dm-Gründer Götz Werner Ein Träumer und Unternehmer

Ein bedingungsloses Grundeinkommen für alle Bürger - das ist die Vision von Götz Werner, die er seit Jahren predigt. Es klingt wie ein religiöses Gebot. Bisher hat es allerdings nicht viel gebracht.
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Götz Werner, Gründer der Drogeriemarktkette dm. Quelle: ap

Götz Werner, Gründer der Drogeriemarktkette dm.

(Foto: ap)

DüsseldorfGötz Werner hat keine Zeit zu verlieren. Er beginnt gleich mit dem Grundsätzlichen: „Wenn Sie leben wollen, brauchen Sie ein Einkommen.“ Er steht in einer kleinen Kirche in der Düsseldorfer Altstadt. Die Kirche ist bis auf den letzten Platz besetzt, die Menschen stehen dicht gedrängt bis zur Tür. Beim Fototermin eine halbe Stunde zuvor wirkte Werner noch müde, jetzt redet er laut und eindringlich. „Sie brauchen ein Einkommen, sonst können Sie nicht leben“, wiederholt er. Der Satz ist so etwas wie sein Mantra.

Götz Werner, Gründer der Drogeriemarktkette dm und 35 Jahre lang ihr Geschäftsführer, ist laut einer Forsa-Umfrage einer der beliebtesten Manager der Deutschen. Einer, der ordentlich mit seinen Angestellten umgeht und trotzdem günstige Produkte verkauft. Der Anti-Schlecker. 2008 gab er die Geschäftsleitung auf. Seitdem kämpft er hauptberuflich für seine Vision: ein bedingungsloses Grundeinkommen für alle Bürger, mehr als doppelt so hoch wie der aktuelle Hartz-IV-Satz, ohne dass man dafür Bewerbungen schreiben oder Computerkurse besuchen muss. Er hat Bücher darüber geschrieben, er hat in fast jeder deutschen Talkshow gesessen. Gebracht hat es nicht viel. Außer den Piraten fordert keine Partei das bedingungslose Grundeinkommen.

Werner predigt unbeirrt weiter. Er sucht sich Verbündete. Neben ihm in der Kirche steht Johannes Stüttgen, ein Düsseldorfer Künstler und Gründer der Initiative „Omnibus“. Der Verein wirbt für direkte Demokratie und neuerdings auch für das bedingungslose Grundeinkommen. Werner und Stüttgen eint ein Gedanke: Der Mensch soll nicht arbeiten müssen, um leben zu können, er soll leben dürfen, um arbeiten zu können. Ob er Produkte herstellt, über politische Fragen diskutiert, Musik macht oder Kranke pflegt, Hauptsache, er sieht einen Sinn in dem, was er tut.

Für Stüttgen ist eine solche Gesellschaft ein Kunstwerk, eine „soziale Plastik“, an deren Gestaltung sich jeder Einzelne beteiligt. Bei Werner klingt es wie ein religiöses Gebot: „Ich bin doch auf der Welt, um die Welt zu verändern“, ruft er und zitiert aus dem Matthäus-Evangelium, von dem Gleichnis mit den Talenten, nach dem jeder Mensch verpflichtet sei, das Beste aus sich herauszuholen. Nur müsse man ihn auch dazu befähigen. „Sie brauchen ein Einkommen. Sonst können Sie nicht leben.“

Den vorsichtigen Einwand eines Zuhörers, ob das denn überhaupt finanzierbar sei, wischt Werner weg: „Das ist doch schon finanziert. Wir können genügend Güter und Dienstleistungen hervorbringen, wir waren in Deutschland noch nie so reich wie heute.“ Das Publikum klatscht. Es möchte dem Prediger gerne glauben. Viele von ihnen haben vorher gesagt, dass sie enttäuscht sind von den Parteien. Sie haben keine Lust mehr, sich anzuhören, dass die Welt, wie sie ist, alternativlos ist.

