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Deutsche Post, Linde, Siemens Aktienrückkäufe: Nur wenige deutsche Konzerne trauen sich

Im Vergleich zu den USA halten sich die Unternehmen zurück. Siemens aber greift bei niedrigen Kursen besonders stark zu und bindet damit auch seine Mitarbeiter.
15.06.2021 - 10:00 Uhr Kommentieren
Noch bis Ende 2021 will der Konzern für drei Milliarden Euro eigene Aktien vom Markt nehmen. Quelle: dpa
Siemens

Noch bis Ende 2021 will der Konzern für drei Milliarden Euro eigene Aktien vom Markt nehmen.

(Foto: dpa)

Düsseldorf In den USA kauft Apple in einem Quartal mehr eigene Aktien zurück als alle deutschen Unternehmen in einem Jahr zusammen. 2020 stoppten die wenigen Rückkäufer wie Adidas und Munich Re wegen der unsicheren Aussichten durch die Corona-Pandemie ihre Programme.

Vor allem am Sportartikelhersteller entzündete sich Kritik, weil Kurzarbeitergeld und Staatskredite auf Rückkäufe und Dividenden folgten. 2021 ziehen die Rückkäufe aber an.

Deutsche Post

Die Deutsche Post kauft seit März für eine Milliarde Euro eigene Anteilsscheine zurück. Das Programm ist auf ein Jahr befristet. Die Aktien sollen nicht nur eingezogen und vernichtet, sondern auch für langfristige Vergütungsprogramme verwendet werden.

Dank des boomenden Online-Handels hat die Post 2020 so viel wie noch nie verdient. Vorstand und Aufsichtsrat begründeten den Beschluss mit dem hohen Barmittelzufluss von 2,5 Milliarden Euro und dem guten Ausblick.

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    Linde-Praxair

    Der mit Abstand größte Rückkäufer ist Linde-Praxair. Kurz nach der Fusion von Linde mit dem US-Wettbewerber beschloss das Unternehmen das größte Rückkaufprogramm in der deutschen Geschichte: Von Dezember 2018 bis Januar 2021 wurden für knapp sechs Milliarden Dollar Aktien vom Markt genommen. Seit Februar läuft ein neues Fünf-Milliarden-Programm. Aktuell kauft Linde täglich eigene Aktien, im Mai für rund 330 Millionen Dollar.

    Anlass dafür sind Milliarden-Einnahmen aus kartellrechtlich angeordneten Beteiligungsverkäufen nach der Fusion. Größere Zukäufe kommen nicht infrage, weil sich der Gasemarkt weltweit nur noch auf vier Unternehmen verteilt. Um das Geld nicht negativ verzinst auf Konten liegen zu lassen, verknappt der Konzern das Aktienangebot. Der Kurs ist seit der Fusion vor drei Jahren um 65 Prozent gestiegen, der Dax nur um 38 Prozent.

    Siemens

    Der wohl geschickteste Rückkäufer ist Siemens. Seit November 2018 und noch bis Ende 2021 will der Konzern für drei Milliarden Euro eigene Aktien vom Markt nehmen. 2,4 Milliarden Euro wurden bereits ausgegeben: zu einem Durchschnittskurs von 84,91 Euro je Aktie. Das ist bemerkenswert, denn seit Beginn des Programms notierten Siemens-Aktien nur im März und April 2020 unter diesem Kursniveau.

    Doch Siemens agiert flexibel: Während dieser zwei Monate kaufte der Konzern für 1,2 Milliarden Euro eigene Aktien – also für die Hälfte des bisherigen Gesamtvolumens. Besonders viele Aktien – täglich mehr als eine Million – erwarben die Münchener in der zweiten und dritten Märzwoche 2020, als der Kurs infolge des weltweiten Börsencrashs nach Ausbruch der Pandemie fast bis auf 60 Euro eingebrochen war.

    Siemens vernichtet nicht alle Papiere. Im Februar gingen 625.000 Aktien im Wert von 83 Millionen Euro an fast 93.000 Mitarbeiter. Zugleich startete ein neuer Aktienplan. 155.500 der weltweit 247.000 Angestellten halten inzwischen Firmenaktien. Ziel ist es, die Belegschaft enger ans Unternehmen zu binden und beim Vermögensaufbau zu unterstützen.

    Mehr: US-Konzerne steigern Aktienrückkäufe auf neue Rekordhöhe

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