Deutsch-französische Firmenallianzen Der neidische Blick französischer Unternehmer

Siemens mit Alstom, PSA und Opel: Deutsche und französische Industrieunternehmen kooperieren immer häufiger. Doch eine Studie zeigt: Bei der Wettbewerbsfähigkeit gibt es große Unterschiede. Das sorgt für Spannungen.
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Siemens mit Alstom, PSA und Opel: Schwierige Partnerschaften Quelle: dpa
Schnellzüge ICE und TGV

Allianzen zwischen deutschen und französischen Industrieunternehmen sind mitunter schwierig.

(Foto: dpa)

DüsseldorfWenn aus Wettbewerbern plötzlich Partner werden sollen, geht das selten ohne Nebengeräusche – besonders wenn die einstigen Konkurrenten aus benachbarten Ländern kommen. So war es auch bei der Übernahme von Opel durch den französischen Autobauer PSA, dem Konzern hinter den Marken Peugeot und Citroën: PSA-Chef Carlos Tavares hat in einem Interview mit der „Welt“ die Strukturen in Rüsselsheim als „überdimensioniert“ und „nicht effizient genug“ bezeichnet.

Ex-Opel-Chef Karl-Thomas Neumann wies die Kritik mit ungewöhnlich deutlichen Worten zurück: „Erst mal besser machen und Erfolge zeigen“, twitterte er – und nannte Tavares‘ Äußerungen „arrogant“.

Auch beim europäischen Flugzeugbauer Airbus brachen nach Korruptionsvorwürfen alte Fehden zwischen Managern aus Frankreich und Deutschland wieder auf: Der deutsche Chef Tom Enders nannte die französisch geprägte Vertriebsabteilung „Bullshit Castle“.

Sein Vize, der Franzose Fabrice Brégier, hatte wiederum einige Mühe, Gerüchte zu zerstreuen, dass er es auf Enders‘ Job abgesehen habe. Die Reibereien in der jüngsten Vergangenheit zeigen: Trotz zahlreicher länderübergreifenden Kooperationen – von Siemens und Alstom über PSA und Opel bis hin zu einem möglichen Einstieg der Bank BNP Paribas bei der Commerzbank – ist die Rivalität zwischen Unternehmen beider Länder nur schwer zu überbrücken.

Häufig gibt es in Frankreich größere Vorbehalte gegen eine Zusammenarbeit mit deutschen Konzernen. Denn die Franzosen spüren die Konkurrenz aus Deutschland stärker als umgekehrt. Das bestätigt eine aktuelle Umfrage unter deutschen und französischen Industrieunternehmen, die das Marktforschungsinstitut „Opinion Way“ im Auftrag des Personaldienstleisters Randstad geführt hat.

Renault, Airbus und Co. – bei welchen Konzernen Macron mitmischt
Regierung Macron
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Die französische Regierung will in den kommenden Monaten damit beginnen, Anteile an Unternehmen abzustoßen. Es werde damit gerechnet, dass dabei zehn Milliarden Euro zusammenkämen, sagte Finanzminister Bruno Le Maire. Sie sollten in Innovationsprojekte fließen. Der Steuerzahler werde sehen, dass das Geld „für die Zukunft und nicht die Vergangenheit“ ausgegeben werde. Der französische Präsident Emmanuel Macron (hier beim Besuch einer Schiffswerft) hatte im Wahlkampf angekündigt, Minderheitsanteile an Unternehmen zu veräußern.

EDF
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An dem Energieversorger hält der Staat 83,4 Prozent, es ist der höchste Staatsanteil an einem Unternehmen. Die Börsenkapitalisierung beträgt 26 Milliarden Euro. Innerhalb eines Jahres ist der Kurs um 19,56 Prozent gefallen. Das ist der stärkste Verlust in diesem Zeitraum im Staatsportfolio noch vor Dexia. Das Unternehmen hat 159.000 Mitarbeiter. Im Bild zu sehen ist das Atomkraftwerk Fessenheim an der Grenze zu Baden-Württemberg.

ADP
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An dem Flughafenbetreiber hält der Staat 50,63 Prozent. Die Börsenkapitalisierung liegt bei knapp 14 Milliarden Euro. Innerhalb eines Jahres ist die Aktie um 40 Prozent gestiegen. Zu ADP gehören unter anderem die Flughäfen Roissy Charles de Gaulle, der zweitgrößte in Europa, und Orly bei Paris (Bild). Die Gruppe hat 8900 Angestellte.

