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Reinhard Grindel

Der DFB-Präsident erklärte seinen sofortigen Rücktritt.

(Foto: imago images / regios24)

Deutscher Fußball-Bund Auf Grindels Zeit an der DFB-Spitze lag nur selten Segen

Der Präsident des Deutschen Fußball-Bundes ist von seinem Posten zurückgetreten. Grindel galt als streitbar, er blickt auf eine unrühmliche Amtszeit zurück.
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DüsseldorfEs ist jetzt ziemlich genau drei Jahre her. Als Reinhard Grindel im April 2016 im Rahmen eines außerordentlichen Bundestags des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) zum neuen Präsidenten gewählt wird, hat er allerlei Versprechungen im Gepäck.

Beim weltgrößten Sportverband soll es künftig eine Stabsstelle für Compliance und Controlling geben, zudem eine Ethikkommission – damit sich die „Sommermärchen-Affäre“, über die sein Vorgänger Wolfgang Niersbach gestürzt war, nicht wiederholen kann. Transparenz, das war bei seiner Antrittsrede zu hören, ist für Grindel das höchste Gut.

Allzu viel ist davon nicht übrig geblieben. Grindel ist am Dienstag mit sofortiger Wirkung von seinem Posten zurückgetreten. Bis zum nächsten DFB-Bundestag werden die Vizepräsidenten Rainer Koch und Reinhard Rauball die Führung des Verbandes interimsmäßig übernehmen. Seine Ämter im Fifa-Council und im Uefa-Exekutivkomitee führt Grindel weiter fort.

Der 57-Jährige gab seine Entscheidung in einer persönlichen Erklärung in der Frankfurter Verbandszentrale bekannt. „Ich entschuldige mich dafür, dass ich durch mein wenig vorbildliches Handeln in Zusammenhang mit der Annahme einer Uhr Vorurteile gegenüber haupt- oder ehrenamtlich Tätigen im Fußball bestätigt habe“, sagte er zur Begründung.

Grindel hatte 2017 zum Geburtstag von einem ukrainischen Fußball-Oligarchen, dem Präsidenten von Dynamo Kiew, eine Luxusuhr geschenkt bekommen. Weil es sich für ihn um ein Privatgeschenk handelte, hatte Grindel den DFB nicht informiert.

Aus Grindels Versprechen, künftig transparent zu agieren, ist nichts geworden. Peter Rohlmann – Sportmarketingexperte

Unmittelbar zuvor war bekannt geworden, dass Grindel der Öffentlichkeit Vergütungen in Höhe von 78.000 Euro als Aufsichtsratschef einer DFB-Tochtergesellschaftaft in den Jahren 2016 und 2017 verschwiegen hatte.
Beides nagt an Grindels Glaubwürdigkeit. „Es ist schade, dass sich der DFB immer weiter von der Basis entfremdet“, sagt Sportmarketingexperte Peter Rohlmann dem Handelsblatt.

„Nach der Sommermärchen-Affäre hatte Reinhard Grindel die Chance, den Verband zu modernisieren. Doch aus seinem Versprechen, künftig transparent zu agieren, ist nichts geworden.“ Von Maßstäben, wie sie in Sachen Compliance bei vergleichbar großen börsennotierten Unternehmen angelegt werden, ist der DFB trotz einer Bilanzsumme von mehreren Hundert Millionen Euro weit entfernt.

Stattdessen ist der Verband geprägt durch Seilschaften und Postengeschacher. Ein Beispiel: Der eigentlich für Ende Oktober 2019 geplante DFB-Bundestag wurde um einen Monat vorverlegt, um Niedersachsens Verbandschef Günter Distelrath die Wahl ins Präsidium zu ermöglichen. Distelrath hätte wegen Überschreiten der Altersgrenze von 70 Jahren im Oktober nicht mehr gewählt werden können.

Der Jurist Grindel startete seine berufliche Laufbahn als Redakteur beim Radio, später arbeitete er für das ZDF. Von 2002 bis 2016 saß der gebürtige Hamburger mit CDU-Parteibuch im Bundestag. Grindel gilt als streitbar, er habe eine „kurze Zündschnur“, berichten Weggefährten. Grindels größter Erfolg als DFB-Präsident ist die geglückte Bewerbung um die Fußball-EM 2024.

Ansonsten lag auf seiner Zeit an der Verbandsspitze nur selten Segen. In der Affäre um die Fotos von Mesut Özil und Ilkay Gündogan mit dem umstrittenen türkischen Staatschef Recep Tayyip Erdogan 2018 ließ Grindel es an Rückhalt für die beiden damaligen Nationalspieler vermissen.

Zuvor hatte es bereits Kritik wegen einer übereilten Vertragsverlängerung mit Bundestrainer Joachim Löw gegeben. Ungeschickt wirkte Grindel auch, als er den Umgang von Löw mit der Ausmusterung der Nationalspieler Thomas Müller, Mats Hummels und Jérôme Boateng monierte.

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