die Vorstände um CEO Kasper Rorsted fallen damit 2020 etwa 16 Millionen Euro Erfolgsbeteiligungen weg.

    Strittig ist die Frage, ob Unternehmen mit Kurzarbeit Konsequenzen ziehen müssen, etwa, indem sie Dividenden streichen. Für Multiaufseher Werner Brandt, der auch Mandate bei RWE und Siemens hat, ist das eine Abwägung: „Kurzarbeit ist in erster Linie eine Arbeitsmarktmaßnahme zur Sicherung von Arbeitsplätzen und eben keine staatliche Finanzierungshilfe für die Unternehmen im klassischen Sinn. Dennoch sollte sich jedes Unternehmen Gedanken machen über die Wirkung in der Öffentlichkeit“, mahnt Brandt.

    „Verzicht“ nur freiwillig

    Vergütungsverzicht der Vorstände wegen der Pandemie, darin sind sich Brandt wie Hirt einig, sollte auf jeden Fall freiwillig sein. Brandt hält es aber durchaus „für nachvollziehbar, dass Unternehmen, deren Mitarbeiter in großen Teilen – wenn das Unternehmen nicht aufstockt – durch Kurzarbeit erhebliche Gehaltseinbußen erleiden, hier proaktiv ein Zeichen im Management setzen“.

    Brandt weist allerdings auch darauf hin, dass die aktuelle Entwicklung der Weltwirtschaft, die sich infolge der Coronakrise abzeichnet, „ohnehin Folgen für den Unternehmenserfolg vieler Unternehmen und somit für die Organvergütung“ haben wird. Anders formuliert: Boni und Tantiemen, die in der Regel zwei Drittel der Vorstandsvergütung von Dax-Managern ausmachen, werden 2020 sowieso einbrechen.

    Investmentstratege Hirt erinnert an den Sinn von Prämien: „Vorstände müssen auch spüren, wenn es einmal nicht so gut läuft.“ Und er schiebt gleich eine Warnung hinterher. Aufsichtsräte sollten deshalb gar nicht erst auf die Idee kommen, „mit heißer Nadel die Erfolgsziele der ,long term incentives‘ aufzuweichen“. Hermes, so die klare Botschaft, wird eine Korrektur der Langfristprämien zugunsten der Vorstände nicht mitmachen. Das Wort des milliardenschweren Geldverwalters aus London hat auch bei deutschen Unternehmen Gewicht.

    Mehr: Dividende trotz Staatsgeld: Ausschüttungen werden zum Streitfall

    Startseite
    Mehr zu: Corporate Governance - Vorstände sollten spüren, wenn es für ihr Unternehmen nicht gut läuft
    0 Kommentare zu "Corporate Governance: Vorstände sollten spüren, wenn es für ihr Unternehmen nicht gut läuft"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    Zur Startseite
    -0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%