Dax-Konzern Belgier De Loecker wird neuer Beiersdorf-Chef

Der Favorit macht das Rennen: Beim Kosmetikhersteller beerbt Vorstand De Loecker den bisherigen CEO Heidenreich. Der Belgier war zuvor bereits aufgerückt.
Update: 15.10.2018 - 17:02 Uhr Kommentieren
Beiersdorf: Stefan De Loecker wird neuer Chef Quelle: Beiersdorf
Stefan De Loecker

Der Manager ist seit Juni mit der Vertretung des Vorstandsvorsitzenden beauftragt.

(Foto: Beiersdorf)

HamburgDie Hängepartie beim Dax-Konzern Beiersdorf hat ein Ende: Am Montag hat der Aufsichtsrat Stefan De Loecker endgültig zum Nachfolger des scheidenden Firmenchefs Stefan Heidenreich berufen. Der im Siegerland geborene Belgier soll das Amt ab dem 1. Januar übernehmen. De Loecker ist bereits seit 2014 im Vorstand.

Es ist ein Wechsel mit Ansage: Schon Mitte Juni kündigte der Nivea-Hersteller Beiersdorf an, Konzernchef Heidenreich werde seinen bis Ende 2019 laufenden Vertrag nicht verlängern. Schon zu diesem Zeitpunkt wurde De Loecker offiziell Stellvertreter von Heidenreich und bekam die zentrale Zuständigkeit für die Strategie.

Hauptaktionär Michael Herz, bekannt für sein großes Mitsprachebedürfnis, wählte eine ungewöhnliche Konstruktion: De Loecker bekam quasi eine Probezeit, um die Tauglichkeit zum Konzernchef zu beweisen. Offenbar konnten die Vorstellungen des Managers überzeugen.

De Loecker übernimmt ein Luxusproblem: Beiersdorf sitzt auf mehr als fünf Milliarden Euro ungenutzter Finanzreserve. Heidenreich hatte immer wieder angekündigt, Zukäufe zu erwägen, war aber nicht fündig geworden. Stattdessen stärkte Heidenreich in seinen sechs Jahren als Vorstandschef das operative Geschäft: Die Marge legte deutlich zu und erreicht inzwischen fast das Niveau bedeutend größerer Konkurrenten wie L‘Oréal.

Dazu konzentrierte er zunächst das internationale Geschäft mit Hautpflege – zulasten etwa von Make-up und Haarpflege. Anschließend stärkte Heidenreich kleinere Beiersdorf-Marken wie das Deo Hydrofugal.

Ein weiterer Hoffnungsträger ist die Super-Luxus-Marke La Prairie, die mit Preisen um 1000 Euro für einen Tiegel vor allem Kundinnen in asiatischen Wachstumsmärkten gewinnt. Heidenreich gab diesen Marken organisatorischen Freiraum – fast wie ihn die weitgehend selbstständige Klebeband-Tochter Tesa nutzen kann.

Zwar konnte Heidenreich den Aktienkurs in seiner Amtszeit verdoppeln und Beiersdorf als stabil wachsenden Konzern etablieren. Zuletzt aber geriet die Erfolgsgeschichte etwas ins Stocken. Vor einem Jahr wurde der Konzern Opfer einer großen Cyberattacke, die den Betrieb tagelang fast völlig lahmlegte. Die Zahlen für 2017 weckten keine Begeisterung: Der Nettogewinn sank leicht auf 689 Millionen Euro bei erstmals über sieben Milliarden Euro Umsatz.

De Loecker soll nun die Zahlen weiter ankurbeln. „Der Aufsichtsrat schätzt die Leistungen von Herrn De Loecker für Wachstum und Erneuerung“, teilte Aufsichtsratschef Reinhard Pöllath mit. Damit spielt er offenbar auf Erfolge in Schwellenländern an: De Loecker war im Vorstand unter anderem für Indien, Nahost und Afrika, zuletzt auch für Süd- und Nordamerika zuständig.

Nicht schaden kann auch, dass De Loecker nach seiner Nestlé-Zeit kurz Erfahrungen bei Tesco im Handel sammelte. „Der Aufsichtsrat unterstützt nachdrücklich seine beabsichtigte Konzentration auf Verbraucher und Verbrauchernutzen, Digitalisierung, Internationalisierung und nachhaltiges Wachstum“, erklärte Pöllath.

Im Unternehmen wird diese Liste als Zeichen für Konstanz gewertet: Digitalisierung hatte Heidenreich in den vergangenen beiden Jahren bereits durch neue Abteilungen und Projekte betont. Wachstum durch Internationalisierung war seit ehedem sein Programm. Kein Wort in der Mitteilung steht jedoch über Zukäufe. Allerdings werde De Loecker seine eigene Strategie demnächst noch weiter ausarbeiten, sagte eine Unternehmenssprecherin.

Die Zukunft der Familie Herz ist ungeklärt

Die Anleger werteten den Wechsel offenbar ebenfalls als Zeichen von Konstanz. Die Aktie notierte nur leicht schwächer – ein Beleg dafür, dass der Wechsel zu De Loecker niemanden mehr überraschen konnte.

Heidenreich soll bis zum Jahresende an Bord bleiben und wird am 30. Oktober die Umsatzzahlen zum dritten Quartal präsentieren. Er hatte in den vergangenen Jahren immer wieder damit kokettiert, er könne sich einen früheren Ruhestand vorstellen und Hobbys wie das Segeln pflegen. Allerdings vermittelte er zugleich den Eindruck, sich eine weitere Amtszeit gut vorstellen zu können. Vor einem Jahr zeigte er begeistert die Pläne für den Neubau der Konzernzentrale in Hamburg – und plante bereits sein neues Chefbüro.

Einen Generationswechsel leitet Großaktionär Herz mit der Entscheidung nicht unbedingt ein: De ‧Loecker ist mit 51 Jahren nur vier Jahre jünger als der scheidende Chef. Doch Herz selbst zeigt mit dem Schritt, dass er mit 75 Jahren noch entscheidungsfreudig ist. Zur eigenen Nachfolge und zu der seines nur knapp fünf Jahre jüngeren Vertrauten Pöllath hat sich der Hamburger Tchibo-Erbe noch nicht geäußert.

Zwar haben er und sein Bruder Wolfgang das Vermögen bereits steuergünstig und in einem Poolvertrag gebündelt an die nächste Generation übergeben. Doch aus dieser drängt es bislang offenbar niemanden, die nach innen offensive und nach außen streng zurückhaltende Rolle von Michael Herz zu übernehmen.

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