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Die Legende überlebt Die diskreten Zirkel der Wirtschaft

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Überseeclub Hamburg

Es ist eine erste Adresse. Wie der Industrieclub Düsseldorf an der Königsallee so liegt auch der Überseeclub in bester Lage – am Jungfernstieg. Das Bürgerpalais aus dem 19. Jahrhundert, das Amsick-Haus, ist hochherrschaftlich. Und die Küche wird vom besten Haus am Platze, dem Hotel Atlantic betrieben. Nichtsdestotrotz – oder gerade deswegen: Es herrscht hanseatische Zurückhaltung. „Mehr Sein als Schein“, sagt Geschäftsführer Burghard von Cramm, 74.

Da passt es ins Bild, dass der Eingang versteckt in einer Seitenstraße liegt. Ein mattes Messingschild und ein kleiner, runder Klingelknopf weisen den Weg. Den Eintretenden empfängt ein höflicher Willkommensgruß des Concierges, die helfenden Hände eines Livrierten an der Garderobe und eine Silberschale mit Elstar-Äpfeln und dem Hinweis: „One apple a day keeps the doctor away.“ An der Wand prangt das Raucherreglement und die Kleiderordnung: „Bei allen Veranstaltungen im Clubhaus, auch mittags, bitten wir um eine angemessene Garderobe. Bei Herren heißt das grundsätzlich Jacket und Krawatte oder Nationaltracht. Bei Damen gilt entsprechende Kleidung.“

2300 Mitglieder scheinen mit diesen Regeln d’accord zu sein, Tendenz steigend. Denn anders als in Düsseldorf und Frankfurt, wo die Mitgliederzahl gedeckelt ist, wächst Hamburg. Das Amsinck-Haus ist ein offenes und lebhaftes.

Ein Dienstagabend im Februar, der Jour fixe. Rund 120 Mitglieder und Gäste füllen die Halle im Erdgeschoss, die noch am Mittag mit gardinenverhängten Fenstern, den rotgrünen Säulen und den Kronleuchtern so leer und antiquiert gewirkt hatte. Selbst auf der mit tiefem grünen Teppich belegten Treppe wird noch Platz genommen. Das Thema: die ungezügelte Gier als Motor des Wirtschaftslebens.

Der Vortrag ist kurz, die Diskussion lebhaft. „Das war aber starker Tobak“, lautet die erste Wortmeldung. Es folgen Verteidigung, Gegenthesen, spontaner Applaus. Die Veranstaltung gerät zu einem Proseminar einer geisteswissenschaftlichen Fakultät. Jeder, der sich zu Wort meldet, nennt nur seinen Namen, weder Funktion noch Firma. Es geht zur und um die Sache.

Nach einer Stunde wird der Referentin „in aller Bescheidenheit“ ein Strauß Blumen überreicht – und der gemütliche Teil beginnt. Im Festsaal und den Alsterzimmern im ersten Stock gehen die Diskussionen weiter. Gereicht und gespeist werden „in Understatement“ britische Basisverpflegung: Clubsandwiches und kleine Amerikaner, jeweils zwei pro Person.

Ein gelungener Abend – auch für Guido Graf Finckenstein, Clubmitglied seit 1998. Der 47-Jährige sitzt in einem roten Sessel im Alsterzimmer. Den Vortrag fand er „mal wieder sehr interessant“. Der Managing Director der Vermögensverwaltung Focam ist in Plauderlaune. Er schätzt den Überseeclub wegen des breiten Themenspektrums der Veranstaltungen, der stilvollen Räume und des persönlichen Charakters. Besonders „wohltuend“ empfindet er, dass der Überseeclub nicht wie „diverse neumodische Businessclubs“ als geschäftliche Kontaktbörse genutzt wird: „Ungebeten verteilt man hier keine Visitenkarte, das geht gar nicht.“

Der Überseeclub ist deshalb aber kein Ort, an dem keine Geschäfte angebahnt oder gar gemacht würden. Wie Caspar Brockhaus in Düsseldorf nutzt auch Graf Finckenstein die diskreten Räumlichkeiten wie das Jenisch-Zimmer im Empire-Stil für vertrauliche Treffen mit Geschäftspartnern und Kunden. Die Vorteile: Die Ansprache ist persönlich, das Essen sehr gut und die Rechnung kommt nach Hause. Graf Finckenstein: „Hier fühle ich mich in jeder Hinsicht wohl.“
 

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1 Kommentar zu "Die Legende überlebt: Die diskreten Zirkel der Wirtschaft"

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  • "Ein Club ist ein Club ist ein Club. Und ein Stein , der ins Rollen kommt, rollt nicht vergeblich, so ist zumindest zu hoffen. Schön, dass Sie den unvergessenen und unvergleichlichen Alfed Herrhausen erwähnt und seiner gedacht haben.