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digitale Transformation

Gastbeitrag Datendeal statt Datenklau – Warum wir Facebook dankbar sein sollten

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Was in falsche Hände gerät, bekommen wir nicht zurück
So funktionieren professionelle Angriffe im Netz
Sensible Ziele
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Strom- und Telekommunikationsnetze zählen zu den kritischen Infrastrukturen, die, so heißt es in einem aktuellen Bericht der VDI-Nachrichten, immer häufiger Ziel von Hackerattacken sind. Erst kürzlich ließ ein Vorfall in der Ukraine die Experten aufhorchen…

(Foto: obs)
Malware-Angriffe
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So geht der große Stromausfall, der die Hälfte aller Haushalte in der Region um die Stadt Ivano-Frankivsk betraf, auf einen Malware-Angriff zurück. Die Schadsoftware gelangte dabei durch infizierte Makro-Funktionen in Microsoft-Office-Dokumenten in das Betreibernetz. Ein Angriff, der in die Geschichte eingeht - als erster Stromausfall, der durch eine Cyberattacke ausgelöst wurde.

(Foto: dapd)
Angreifer rüsten auf
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Den Angreifern stehen immer stärkere Cyberwaffen zur Verfügung und neben Einrichtungen aus der Strom- und Telekommunikationsbranche werden, da sind sich Fachleute einig, auch Industrieanlagen künftig noch stärker zum Ziel werden.

(Foto: dpa)
Laxe Sicherheitsvorgaben
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Marcel Mock, Mitgründer des Sicherheitsanbieters Totemo, kritisiert im Gespräch mit den VDI-Nachrichten, dass es den Betrieben grundsätzlich nach am Bewusstsein fehle, dass auch von Datenzugriffen innerhalb des Unternehmens Risiken ausgehen. Auch schwache Passwörter oder gemeinsam genutzte Accounts würden den Abfluss schützenswerter Daten in dunkle Kanäle begünstigen.

(Foto: dpa)
Unsichtbare Schadsoftware
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Verstärkt setzen die Angreifer auf speicherresistente und dateilose Malware, um die Spuren, die sie in einem System hinterlassen, zu reduzieren. So wird Schadsoftware als Datei gar nicht mehr sichtbar und versucht, sich unlöschbar im Speicher festzusetzen - dagegen hat die Antivirus-Software kaum eine Chance.

(Foto: dpa)
Industrie 4.0
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Große Gefahren sehen Experten in der wachsenden Automatisierung in der Industrie und der steigenden Vernetzung von Maschinen. So bemängelt beispielsweise der Tüv Rheinland, dass die in solchen Industrienetzwerken verwendeten Protokolle zwar robust, aber häufig nicht sicher seien. Dazu kommen Sicherheitsmängel der eingesetzten Sensoren - für die Industrie 4.0 könnte das, so die VDI-Nachrichten, zur Achillesferse werden.

(Foto: dpa)
Ransomware
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Auch Ransomware, das erwarten Sicherheitsvorscher von Kaspersky, wird für das Internet der Dinge auftauchen. Dabei wird eine Schadware so installiert, dass ein Zugriff oder die Nutzung von Systemen nur mit einer Entschlüsselung oder einem Freigabecode möglich ist - dem folgen klassischerweise Lösegeldforderungen mit angedrohten Abschaltungen von Maschinen.

(Foto: dpa)

In Zeiten des Kalten Krieges stand die Welt direkt am Abgrund. Alle Welt wusste, dass ein Knopfdruck das Höllenfeuer eines Atomkrieges starten könnte. Doch statt wie das Kaninchen vor der Schlange angsterfüllt zu versteinern ist es der Weltgemeinschaft in jahrelangen diplomatischen, politischen und völkerrechtlichen Verhandlungen gelungen, einen Atomwaffensperrvertrag abzuschließen, ein weltweites Verbot von Chemiewaffen und die Ächtung von Verbrechen gegen die Menschlichkeit zu vereinbaren. Das verhindert nicht einzelne Verstöße, aber erspart uns die Apokalypse.

Jetzt wird es wieder einige Anstrengungen kosten, die martialischen Fähigkeiten zur Selbstzerstörung einer vernünftigen Selbstbeschränkung zu unterwerfen und das Vertrauen der Menschheit in sich selbst zurückzugewinnen. Vor uns liegen zähe, aber notwendige Debatten.

