digitale Transformation
Thomas Vollmoeller

„Das Problem der Talentsuche gibt uns unglaublichen Rückenwind“

(Foto: Xing)

Karriere-Netzwerk Der Xing-Chef setzt auf Datenschutz als Wettbewerbsvorteil

Das berufliche Netzwerk Xing kommt inzwischen auf 14 Millionen Mitglieder und einen Quartalsumsatz von 54 Millionen Euro. Die Burda-Tochter profitiert von dem anhaltenden Fachkräftemangel.
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DüsseldorfDer Datenschutzskandal von Facebook nutzt so manchem Wettbewerber. So verzeichnet das berufliche Netzwerk Xing, das zum Münchener Medienunternehmen Burda gehört, steigende Mitgliederzahlen: Im ersten Quartal 2018 erhöhte die die Nutzerzahl um rund eine halbe Million auf nun 14 Millionen Mitglieder.

„Es ist für niemanden hilfreich, wenn ein Social Network ins Gerede kommt“, meinte Xing-CEO Thomas Vollmoeller, als er am Donnerstag die Quartalszahlen vorstellte. Aber seinem Unternehmen sei es durch den Datenskandal gelungen, die Einhaltung des deutschen Datenschutzes noch stärker als „DNA der Firma“ herauszustellen.

Im März war bekannt geworden, dass die inzwischen insolvente britische Analysefirma Cambridge Analytica Daten von 87 Millionen Facebook-Nutzer unerlaubterweise zweckentfremdet hatte. Ein Skandal mit weitreichenden Folgen: Datenschutz wird zu einem Wettbewerbsvorteil.

Davon will Xing profitieren. Im Zuge der europaweiten Datenschutzgrundverordnung, die am 25. Mai in Kraft tritt, will das Netzwerk einen sogenannten Privacy-Hub für die Mitglieder einführen: Die Nutzer können künftig auf einen Blick sehen, welche Daten von ihnen auf der Plattform existieren. Die Transparenz-Offensive hat Xing zusammen mit einem Datenschutzbeauftragten auf den Weg gebracht.

Derzeit existiert eine Beta-Version, die Freischaltung ist in den kommenden Wochen geplant. Die Datenschutzgrundverordnung sorgt künftig europaweit für eine strengere Regulierung der Daten, die Unternehmen sammeln und weiterverwenden wollen. Die Firmen müssen genau dokumentieren, wie sie mit den Daten umgehen.

Die steigende Mitgliederzahl von Xing im ersten Quartal sorgt auch für höhere Umsätze und Gewinne bei der Burda-Tochter: Der Umsatz kletterte um 28 Prozent auf 54 Millionen Euro. Bereinigt um die Zukäufe der Firmen Prescreen und Internations betrug das organische Wachstum 21 Prozent.

Die Erlöse teilen sich je zur Hälfte auf Privatpersonen und auf Unternehmen auf. B2C nennt Xing jenen Bereich, der sich vor allem auf die Einnahmen der kostenpflichtigen Xing-Konten stützt. Etwa eine Million der insgesamt 14 Millionen Mitglieder hat kostenpflichte Accounts. Dabei bezahlen sie jeweils bis zu 9,95 Euro pro Monat.

Im B2B-Bereich bündelt Xing die Unternehmenskunden. Dabei handelt es sich um Werbekunden, um Event- und Ticketspezialisten sowie um Personalabteilungen und -berater. Der anhaltende Fachkräftemangel spielt dem beruflichen Netzwerk dabei in die Hände. „Das Problem der Talentsuche gibt uns unglaublichen Rückenwind“, sagte Vollmoeller.

Dass sein Unternehmen nur im deutschsprachigen Raum präsent ist, der große Wettbewerber LinkedIn dagegen weltweit, sieht der Xing-Chef nicht als Problem an. „Die wenigsten Menschen oder Unternehmen suchen weltweit“, meinte er. Zum Vergleich: Bei LinkedIn sind 546 Millionen Menschen, meist Fach- und Führungskräfte, global vernetzt.

Der Boom im Networking schlägt sich auch in den Gewinnen des deutschen Unternehmens nieder: Xing verzeichnet im ersten Quartal ein Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) von 14,8 Millionen Euro, das sind 19 Prozent mehr als noch vor einem Jahr. Das Konzernergebnis belief sich auf 6,1 Millionen Euro – das ist ein Zuwachs von 25 Prozent.

Ende März hatte das Unternehmen für das laufende Geschäftsjahr ein Umsatzplus im zweistelligen Prozentbereich in Aussicht gestellt. Beim bereinigten operativen Ergebnis (Ebitda) erwartete der Konzern eine „deutliche Steigerung".

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