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Dieselskandal Audi-Chef Stadler hofft auf Haftentlassung

Der langjährige Audi-Chef Rupert Stadler hat Haftbeschwerde eingelegt. Seine Ablösung als Vorstand wurde daher zurückgestellt.
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Legt der Audi-Chef seine Ämter nieder, steigen seine Chancen auf vorzeitige Haftentlassung. Quelle: dpa
Rupert Stadler

Legt der Audi-Chef seine Ämter nieder, steigen seine Chancen auf vorzeitige Haftentlassung.

(Foto: dpa)

Frankfurt, Düsseldorf Seit drei Monaten ist Audi-Chef Rupert Stadler in der Justizvollzugsanstalt Augsburg-Gablingen inhaftiert. Seit drei Monaten versteht er die Welt nicht mehr, berichten Menschen aus seinem direkten Umfeld. Stadler sehe sich selbst nicht als Beteiligten des Dieselabgasskandals, der den VW-Konzern seit drei Jahren erschüttert. Gegen seine Inhaftierung hat er daher erneut eine Beschwerde eingelegt, wie die Staatsanwaltschaft München II dem Handelsblatt bestätigte. Die Behörde führt die Ermittlungen gegen Audi und eine Reihe von Mitarbeitern, die an dem Betrug beteiligt gewesen sein könnten.

Stadler selbst ist aus Sicht der Staatsanwaltschaft offenbar nicht an den Tricksereien beteiligt gewesen. Unter seiner Leitung haben allerdings Mitarbeiter die Software für die Motorensteuerung so eingestellt, dass die Audi-Fahrzeuge die behördlichen Emissionstests bestanden haben. Und unter seiner Führung wurden auch Audi-Diesel verkauft, als der Betrug schon längst feststand.

Strittig ist, ob Stadler dazu sein Plazet gegeben hat. Strittig ist auch, ob er Mitarbeiter unter Druck setzen wollte, um die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft zu behindern. So jedenfalls sehen es in beiden Fällen die Staatsanwälte.

Der Vorwurf lautet daher auf Betrug und Verdunkelungsgefahr durch versuchte Zeugenbeeinflussung. Weil Ermittler und ein Gericht dazu ausreichend Hinweise fanden, muss Stadler seit dem 18. Juni in Augsburg einsitzen. Für Stadler sei es die härteste Zeit seines Lebens, berichten Leute, die ihm nahestehen. Nachdem eine erste Haftbeschwerde vom Gericht zurückgewiesen worden ist, hofft er nun auf den nächsten Anlauf.

Damit der erfolgreich sein kann, ist Stadler zur Aufgabe seiner Posten im VW-Konzern bereit, wie das Handelsblatt aus informierten Kreisen erfahren hat. Der 55-Jährige ist Vorstand des VW-Konzerns und Chef der Marke Audi; derzeit allerdings ist er wegen seiner Inhaftierung von seinen Posten beurlaubt.

Legt Stadler seine Ämter nieder und verlässt die Führungsetage des Autobauers, dann dürften seine Chancen auf eine Haftentlassung steigen, hieß es. Denn mit dem Rückzug würde er auch seine Einflussmöglichkeit auf mögliche Zeugen im Abgasfall verlieren. Ohne seine Macht als Vorstandschef von Audi könnte er keinen Druck ausüben.

Eigentlich wollten seine Anwälte bereits am vergangenen Montag mit dem Aufsichtsrat der Volkswagen AG eine entsprechende Vereinbarung treffen. Allerdings seien noch Details zu klären gewesen, sagte ein Insider. Außerdem konnten die Anwälte noch nicht abschätzen, ob der Staatsanwaltschaft ein Rücktritt reicht.

Um dies zu klären, wurde die Vertragsaufhebung verschoben. Nach jetzigem Stand soll am Freitag kommender Woche auf einer regulären Sitzung des Aufsichtsrates über das Thema erneut beraten werden – und eine Entscheidung gefällt werden.

Auch wenn Stadler keine Beteiligung am Abgasbetrug unterstellt wird, so ist seine Person doch im Konzern umstritten. Vor allem die Vertreter von Betriebsrat und der ‧Gewerkschaft IG Metall wollen ihn schon länger loswerden, wie es in Konzernkreisen hieß. Vertreter der Familien Porsche und Piëch, die die Mehrheit am Mutterkonzern VW kontrollieren, stehen aber hinter ihm. „Deren Rückendeckung hat er bis heute“, verlautete aus Kreisen des Aufsichtsrates.

Angesichts der nun schon dreimonatigen Untersuchungshaft hätten die Familien aber eingesehen, dass sie nicht länger an ihm festhalten könnten. Zumal Stadler selbst zum Verzicht auf den Posten bereit ist, könnte er doch so den Weg in die Freiheit ebnen. Auf der Aufsichtsratssitzung dürfte es auch darum gehen, wie hoch seine Abfindung ausfallen wird.

Zweifelhafte Strategie der Verteidigung

Innerhalb der Führungsetage ist der Umgang mit Stadler eines der am meisten diskutierten Themen. Zum einen werfen einige Manager der Staatsanwaltschaft München II einen zu harten Umgang mit ihm vor. „Natürlich hat VW Gesetze gebrochen, Stadler war daran aber doch nicht beteiligt“, klagte ein hochrangiger Manager.

Zumindest bei der Tochter Audi kommt aber auch die Frage hoch, ob denn der Konzern die richtige Verteidigungsstrategie gewählt hat. Gegenüber der Staatsanwaltschaft München II hat das Unternehmen auf Anraten seiner Rechtsabteilung eine Kooperation vermissen lassen. So klagte der Konzern erfolglos gegen eine Beschlagnahme von Unterlagen, die bei der Kanzlei Jones Day gesammelt worden waren. Die Juristen waren mit den internen Untersuchungen beauftragt und hatten massenhaft Dokumente gehortet.

Stadler hatte die Linie der Hausjuristen mitgetragen. Dass er im Gefängnis sitzt, ist womöglich auch indirekt Teil der Verteidigungsstrategie des VW-Konzerns. Was er selbst dazu denkt, ist unklar. Seine Anwälte, aber auch das Unternehmen lehnten einen Kommentar zu dem Thema ab.

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