Werner macht es ihnen leicht, ihm zu glauben. Schließlich ist er nicht nur Träumer, sondern auch Unternehmer. Im Vergangenen Jahr hatte dm 39 000 Mitarbeiter, 2 400 Filialen und einen Umsatz von 6,2 Milliarden Euro. Und er spricht mit der Weisheit eines alten Mannes, der in seinen fast siebzig Lebensjahren erfahren hat, dass kaum ein Grundsatz für alle Zeiten gilt.

Auf die Frage einer jungen Frau, was sie denn nun konkret tun könne, sagt er: „Verbreiten Sie die Idee. Die Utopien von heute sind die Realität von morgen.“

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26 Kommentare zu "dm-Gründer Götz Werner: Ein Träumer und Unternehmer"

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  • Das BGE ist locker finanzierbar weil es ja nicht ZUSÄTZLICH obendrauf kommt sondern schon heute bei jedem integriert ist. Nur nicht bedingungslos. Niemand in Deutschland fällt heute unter ca. 700 Euro Einkommen alles zusammengenommen. Hier herrscht ein Denkfehler der Kritiker die glauben es kommt finanziell obendrauf. Ja, dann würde es wirklich nicht gehen.

  • @ Johadi

    Wissen Sie wofür ICH mein BGE verwenden würde?
    Ich würde mir endlich regelmäßig meine Klamotten bei HessNatur und im HanfHaus holen - statt bei H&M und KiK
    Mein Obst und Gemüse könnte ich nicht nur öfter im BioLaden erwerben, ich könnte vor allem den ganzen Monat lang gutes, gesundes Grünzeugs kaufen
    Ich würde auch meinen GasAnbieter nach ökologischen Gesichtspunkten auswählen - und nicht nur den Strom, wie jetzt zeitweise "grün" beziehen
    Nach einigen Jahren werde ich mir dann endlich ein in Deutschland aus heimischen Hölzern produziertes Bett leisten können
    Und die passende Matratze ohne Schadstoffe dazu - anstatt der Aktionsware vom Discounter
    Mit einem BGE würden noch mehr Menschen als heutzutage auf Produkte aus von Ihnen genannten Ländern/ mit von Ihnen genannten ProduktionsGeschichten verzichten können
    Weil sie es sich dann endlich leisten können!

    PS: schon heute versuche ich weitestgehend (nach meinen Möglichkeiten) solche Konsumgüter zu erwerben, die nicht nur nach ökologischen, sondern auch sozialen Gesichtspunkten produziert wurden
    Von Unilever zBsp kommt mir NICHTS mehr in den Einkaufskorb - solange die Firma Palmöl von gerodeten Regenwaldgebieten bezieht

  • Auch die ersten Erfindungen sind belächelt worden oder Reformer wie Ghandi und Nelson Mandela. Wer hätte je gedacht das Amerika mal einen dunkelhäutigen Präsidenten bekommt. wer hätte je gedacht das nach 2000 jahren immer noch das wort jesu weitergegeben wird. Glaube kann viel bewegen und Mitgefühl kann gelernt werden. Also wieso nicht an etwas neues glauben und etwas dafür tunß das setzt aber Nächstenliebe voraus und Nächstenliebe setzt Eigenliebe voraus. u.s.w. Nur wer Mitgefühl für den anderen hat kann teilen und wer ohne Angst leben kann.

  • Ich habe genügend Artikel zu den Bankstern im Netz. Und noch mehr Artikel zum Staatsversagen im Rahmen der Bankenregulierung. Sie hören richtig: Der Saat hat versagt und der kleine Mann muss das aulöffeln. Mit Ihrer Polemik habe ich nichts zu tun. Und ich bin kein Profiteur, sondern als Vater mit zwei Kindern von 9 und 12 verantwortlich für deren finanzielle Sicherheit in der Zukunft. Lesen Sie erstmal 50 FAZ-Beiträge von mir, dann können Sie sich entschuldigen.