Die Zuckerberg-Befragung im US-Kongress hat gezeigt, wie schwer es ist, sich über die derart fortgeschrittenen, sich ständig erweiternden Möglichkeiten der Technik überhaupt nur zu verständigen, ganz zu schweigen davon, wie man sie praktisch regulieren könnte. Die digitale Bohéme lacht über das Unverständnis der Senatoren: Ein 33-jähriger Nerd lässt sie alle alt aussehen.

Aber umgekehrt scheint die Welt noch nicht verstanden zu haben, um welche gesellschaftliche Verantwortung es gerade geht. Nicht um die Verantwortung einzelner User, nicht um die Verantwortung einzelner Unternehmer, sondern um ein Weltwirtschaftssystem, das auf Daten, aber zuvörderst auf Vertrauen basiert. Wenn digitale, frei kopierbare Informationen in die falschen Hände geraten, bekommen wir sie nicht zurück.

Einen ersten vielversprechenden Ansatz präsentiert ausgerechnet die oft als hinterwäldlerisch verpönte EU mit ihrer Datenschutzgrundverordnung (DSGVO), deren Nichtbefolgung ab Mai 2018 zu drakonischen Strafen führen kann. Aus „Opt-In“ wird „Opt-Out“.

Die bisherige Datennutzungslogik wird quasi umgekehrt: Nutzer müssen der Erhebung ihrer Daten nicht erst widersprechen – sie müssen vorab um Erlaubnis gefragt werden. Personenbezogene Daten dürfen erst nach ausdrücklicher Zustimmung erfasst werden.

Doch dringend erforderlich ist jetzt auch eine Regulierung über die aktuelle Datensituation hinaus. Zwischen der Erfassung persönlicher Daten und ihrer Verwendung können Jahre liegen. Ein Einverständnis, das ich 2018 gebe, darf nicht für beliebige Datenanalysen im Jahr 2020 gelten.

So wie sich heute durch moderne gentechnische Analysen unerwartet Verbrechen aus früheren Jahrhunderten aufklären lassen, könnten sich morgen irgendwann aus den Daten von heute neue Geschäftsmodelle, neue Überwachungsmethoden, neue Was-auch-immer entwickeln lassen.

„Es wird immer eine kostenlose Version von Facebook geben“, behauptet Zuckerberg gönnerhaft, als sei unser größtes Problem, den sozial Schwachen den Abo-Preis für eine werbefreie Facebook-Version zu ersparen. Geradezu schamlos wird hier ein falsches Tauschgeschäft vorgegaukelt. Es wedelt der Eroberer der neuen Digital-Welt mit glitzernden Glaskugeln, um den analogen Ureinwohnern ihre wertvollen Daten abzuluchsen.

Denn es geht nicht mehr um bunte Werbung, es geht um individualisierte Produkte, Dienstleistungen, Verträge, Rechte und Pflichten. Es geht um gesellschaftliche Teilhabe in jeder Form. Das eigentliche Geschäftsmodell des Digitalzeitalters sind längst Big-Data-Auswertungen: Daten sind das neue Gold!

Deswegen sollten wir schnellstmöglich sicherstellen, dass die Daten auch künftig denen gehören, die sie hergeben, und nicht denen, die sie archivieren. Wir müssen dafür sorgen, dass die „Datengeber“ an späteren „Profiten“ – sei es monetärer oder sozialer Art – angemessen beteiligt werden. Wir brauchen Verträge, die festschreiben, dass diejenigen, die ihre Daten preisgeben, bei künftiger Nutzung ihr Einverständnis geben müssen.

Und wir müssen definieren, was die ethischen Grenzen individualisierter Angebote sind, so wie es heute – bei aller wirtschaftsliberaler Vertragsfreiheit – Kartellbehörden, Arbeitsrechtler und Aufsichtsbehörden gibt. Wir brauchen keine Sonntagsreden über flächendeckendes W-Lan in der bayerischen Heimat, sondern ein Digitalministerium, das genau solche Regularien möglichst schnell europaweit in die Diskussion bringt!

Der Autor

Jochen Adler ist Manager Solution Consulting beim kanadischen Software-Unternehmen OpenText. Adler befasst sich seit den 1990ern damit, wie aus losen Informationen richtungsweisende Erkenntnisse werden, wie sich Kunden- und Konsumentenerwartungen wandeln, wie Digitaltechnologie unser Leben zum Besseren verändert.

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