Areva
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Am Atomkonzern Areva ist Frankreich mit 28,83 Prozent beteiligt. Der Börsenwert des Unternehmens liegt bei 1,7 Milliarden Euro. Innerhalb eines Jahres ist der Wert um 23,68 Prozent gestiegen. Das Unternehmen beschäftigt 44.000 Mitarbeiter.

Engie
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Der Energieversorger entstand 2008 aus der Fusion von Gaz de France und Suez. Frankreich hält derzeit 28,65 Prozent. Der Börsenwert beträgt 32 Milliarden Euro. Innerhalb eines Jahres ist der Wert um 8,66 Prozent gefallen. Das Unternehmen hat 155.000 Mitarbeiter.

Thales
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An Thales, Spezialist für Sicherheit, Militärtechnik und Luftfahrt, ist der Staat mit 25,97 Prozent beteiligt. Der Börsenwert beträgt 20 Milliarden Euro. Der Kurs ist innerhalb eines Jahres um 26,45 Prozent gestiegen. Das Unternehmen hat 62.000 Mitarbeiter.

Eramet
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An dem Bergbau und Metallurgie-Unternehmen Eramet hält der Staat 25,66 Prozent. Der Börsenwert beträgt 1,1 Milliarden Euro. Der Kurs ist innerhalb eines Jahres um 33,29 Prozent gestiegen, allerdings nach einem starken Anstieg im Jahr 2016 um 92 Prozent seit Anfang 2017 um 23 Prozent abgerutscht. Eramet hat 13.000 Mitarbeiter.

Demnach sagen 37 Prozent der befragten französischen Unternehmen, dass unter den wichtigsten Konkurrenten deutsche Unternehmen sind. Andersherum zählen nur 16 Prozent der deutschen Unternehmen französische Firmen zu ihren größten Rivalen.

Befragt wurden jeweils 200 Entscheider aus deutschen und französischen Firmen. „Deutsche Industrieunternehmen stehen im internationalen Wettbewerb sehr gut da. Deutschland punktet vor allen Dingen mit gut ausgebildeten Fachkräften“, sagt Richard Jager, Deutschland-Chef von Randstad. „Die Unternehmen haben erkannt, dass qualifizierte Mitarbeiter der Garant für Erfolg und damit ein wichtiger Wettbewerbsvorteil sind.“

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4 Kommentare zu "Deutsch-französische Firmenallianzen: Schwierige Partnerschaften"

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  • Wer von den Mentalitätsunterschieden zwischen Franzosen und Deutschen überrascht wird, ist kein erfahrener Manager. Die nervende Gleichmacherei-Denke der Politiker ist es, was die EU lähmt, nicht fördert. Gar nicht auszudenken, was bei einem gemeinsamen Militärbündnis in der EU passieren würde.

  • Die Erfahrungen konnte ich bisher in jedem internationalen Unternehmen machen, wo es außer einer namentlichen Fusion noch keine großen Änderungen in den Strukturen gab. Egal ob Deutschland - XYZ oder auch XYZ - ABC - einer zieht dabei fast immer den Kürzeren und fühlt sich benachteiligt. Das schlägt auf Dauer immer auf die Stimmung.

    Der stärkere Partner hat hingegen immer gut lachen.

  • Das ist sicher nicht angenehm für unsere französischen Freunde, denn normalerweise sind ja die Franzosen es gewohnt, dass sie nach einem Firmenzusammenschluss das Sagen haben. Aber Merkel wird das sicherlich mit ihrem Freund Macron bald korrigieren und Frankreich ein paar Trümpfe unterm Tisch zuschieben.

  • Deutsch - Französische Unternehmen und Partnerschaften leiden regelmässig unter den unterschiedlichen Denkmustern und Gepflogenheiten beider Länder.

    -Soweit ich dies verstehe denken französische Manager stärker "politisch" strategisch in Machtfragen und Deutsche Manager eher zielorientiert in der Sache.
    -Vielfach wirken französische Konzepte komplexer, lassen Deutsche misstrauisch werden.
    - Die französische Unternehmenskultur ist auch stärker formal, hierarchisch geprägt. Darf ich als ...dem Directeur ... schreiben? Sachkritik an Vorgesetzten wird wesentlich indirekter formuliert. Sachkritik wird auch häufig politisch aufgefasst...etc...

    Insgesamt ist das meist für beide Seiten ein Minenfeld

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