  • Ich finde die idee des grundeinkommens eigentlich genial...sie hat aber einen haken..Unsere Konsumgüter werden mittlerweile zum größten teil im ausland produziert. Und das zu sklavenähnlichen Verhältnissen (China, Indien...Rohstoffe in Afrika) Können wir uns wirklich ein Schlaraffenland leisten, dass sich darauf aufbaut, dass wir volkswirtschaften ruinieren, menschen mit dumpinglöhnen und täglichen arbeitszeiten von 15 Stunden unter miserablen arbeitsbedingungen für uns schuften lassen. Unsere Freiheit ist doch nur möglich, da sich andere sogar mit ihrem leben dafür opfern müssen. Die erschwinglichen preise für klamotten, möbel und essen sind der beweis dafür. Das steht in keinem verhältnis. so schön die idee eines bges ist...Es wäre der Gipfel des Zynismus einer ausbeuterischen Weltordung.

  • Kommunist, oder?

  • Soso, der ein oder andere verfällt mal wieder in den "BGE -> Faule Säcke" Trott.
    Ich sehe hier eher die Chance das man mit seinem Chef endlich wieder in Augenhöhe stehen kann.
    Ein kleines Beispiel:
    Ein Fahrer arbeitet bei Spedition X. Sein Chef fordert von seinem Fahrer das er zu schnell fährt und die Pausen-/Stand-Zeiten nicht einhält um viel zu eng gesteckte Liefertermine einzuhalten.
    Macht er das nicht kann er gehen weil da draußen ja noch 20 andere sitzen die zu solchen Bedingungen fahren würden. Der Fahrer ist also durch den Einkommenszwang erpressbar, er will ja schließlich kein ALG-2 beziehen. Achja, Bußgelder darf der Fahrer selber zahlen.

    Mit einem BGE könnte der Fahrer aber mit einem Lächeln seinem Chef sagen das er Gesetzeskonform oder gar nicht fährt. Mit einem BGE hätte solch ein Chef auch kaum Möglichkeit andere Fahrer zu solchen Bedingungen zu finden.

    Ich gehe davon aus das sich das in anderen Branchen ähnlich abspielen wird, die Paketzusteller Beispielsweise, oder die Klinkenputzerbrigaden der Staubsaugerverkäufer (Ja, ich schaue gerade nach Wuppertal :3 ).

  • Aber wer sagt den das es dem Großteil nur um nehmen geht? Und wenn ja, ist das jetzt nicht auch so, nur das es eben auch viele Bürger unverschuldet trifft? Die Vollbeschäftigung ist nicht zu erreichen und dadurch gibt es "die eine Hälfte" mit 40 Stunden Job und die andere mit gar keinem. Das dass auch am Fachkräftemangel liegt ist schon klar, nicht jeder kann einfach Arzt werden, nur weil es gerade zu wenige gibt. Allerdings währe es möglich das dadurch die Menschen die in diesem Feld arbeiten wollen diesen auch anstreben können. Und nicht mit einem niedriglohngehalt in ihrer Situation "Festhängen"! Betätigung ist ein Grundbedürfnis! Geben und nehmen habe ich oft hier gelesen und von Motivation. Wer ist den motivierter, jemand der für einen Euro Gartenbeete harken MUSS oder jemand der, bei passender Bildung, in ein Betätigungsfeld seiner Wahl investieren kann. Hier geht es jawohl darum das die Grundversorgung gewährleistet wird und der Einzelne mit 15 oder 20 Stunden Arbeit gut leben kann und nicht um den Wohlfahrtsstaat. Andere Sozialleistungen fallen ja dafür weg. Kritik begründet sich meiner Meinung nach eher auf dem Erhalt des Status Quo und dem Beschäftigungs- und Vermögensgefälles.

