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Joe Kaeser

Der Siemens-Chef gliedert das Energiegeschäft aus.

(Foto: Bloomberg/Getty Images)

Die Persönlichkeit der Woche Warum Siemens-Chef Joe Kaeser das Unternehmen radikal umkrempelt

CEO Joe Kaeser greift mit seinen Umbauplänen tief in die DNA von Siemens ein. Die neue Struktur soll den Industriekonzern robuster machen.
09.05.2019 - 16:37 Uhr Kommentieren

München Im Moment ist Siemens zweifelsohne ein Weltkonzern, das zeigt schon ein Blick auf die Gästeliste. Am Donnerstag zum Beispiel war Prinz Charles zu Besuch in der Münchener Zentrale.

Für Siemens-Chef Joe Kaeser war das eine willkommene Abwechslung. Unmittelbar zuvor hatte er sich am Mittag bei einem sogenannten Townhall-Meeting den Mitarbeitern gestellt und um Verständnis für seine Pläne für eine weitere Zerlegung des Konzerns geworben. Das Energiegeschäft wird ausgegliedert und kommt an die Börse. Siemens wird schrumpfen.

Zwei Stunden dauerte die sehr emotionale Veranstaltung. Die Beschäftigten stellten auch viele unangenehme Fragen, berichtet ein Teilnehmer. Längst nicht jeder ist vom Radikalumbau überzeugt. Warum es nun schon wieder den nächsten Wandel gibt, was aus den Arbeitsplätzen wird, wollten die Siemensianer wissen.

Größe an sich sei kein Wert mehr, soll Kaeser geantwortet haben. Er mache das, damit die Kollegen der Kraftwerkssparte eine Zukunft hätten, nicht zur reinen Profitmaximierung. Ihn selbst lasse all das nicht kalt, er wolle nach bestem Wissen und Gewissen das Beste für die Firma.

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    Die Veränderungen für Siemens sind fundamental. „Mir ist kein CEO bekannt, der derart radikal ein Unternehmen umbaut, das nicht in der Krise ist“, sagt ein Berater, der im Hause Siemens zu tun hat.

    Mir ist kein CEO bekannt, der derart radikal ein Unternehmen umbaut, das nicht in der Krise ist. Ein Berater über den Siemens-Chef

    Vor fünf Jahren hatte Kaeser mit der Vorstellung seiner „Vision 2020“ den Umbau eingeleitet. „Ich persönlich stehe Ihnen dafür gerade, dass die nachfolgende Generation ein besseres Unternehmen weiterführen kann. Das ist meine Vision. Das ist meine Verantwortung. Das ist mein Versprechen“, sagte er mit ernster Miene in der Mosaikhalle der alten Siemens-Zentrale in Berlin. Nur wenige rechneten damit, dass er das Unternehmen kleiner – und nicht größer – machen würde.

    Der Umbau in Richtung einer operativen Holding mit den Digitalgeschäften als Kern erfolgte anfangs eher schleichend. Angesichts der Tragweite verlief die Neuordnung vergleichsweise geräuschlos – auch weil Kaeser oft den richtigen Ton trifft. „Kaeser kann sich sehr gut auf seine unterschiedlichen Gesprächs- und Verhandlungspartner einstellen“, meint einer, der ihn seit Jahren begleitet.

    Der Niederbayer spreche die Investoren anders an als Mitarbeiter und Kunden. Der Siemens-Chef wolle es jedem recht machen, werfen ihm Kritiker vor. Doch wirkt er, bei allen Auseinandersetzungen um den Stellenabbau in der Kraftwerkssparte im vergangenen Jahr, nach fast 40 Jahren im Konzern zweifelsohne auch integrativ.

    Dabei hat er dazugelernt. Kaeser selbst wies darauf hin, dass in der Pressemitteilung über den Umbau erstmals seit Langem auch die Arbeitnehmer ausführlich zitiert wurden. Betriebsrat und IG Metall rangen lange mit sich, doch stimmten sie im Aufsichtsrat schließlich zu.

    „Es entsteht ein Unternehmen, das trotz mancher Unwägbarkeiten insgesamt die besseren Perspektiven für die Beschäftigten bietet“, sagte Aufsichtsrat Jürgen Kerner von der IG Metall, der sich in der Vergangenheit schon manch Auseinandersetzung mit Kaeser geliefert hatte.

    Von seinem Aufsichtsratschef Jim Hagemann Snabe hat Kaeser volle Rückendeckung. „Die beiden verstehen sich gut“, heißt es in Industriekreisen. Wie Kaeser setzt Snabe auf Agilität und Tempo, die Auswirkungen der Digitalisierung auf Wertschöpfungsketten und Wettbewerb könnten gar nicht überschätzt werden. Snabe schätze es vor allem, wie Kaeser mutig den Umbau angehe, obwohl es im Moment noch gut läuft.

    Bis Anfang 2021 läuft Kaesers Vertrag. Es war spekuliert worden, dass er noch zwei Jahre dranhängen könnte, falls strategische Themen wie eine Lösung für das Kraftwerksgeschäft ausstehen. Die ist nun da. „Man müsste ihm jetzt eigentlich raten, pünktlich aufzuhören“, sagt ein Personalberater.

    Kaesers Nachfolger wird einen anderen Konzern vorfinden als Kaeser bei seinem Amtsantritt. Mal sehen, ob bei einem kleineren Siemens dann auch noch ein englischer Prinz vorbeischaut.

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