    Lg DT

  • Das bedingungslose, konsumsteuer-finanzierte Grundeinkommen, wie es u. a. Götz W. Werner mit viel finanzieller Macht voran treibt, ist eine heimtückische Falle für unsere Volkswirtschaft. Es lockt die breite, seit Jahrzehnten der Armut verfallenden Bevölkerung wie der Gesang der Sirenen.
    In Wirklichkeit dient es der Festigung des modernen Feudalismus in Deutschland und fördert die weitere Vermögenskonzentration bei unseren zehntausend Meudalherren in Deutschland:
    1. Diese werden von lästigen Einkommens- und Ertragssteuern befreit, nach heutigem Maßstab in Millionenhöhe. Die Konsumsteuer hängt allenfalls noch vom persönlichen Lebenswandel, aber nicht mehr vom persönlichen Reichtumszuwachs ab.
    2. Hinzu kommt, dass die längst hereinbrechende Gefahr von Umsatzrückgängen auch bei den Unternehmen der Meudalherren (95% der Bevölkerung verliert seit den 1960er Jahren permanent an Kaufkraft) durch das Grundeinkommen abgewehrt wäre.
    3. Götz W. Werner meint schließlich, dass das Grundeinkommen die bestehenden Löhnen und Gehältern substituieren solle (z. B.: Basler Zeitung vom 14.10.2006). In Höhe des Grundeinkommens brauche ein Arbeitgeber keine Löhne und Gehälter mehr zu bezahlen. Ob in diesem Maße der Unternehmer dann auch seinen Umsatz mindert (durch Preissenkung) soll “natürlich” diesem überlassen bleiben. M. a. W.: Das Grundeinkommen kassiert nicht der Arbeitnehmer, sondern der Unternehmer - zusätzlich zu dem eigenen Grundeinkommen. Bei Götz W. Werner mit etwa 23.000 Mitarbeitern wären das also etwa 23.001 Grundeinkommen in der Schatulle von Götz W. Werner. Arbeitnehmer arbeiten jeden Monat bis zum Erreichen der Höhe des Grundeinkommens für den Arbeitgeber umsonst.
    4. Zu bedenken ist schließlich, dass die Koppelung des Grundeinkommens an eine Konsumsteuer zu einer Art Garantie für Umsätze bei den Unternehmen ausartet: Denn ohne Umsätze keine Konsumsteuer, ohne Konsumsteuer kein Grundeinkommen.
    Chapeau! Sehr schön ausgedacht!
    meudalismus.dr-wo.de/html/werner.htm

  • Ich habe mehrere Artikel im Netz, vor allem in der Zeit, dass es den homo ökonomicus nicht gibt. Hirnforschung und Psychologie sind ein von mir tiefst beackertes Hobby. Es stehen ja genügend herausragende wissenschaftliche Arbeiten hierzu im Netz. Die Psychologie und die Verhaltensökonomie beobachtet z.B. wie sich der Mensch in Entscheidungssituationen verhält, bei denen er mit anderen teilen, oder nur mit diesen zum Erfolg kommen kann. Es ist wohl recht einfach, was unter Laborbedingungen herauskommt, wenn einer der "Spieler" trotz Bemühen immer leer ausgeht, und der der sich überhaupt nicht bemüht alles bekommt. Allerdings kostet ein Laborgroßversuch in der BRD Milliarden und setzt die falschen Anreize. Soll jeder Einwanderer ein Grundeinkommen erhalten? wo gibt es selbiges auf der Welt?Und warum nirgends? Da sind wir wieder bei der Psychologie und der Tatsache, dass der Mensch als Humanist gerne hilft und auch eine altruistische Seite hat. Genau diese Verhaltensweise sollte gefördert werden. Aber nicht durch Zuteilung finanzieller Rechte ohene Gegenleistung. Das Geben und Nehmen muss zusammen finden, z.B. wenn das Grundeinkommen an eine gemeinnützige Tätigkeit gekoppelt ist. Alles andere lehnt der Mensch instinktiv ab, es sei denn er ist Profiteur einer Ideologie.

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